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Rügen Prora-Zentrum rückt näher
Vorpommern Rügen Prora-Zentrum rückt näher
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10:14 26.09.2018
Das Dokumentationszentrum Prora. Zusammen mit dem Prora-Zentrum wurde ein Dachverband gegründet. Quelle: Stefan Sauer/dpa
Prora

Der Betrieb eines modernen Dokumentationszentrums zur NS- und DDR-Geschichte von Prora auf der Insel Rügen rückt immer näher. Eine Lenkungsgruppe hat das Konzept für Prora mittlerweile genehmigt. Knapp sieben Millionen Euro gehen zu gleichen Teilen von Bund und Land in den Aufbau dieser kulturellen Einrichtung. Im Bieterverfahren von Block V der NS-Hinterlassenschaft haben im Sommer zwei Interessenten ein Gebot abgegeben. Die Mitglieder des Kreistages stimmen nun in ihrer nächsten Sitzung am 1. Oktober über Käufer und Kaufvertrag ab.

Konzept für „Bildungs- und Dokumentationszentrum Prora“ steht. Große Millionensumme kommt von Bund und Land. Der Kreistag stimmt für zwei Drittel der Immobilie über Käufer und Kaufvertrag ab.

Letzter Block in öffentlicher Hand

Der fünfte Block ist der letzte in öffentlicher Hand. Er gehört dem Landkreis Vorpommern-Rügen. In einem Drittel des Gebäudes ist seit 2001 eine Jugendherberge beheimatet. Nun will sich der Kreis von zwei Dritteln der Immobilie trennen. Die Weichen für den Verkauf des letzten Blockes hat der Kreistag schon im März gestellt. Die beiden Museen im Ort, die sich mit der Zeit des Nationalsozialismus (NS) sowie der militärischen Geschichte der DDR befassen, werden dauerhaft dort bleiben, so die Bedingung. Der spätere Eigentümer soll nach den Sanierungsarbeiten dem Dokumentationszentrum im mittleren Teil des insgesamt 450 Meter langen Gebäudes eine Fläche von 2700 Quadratmetern mietfrei zur Verfügung stellen. Lediglich die Betriebskosten dürften erhoben werden. Ebenso sollen dort Wohnungen entstehen, die der Kreis zum Höchstpreis veräußern möchte. Zu den Bedingungen gehört außerdem die Übernahme der Verlegung eines Campingplatzes des Deutschen Jugendherbergswerkes. Aber die Zeit für die Kreistagsmitglieder rennt, denn der Höchstbietende für den Block V hat sich nur bis zum 31. Dezember 2018 an sein Angebot gebunden. Es sei aber offen, ob die Verhandlungen mit den Investoren des Vereinsteils bis dahin abgeschlossen sind. Um den Kaufvertrag mit dem Höchstbietenden fristgerecht abschließen zu können, solle diese Regelung durch die Kreistagsmitglieder aufgehoben werden. Das Gleiche gilt laut Beschlussvorlage auch für die Veräußerung von „der Gemeinde Ostseebad Binz zugesagten Flächen zur Umsetzung gemeindlicher Vorhaben zum Verkaufswert“. „Von dieser hängt die weitere Umsetzung des B-Plan-Verfahrens für den Investor ab. In diesem Zusammenhang ist auch der Zuschuss für investierte Maßnahmen an die Gemeinde Ostseebad Binz vorzuziehen“, heißt es in der Vorlage.

3,4 Millionen Euro jeweils von Bund und Land

Der Aufbau eines Zentrums trifft auch auf die Zustimmung des Vorpommern-Rates. Bund und Land werden in den nächsten Jahren jeweils 3,4 Millionen Euro investieren. „Uns sind die Eckpunkte der Umsetzungsstudie für dieses Vorhaben vorgestellt worden. Wir unterstützen diesen Ansatz“, erklärte der Parlamentarische Staatssekretär für Vorpommern, Patrick Dahlemann (SPD), im Anschluss an die Sitzung. Es sei wichtig, dass diese Geschichte an die nachkommenden Generationen weitergegeben wird. Vorgesehen sei, dass jeweils auf den Etagen des Blocks V in Prora die NS-Geschichte und die DDR-Geschichte des Ortes vorgestellt werden.

Große Ausstellung auf drei Etagen

Für die beiden konkurrierenden Ausstellungszentren in Prora soll es eine gemeinsame Lösung geben. Das Dokumentationszentrum, das sich mit der Sozialgeschichte des NS-Regimes beschäftigt, und das Prora-Zentrum mit dem Fokus DDR-Geschichte haben einen Dachverein mit dem Namen „Bildungs- und Dokumentationszentrum Prora“ gegründet. „Unser Verein existiert seit 2001. Seitdem haben wir darum gekämpft, dass ein Dokumentationszentrum genau hier entsteht. Es ist höchste Zeit, dass Prora als historischer Ort begreifbar wird“, so Susanna Misgajski, Leiterin vom Prora-Zentrum. Jetzt habe man den Berggipfel erreicht. „Es wird aber noch ein langer Weg, bis das Ziel in Sicht ist“, sagt sie. Der Baustart soll bis zum Jahr 2021 erfolgen. Sie berichtet, wie das Zentrum einmal aussehen soll. Geplant sind eine 900 Quadratmeter große Ausstellung auf drei Stockwerken, ein Museumsshop mit Cafe im Eingangsbereich, Seminar- und Archivräume sowie eine Aussichtsplattform auf dem Dach. Insgesamt sollen alle sechs Etagen des Gebäudes genutzt werden.

Politiker sind vom Konzept überzeugt

Laut einer Machbarkeitsstudie müssen jährlich rund 90 000 Menschen die Einrichtung besuchen, um die Betriebs- und Personalkosten zu bezahlen. Dazu Bundestagsmitglied Eckhardt Rehberg (CDU): „Ich habe das Konzept gelesen und bin davon überzeugt, dass diese Besucherzahlen erreicht werden.“ Der Politiker, der in MV seinen Wahlkreis hat, spricht von einer Initialzündung, die Bund und Land mit den bereitgestellten Mitteln erzeugt haben. „In MV werden vielfältig regionale und zeitgeschichtliche Ereignisse und Epochen vermittelt. Prora gehört dazu“, sagt er.

Für die Bundestagsabgeordnete Kerstin Kassner (Die Linke), die gleichzeitig 1. Vorsitzende des Prora-Zentrums ist, ist der Koloss von Prora ein einzigartiger Baukomplex, der politische und geschichtliche Aufmerksamkeit im In- und Ausland erzeugt. Die Besucher „wollen Hintergründe erfahren und haben hier die Gelegenheit, sich mit weiten Teilen der deutschen Geschichte des 20.

Jahrhunderts aktiv auseinanderzusetzen“, sagt sie. Die wissenschaftliche sowie die Bildungsarbeit durch das Dokumentationszentrum und das Prora-Zentrum würden einen wichtigen Beitrag der politischen Bildungs- und Aufklärungsarbeit in MV und auf Rügen sorgen. Kassner: „Seit vielen Jahren engagiere ich mich schon für eine dauerhafte Lösung zur Finanzierung und Unterbringung der beiden Vereine und bin derzeit vorsichtig optimistisch, da nun auch Bund und Land aktiv mitwirken wollen.“

Otto Mathias

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