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Rügen Rabauken werden zu Musterschülern
Vorpommern Rügen Rabauken werden zu Musterschülern
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00:00 28.03.2014
Die zwölfjährige Lina (links) aus der Theatergruppe der Regionalen Schule „Am Grünen Berg“ in Bergen spielt die Lehrerin Frau Nudelholz, die gleichaltrige Melina eine Märchenfigur. Quelle: Maik Trettin
Bergen

Marion Drusche legt die Stirn in Falten. „Flori, du kannst ruhig mal kippeln!“, ermuntert die Lehrerin ihren Schüler ungeduldig. Der sitzt ihrer Meinung nach viel zu brav auf seinem Stuhl im Geschichtsraum der Regionalen Schule am Grünen Berg in Bergen. Das, weiß Marion Drusche, kauft einem niemand als den normalen Schulalltag ab. Genau den aber sollen Florian und seine Mitstreiter von der Theatergruppe gerade spielen — in ihrem neuen Stück „Wenn Schüler grimm(ig) werden“. Das wollen sie zu den Rügener Schultheatertagen Mitte Juni auf der Bühne des Putbusser Theaters präsentieren.

Seit Ende Januar laufen die Proben unter der Regie der Lehrerinnen Kristina Ponsa (Deutsch und Musik) und Marion Drusche (Deutsch, Geschichte und Philosophie). Die Idee zur Handlung stammt von den Schülern und geht von deren Alltag aus, von einer „ganz normalen“ Schulstunde mit undisziplinierten, ausgelassenen und respektlosen Kindern auf der einen und einer genervten und der Situation ohnmächtig gegenüberstehenden Lehrerin auf der anderen Seite. Die kommt eines morgens mit dem üblichen unguten Gefühl in die Klasse und sieht sich dort einer im wahrsten Sinne des Wortes „märchenhaften“ Schülerschaft gegenüber. Statt der gewohnten Rabauken hocken bekannte Märchenfiguren in den Bankreihen, sind fleißig und strebsam und buhlen um die Gunst der Lehrerin Frau Nudelholz, die gar nicht weiß, wie ihr geschieht. Ob sie am Ende mit dieser (Traum-)Klasse zufrieden sein wird — die Mädchen und Jungen der Theatergruppe an der Regionalen Schule wollen noch nicht zuviel verraten und das Ende nicht vorwegnehmen.

Der Handlungsstrang steht, die Dramaturgie auch. Jetzt geht es um den Feinschliff. Nein, sagt Kristina Ponsa, die die Position einer Zuschauerin eingenommen hat, so könnten die Schüler nicht sitzen.

„Ich sehe von den meisten nur Rücken und Po!“ Die Aktionen auf der Bühne müssten immer so angelegt sein, dass das Publikum sie genau verfolgen könne. „Wir wollen eure Gesichter sehen“, sagt sie und bittet die Truppe, die Szene noch einmal zu spielen. Dann wird gemeinsam überlegt: Soll die elfjährige Emelie, die das überkorrekte Rotkäppchen spielt, sich melden und zwischen Bank und Stuhl stehen oder aus der Bankreihe heraustreten? Letzteres ist besser, sagt Marion Drusche nach einer kurzen Überlegung. Überhaupt: Die Geste immer schön groß, lieber etwas über- als unterreiben. Schließlich soll auch der Zuschauer in der hintersten Reihe erkennen, was vorn auf der Bühne vor sich geht. Für den Geschichtsraum reiche die Andeutung vielleicht gerade noch so, aber nicht für das große Theater, gibt die Lehrerin zu bedenken.

Auch ihre Kollegin Kristina Ponsa ist nicht zufrieden. Die krawallige Klasse kann sie in dem Spiel noch nicht erkennen. „Ihr seid viel zu brav“, kritisiert sie. Bei so einer Klasse würde jeder Zuschauer mit Freuden Lehrer werden wollen. Doch sie sollen ihre Frau Nudelholz zur Verzweiflung treiben, mal so richtig auf den Putz hauen, böse sein. „Sonst wird der Unterschied zu den Märchenfiguren nicht so deutlich.“ Das rüpelhafte Benehmen müssen sie noch einstudieren. Auch an der Spontaneität wird noch gearbeitet. Dass Lina ungewollt das Klassenbuch herunterfällt und das alle Mitspieler ignorieren, gehe nicht an. „Auf sowas müsst ihr reagieren!“, fordert Kristina Ponsa in ruhigem Tonfall.

Was nahezu alle zwölf Mitglieder der vor sechs Jahren gegründeten Theatergruppe beherrschen, sind die Texte. „Die sitzen wirklich“, nickt Marion Drusche anerkennend. Beim traditionellen Weihnachtsmärchen haben die Mädchen und Jungen deutlich mehr auswendig zu lernen. Zum Beispiel Florian, der vergangenes Jahr Helmar, den trotteligen Gehilfen des Weihnachtsmannes spielte.

Steckengeblieben sei er aber nicht ein einziges Mal. Marion Drusche und Kristina Ponsa, die bei den Aufführungen zur Sicherheit als Souffleusen bereitstehen, brauchen so gut wie nie einzuspringen.

Auch bei den Rügener Schultheatertagen soll möglichst alles glatt über die Bühne gehen. Auch wenn es nicht um Platzierungen geht: Die Bergener wollen vor der Jury ihr Bestes geben — und im Anschluss von den Profis hören, wie sie noch besser werden können.

Ihr seid
viel zu brav!“Lehrerin Kristina Ponsa
zu ihren Schülern



Maik Trettin

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