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Putbus fordert Sonderregelung für Insel-Kitas

Putbus Putbus fordert Sonderregelung für Insel-Kitas

Weil in den Krippen die Erzieher fehlen, sollen Kinderpfleger in den Betreuungsschlüssel miteingerechnet werden / Viele Gemeinden unterstützen den Vorschlag

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Freude über die Unterstützung der Stadt: Bürgermeisterin Beatrix Wilke übergibt Kita-Leiterin Sabine Fort (re.) den Beschluss über den Antrag bei den Ministerien und dem Jugendamt.

Quelle: Gaia Born

Putbus. In den Kindertagesstätten von Putbus werden die Erzieher knapp. Mit einem Antrag an das Bildungsministerium MV versucht die Stadt jetzt, die Stellung der Kinderpfleger so zu stärken, dass auch sie in den vorgeschriebenen Betreuungsschlüssel für Kindertagesstätten mit eingerechnet werden können.

Besonders deutlich wurde das Problem in der Putbuser Kita „Kleiner Fratz“. „Seit 2013 gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. Es fehlen aber die Erzieher, um das auch praktisch abzubilden“, erklärt Kita-Leiterin Sabine Fort. „ Die Kapazitäten, um weitere Kinder aufzunehmen, hätten wir. Aber wir finden keine Erzieher und unsere Kinderpfleger dürfen laut des Kindertagesförderungsgesetzes leider nicht in den Betreuungsschlüssel eingerechnet werden, der vorschreibt, wie viele Kinder auf einen Erzieher kommen dürfen.“

Dass eine Gemeinde ihre Kindereinrichtungen unterstützt, sollte selbstverständlich sein, findet Beatrix Wilke, parteilose Bürgermeisterin von Putbus. Gemeinsam mit dem Hauptausschuss der Stadt hat Wilke einen Beschluss auf den Weg gebracht, der der Kita kurzfristig aus der Notsituation helfen soll.

Die Stadt Putbus wendet sich nun an das Sozialministerium, das Bildungsministerium von Mecklenburg-Vorpommern und das Jugendamt des Landkreises Vorpommern-Rügen und regt eine kurzfristige Sonderregelung und die langfristige Änderung des entsprechenden Paragraphen im Kindertagesförderungsgesetz an. „Wir wollen damit um Himmels willen keine Fachausbildungen unterlaufen. Uns ist sehr bewusst, dass man trotzdem auf Qualität achten muss“, sagt Bürgermeisterin Wilke. „Aber Kinderpfleger werden aktuell schon als Assistenzkraft in den Krippengruppen eingesetzt. Bislang müssen sie aber vom Träger selbst finanziert werden. Das ist auf Dauer nicht zu leisten.“

Damit ihr Anliegen noch mehr Schlagkraft bekommt, hat sich Bürgermeisterin Beatrix Wilke an die anderen Gemeinden Rügens gewandt mit der Bitte, den Antrag an die Ministerien zu unterstützen. „Wir sind nicht die einzigen mit dem Problem und sollten dafür sorgen, dass es gehört wird“, meint sie. Die Resonanz aus den Gemeinden sei groß, berichtet sie. „Unterstützung für die Idee kommt unter anderem von Karsten Schneider (Binz), Uwe Ahlers (Dranske), Sandro Wenzel (Sagard), Jens Hoyer (Zirkow) und Reinhard Liedtke (Sellin)“, so Wilke. „Auch Iris Möbius (Putgarten) und Petra Harder (Wiek) haben ihre Zustimmung signalisiert.“

Die Antworten der Bürgermeister hat Wilke an das Sozialministerium weitergeleitet. Jetzt hofft sie, damit die Gesetzesänderung auf den Weg zu bringen. „Das Problem ist ja schon eine ganze Zeit bekannt, wir hoffen auf eine schnelle Reaktion.“

Es ist auch kein spezifisches Problem der Kitas auf Rügen. „Viele Kitas bundesweit stehen vor dieser Herausforderung“, bestätigt Diethard Pfeifer, Geschäftsführer der Volkssolidarität Rügen.

Dass das Problem auch ganz oben langsam ankommt, hat Kita-Leiterin Sabine Fort auf einer Veranstaltung in Rostock im August gesehen: „Es wird nun gerade an einer dualen Ausbildung zum Erzieher gearbeitet. Aber bis diese Neuerung greift und tatsächlich mehr Erzieher zur Verfügung stehen, wird es noch einige Jahre dauern.“

Auch eine Weiterbildung der Kinderpfleger zum Erzieher ist nur bedingt möglich: „Für viele geht das nicht mehr, denn die Zugangsvoraussetzungen haben sich geändert“, erklärt Kita-Leiterin Sabine Fort. Das heißt: Die Pfleger müssten mindestens vier Jahre in eine neue Ausbildung investieren. Deshalb ist die Leiterin Wilke dankbar, dass diese sie darin unterstützen will, eine kurzfristige Lösung herbeizuführen. „Wir wollen deutlich machen, dass es höchste Zeit damit ist“, so Sabine Fort.

Sie sieht außerdem die Chance, mit dieser Änderung Kinderpfleger, die berufsfremd arbeiten, wieder in den Job zurückzuholen - und ihnen so die Weiterbildung zum Erzieher zu ermöglichen. „Wir suchen händeringend Erzieher und müssen die Rahmenbedingungen für den Beruf verbessern. Laut offizieller Zahlen sind genug Kinderpfleger ausgebildet worden, um die Lücken zu schließen. Aber die Wirklichkeit sieht eben anders aus.“

Erzieher und Kinderpfleger

Der Betreuungsschlüssel in Mecklenburg-Vorpommern sieht für Kinder unter 3 Jahren einen Erzieher auf sechs Kinder vor.

Kinderpfleger ist ein Ausbildungsberuf in der Säuglings- und Kinderpflege, der von seinen Kompetenzen her unterhalb des Erziehers angesiedelt ist.

Bisher findet die Ausbildung zum Erzieher in den Berufsschulen statt, durchbrochen von Praktika. Die Auszubildenden müssen sich also während dieser Zeit selbst finanzieren.

Alternativ kommt für Kinderpfleger, die sich für so eine Ausbildung interessieren, nur eine Festanstellung in Frage, bei der sie zu den Schulzeiten freigestellt werden.

Gaia Born und Anne Ziebarth

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