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Private Initiative bringt St. Jürgen voran

Stralsund Private Initiative bringt St. Jürgen voran

Stadtverwaltung setzt bei der Rettung des historischen Friedhofs auf den Gemeinschaftssinn der Stralsunder.

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Durch Initiative des Internetportals Alte Profis wurde das Grab der Malerin Elisbeth Büchsel auf dem Friedhof St. Jürgen restauriert.

Quelle: Christian Rödel

Stralsund. Ein trauriges Dasein fristete der Friedhof St. Jürgen lange Zeit. Vor allem in den 1990er Jahren zerstörten Vandalen Grabanlagen, sorgte ungehinderter Wildwuchs dafür, dass die Begräbnisstätte vieler berühmter Menschen, deren Namen eng mit der Hansestadt verknüpf sind, immer mehr verkam.

Doch die Hansestadt wollte den ältesten Friedhof vor den Stadttoren nicht kampflos aufgeben. „Immerhin erfüllt St. Jürgen unterschiedliche Aufgaben“, sagt Ordnungsamtsleiter Heiko Göcke und verweist auf den Naturraum mitten in der Stadt, der Naherholungsqualität besitze. Dazu kommt, dass die historische Anlage unter Denkmalschutz steht. So ließ die Stadt 2003 vom Ingenieurbüro Umweltplan in enger Abstimmung mit Umwelt- und Denkmalexperten ein Konzept erarbeiten, wie der Friedhof zu retten sei.

Für Heike Benz vom Bauamt stellte dieses Konzept in den vergangenen zehn Jahren eine gute Arbeitsgrundlage dar: „Es hat uns in die Lage versetzt, zu erkennen, in welchen Schritten wir vorgehen müssen.“ Zunächst ging es darum, die Wegebeziehungen wieder herzustellen Bäume wurden gepflegt und nachgepflanzt, Alleen wieder hergestellt, wildwachsende Brombeerhecken beseitigt. Vor allem wurden Tore wieder geöffnet. Ein Umstand auf den Heike Benz besonders hinweist: „Wir brauchen eine soziale Kontrolle durch mehr Öffentlichkeit auf dem Friedhof, um dem Vandalismus Einhalt zu gebieten.“ Die Arbeiten, die im Laufe der Jahre erledigt wurden, wandte sich aber auch kleinen Details zu. So wurde durch Hinweisschilder am nahen Knieperdamm darauf aufmerksam gemacht, dass sich auf dem Friedhof auch eine Kriegsgräberstätte befindet. Seit 2004 versorgen Aufsteller die Besucher mit Informationen über die Geschichte des Friedhofs. Und selbst ein Wertstoffsammelsystem, das sich am Friedhofszaun befand, wurde auf die andere Straßenseite umgesiedelt. Viele der Arbeiten wurden von Mitarbeitern des Bauhofs mit Unterstützung von Ein-Euro-Jobbern ausgeführt. Heike Benz macht aber darauf aufmerksam, das sich zunehmend private Initiativen Sanierungs- und Pflegearbeiten vornehmen. So pflegten 2009 Stralsunder Ärzte das Grab von Franziska Tiburtius, eine der ersten deutschen Ärztinnen und Vorkämpferin für das Frauenstudium. Mitglieder der Internetplattform Alte Profis widmeten sich der Grabstelle der Malerin Elisabeth Büchsel. Vertreter der Stralsunder Akademie für Garten- und Landschaftskultur führen regelmäßig Pflegeeinsätze in den Grünanlagen durch. Daneben kommen aber laut Heike Benz immer wieder Nachfahren Verstorbener, die sich etwa bei der Sanierung der historischen Grabkapellen ihrer Familien engagieren.

Diese Miteinander von privaten und öffentlichen Anstrengungen ist für Heiko Göcke auch das Rezept, mit dem der Friedhof St. Jürgen auch in Zukunft weiter verschönert werden soll. „Noch im April wird die Jugendbauhütte einen dreitägigen Arbeitseinsatz auf dem Friedhof leisten. Im Juli ist die Kriegsgräberfürsorge hier und für November hat sich bereits wieder die Akademie für Garten und Landschaftskultur angemeldet“, zählt er die nächsten Vorhaben auf. Die weitere Umsetzung des Rettungskonzepts sieht Göcke damit als Ziel und Aufgabe für alle Stralsunder. Ansprechpartnerin für alle, die dabei auch künftig mithelfen möchten, ist Heike Benz im Bauamt der Hansestadt.

Gedächtnis der Stadt
Gartenhistorikerin Dr. Angela Pfennig verweist auf die kulturgeschichtliche Bedeutung des Friedhofs St. Jürgen als das Gedächtnis einer Stadt.

1675 wurde die Begräbnisstätte vor den Toren der Stadt angelegt. 1969 hatte sie bei 34 000 Beerdigungen ihre Belegungsgrenze erreicht.
Freiheitskämpfer Ferdinand von Schill, Stralsunds Oberbürgermeister Ernst Gronow oder Rudolf Baier, der Gründer des Kulturhistorischen Museums, wurden hier beerdigt.

Seit 1870 prägen zahlreiche Grabkapellen das Bild der Begräbnisstätte.

Westlich der zweiten Hauptallee befinden sich Grabfelder für gefallene deutsche Soldaten des Zweiten Weltkriegs, die dauerndes Ruherecht genießen.

Alleen bestimmen das Friedhofsbild ebenso wie Solitärbäume, etwa Zeder, Maulbeere oder rotblühende Kastanie.

Jörg Mattern

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