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Rügen Prora kann eine ganz große Marke werden
Vorpommern Rügen Prora kann eine ganz große Marke werden
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11:14 21.08.2018
Kommentar von Alexander Loew zum Bau-Projekt in Prora. Quelle: Cornelius Kettler
Prora

Dieser Ort lässt keinen kalt. Dafür sind die Dimensionen des Kolosses von Prora zu gewaltig. 4,5 Kilometer Beton gleichförmig aneinander gereiht bilden hinter der Stranddüne das längste Gebäude der Welt. Dieses Ensemble kann man lieben oder hassen, einzigartig finden oder ablehnen, Emotionen löst es sicher aus. Und es zu ignorieren scheint unmöglich. Von daher ist es ein Glücksfall, dass die einst von Nazis gebaute und zu DDR-Zeiten von der Nationalen Volksarmee genutzte Anlage nun herausgeputzt wird – und nicht weiter vor sich hin siecht, als riesige Wunde, wie in den vergangenen Jahrzehnten.

Zwei Drittel der fünf Blöcke sind nun saniert. In vielen Fällen haben die Investoren schmucke Wohnungen daraus gemacht – mit großen Panoramafenstern zur Ostsee, hochwertigen Materialien, Fensterfaschen in Sandstein-Qualität oder Poolanlagen vor den Häusern. Das Interesse an den Wohnungen ist groß, die Käufer zahlen bis zu 6500 Euro pro Quadratmeter.

Bis 2022, so schätzen jetzt die Verantwortlichen, sollen alle Blöcke fertig ausgebaut sein. Gut 1500 Wohnungen und mindestens drei Hotels sollen dann hier entstanden sein. Doch die neuen Unterkünfte allein sind nicht genug, damit Prora ein Ort wird, an dem sich Menschen wohlfühlen. Die jetzige Dynamik und der Baufortschritt in den Blöcken lassen keine Zeit dafür, dass die Infrastruktur in Ruhe wachsen kann. Dass jetzt in kurzer Zeit ein völlig neuer großer Ferienort entsteht, ist beispiellos in Europa, und deshalb sind die Verantwortlichen gefragt, schnell zu handeln, damit das Projekt ein Erfolg wird. Dieser monumentale Ort am feinen Ostseestrand kann zu einer der größten Marken unseres Landes werden, wie Heiligendamm, Binz, Kühlungsborn oder die Kaiserbäder auf Usedom. Vielleicht sogar die größte, wenn die Verantwortlichen jetzt Mut beweisen. Sie müssen Riesen-Investitionen auf den Weg bringen: Die geplanten zwei Seebrücken, ein Yachthafen hinter der alten Kaimauer, eine Bummelmeile mit Kurplatz und eine neue Promenade sind passende Projekte, um das richtige Umfeld zu schaffen und auch die Wucht der Blöcke aufzufangen. Der Ort braucht neue Straßen, Läden und Parkplätze.

Für all diese Vorhaben muss das Seebad-Parlament von Binz, das Prora verwaltet, jetzt grünes Licht geben. Land und EU werden diese Projekte fördern müssen. Sanfter Tourismus auf Rügen ist das sicher nicht. Aber Prora hat so die Chance ein einzigartiger Ort zu werden, der chic ist, modern und junge Touristen anzieht. Und ein Zurück gibt es nicht: Die Blöcke werden als Urlaubs- und Wohnort langfristig nur attraktiv sein, wenn auch das Umfeld Größe hat.

Alexander Loew