Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Prora zeigt den Mord an Millionen Menschen
Vorpommern Rügen Prora zeigt den Mord an Millionen Menschen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 17.04.2019
Katja Lucke, Leiterin vom Dokumentationszentrum Prora und Kurator Uwe Neumärker führten am Eröffnungstag durch die Ausstellung. Quelle: Mathias Otto
Prora

„Der Raum der Ausstellung ist kühl – dies passt zu diesem Thema“, sagte der ehemalige Sassnitzer Bürgermeister Dieter Holtz in seinem Grußwort zur Ausstellungseröffnung im Dokumentationszentrum Prora. „Massererschießungen. Der Holocaust zwischen Ostsee und Schwarzem Meer 1941 –1944“ heißt die Schau der beiden Stiftungen Topografie des Terrors und Denkmal für die ermordeten Juden Europas, die jetzt auf Rügen zu sehen ist.

Zwischen 1941 und 1944 erschossen Angehörige der SS, der Wehrmacht und deutsche Polizeieinheiten zusammen mit einheimischen Helfern in der Sowjetunion mehr als zwei Millionen Juden, etwa 30 000 Roma und 17 000 Psychiatrie-Patienten oder töteten sie in sogenannten Gaswagen. Anhand historischer Dokumente und Fotografien beschreibt die Schau die Entwicklung des Massenmords und die Aufarbeitung dieser Verbrechen nach 1945.

Fotoserie und Interviews

Auf einer großen Landkarte sind mehr als 570 Orte eingezeichnet, in denen in diesem Zeitraum Massenerschießungen durch die Nationalsozialisten erschossen wurden. Ein Schwerpunkt dieser Ausstellung ist das ostpolnische Mizocz (heute Ukraine). „Hier wurden 1942 knapp 1500 jüdische Kinder, Frauen und Männer ermordet“, sagt Katja Lucke, Leiterin des Dokumentationszentrums. Sie zeigt den Besuchern fünf Fotografien dieses Ereignisses. Anhand dieses Beispiels werden die Schritte der Vernichtung der jüdischen Gemeinde und das Zusammenspiel von Verantwortlichen vor Ort und der nationalsozialistischen Führung in Berlin erörtert. „Diese Ausstellung bietet Erklärungsansätze zu der Frage, was deutsche Männer dazu brachte, sich am Massenmord zu beteiligen“, so die Leiterin. An Hörstationen wird vertiefend über die Ereignisse in Städten wie Kiew oder Riga informiert. Außerdem geben eine Fotoserie mit Großaufnahmen und Interviews mit Überlebenden Raum, sich mit der Situation der Verfolgten auseinanderzusetzen. Auf frei im Raum stehenden Stelen werden Schicksale einzelner Opfer vorgestellt. „Damit wird den ermordeten Personen aber auch den Überlebenden dieser Verbrechen ein Gesicht gegeben“, sagt Katja Lucke.

„Das Unmenschliche darf sich nicht wiederholen“

„Bis Kriegsende kamen in den besetzten sowjetischen Gebieten allein 14 Millionen Zivilisten um“, berichtet Uwe Neumärker. Er ist der Kurator dieser Ausstellung und gleichzeitig Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Diese Ausstellung lenke den Blick vor allem auf diejenigen Verbrechen, die die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes der Schutzstaffel (SS), Einheiten der deutschen Polizei und der Waffen-SS sowie einheimische Helfer verübten. Zahlreiche deutsche und ausländische Gerichte beschäftigten sich mit den Verbrechen. Auch Geschichtswissenschaftler, Soziologen und Psychologen setzten sich mit dem Handeln der Täter auseinander. „Diese Ausstellung greift ihre Erkenntnisse auf. Zugleich erinnert sie an die Opfer, von denen häufig nicht einmal mehr die Namen bekannt sind“, sagt Uwe Neumärker.

„Dies ist ein Thema, das nicht in Vergessenheit geraten darf. Das Unmenschliche darf sich nie wieder wiederholen“, so Dieter Holtz. Er sprach dabei auch die Kraft-durch-Freude-Anlage in Prora an. „Dieses gigantische Bauwerk ist erst durch das Blut und dem gestohlenen Vermögen der jüdischen Mitmenschen entstanden“, so der ehemalige Bürgermeister. Er wünscht sich, dass vor allem die junge Generation mehr über die deutsche Geschichte erfährt, als in der Schule unterrichtet wird. Und dass Projekte mit jungen Menschen ins Leben gerufen werden – „Projekte gegen das Vergessen“, sagt er.

In der Ausstellung gibt es einen deutsch-englisch-sprachigen Katalog zur Präsentation der Stiftung Topographie des Terrors und der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Die Ausstellung wird bis zum 30. Juli in Prora gezeigt.

Mathias Otto

Der vierte Offshore-Windpark vor der deutschen Ostseeküste, Arkona, ist offiziell in Betrieb gegangen. Die Investoren feiern ihn als Gemeinschaftsprojekt: leistungsstark, pünktlich, kostengünstig – und mit einem eigenen Song.

16.04.2019

Sie wollten Feuer legen – und wurden erwischt. Zwei Männer hielten in der Nacht zu Dienstag zwei mutmaßliche Brandstifter in Bergen auf Rügen so lange fest, bis die Polizei eintraf und den 18- sowie den 24-jährigen in Gewahrsam nahm. Doch es gibt noch weitere Verdächtige.

16.04.2019
Rügen Vorfahrtfehler am Parkplatz der Feuersteinfelder - Sechs Verletzte bei Unfall auf Rügen

Schwerer Unfall am Parkplatz der Feuersteinfelder in der Nähe von Mukran auf Rügen: Weil ein 76 Jahre alter Hyundai-Fahrer offenbar einen VW nicht bemerkte und ihm die Vorfahrt nahm, kam es am Montagabend zum Zusammenstoß. Sechs Insassen beider Wagen mussten ins Krankenhaus nach Bergen.

16.04.2019