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Rügen Radikalitätsvorwurf gegen Bürgerpartei-Gründer Wildt
Vorpommern Rügen Radikalitätsvorwurf gegen Bürgerpartei-Gründer Wildt
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00:00 08.02.2018
Bernhardt Wildt aus der Gemeinde Gager sieht sich von seinen Ex-Parteifreunden der AfD schweren Vorwürfen ausgesetzt. Quelle: Foto: Dpa
Gager

Als Bernhard Wildt für die AfD im September 2016 in den Landtag zog, feierte seine Partei ihn als eloquenten Wirtschaftsexperten. Als der Unternehmer aus der Gemeinde Gager die MV-Fraktion der Alternative für Deutschland nach den Bundestagswahlen 2017 wieder verließ und mit den Bürgern für Mecklenburg-Vorpommern (BMV) eine neue Partei gründete, sprachen nicht wenige von Verrat. Der derzeitige Sprecher des AfD-Kreisverbandes Vorpommern-Rügen Joachim Langert (58) aus Sassnitz zum Beispiel (die OZ berichtete).

Aus Reihen der Rügener AfD kommen derzeit Vorwürfe, dass ausgerechnet Bernhard Wildt zu Zeiten seiner Parteimitgliedschaft einen recht radikalen Ton gepflegt haben soll. Als Beleg wird dafür das Protokoll eines AfD-internen Chats (liegt der OZ vor) angeführt, in dem Wildt unter anderem äußert, dass Berlin „wieder Reichshauptstadt“ werde. Im Zusammenhang mit einem Austausch über die zu jenem Zeitpunkt noch bevorstehende Bundestagswahl schrieb Wildt außerdem: „Wenn wir stärkste Fraktion werden und die Arschlöcher von den anderen Parteien doof gucken: dann ist alles gut. Noch besser, wenn wir regieren. Dann rate ich aber jedem von uns zur Bewaffnung.“

Bernhard Wildt, der seinen Austritt aus der AfD in einem OZ-Interview im Oktober 2017 unter anderem auch damit begründet hatte, dass ihn die Radikalisierung der Partei abgeschreckt habe, nennt den geschriebenen Dialog ein „Dahergerede in einem Stammtisch- Chat“.

„Das ist doch nicht ernst zu nehmen“, findet Wildt. „Und wenn ich von Bewaffnung schrieb, galt das nicht im Sinne von körperlicher Gewalt, sondern hatte mit dem Unfrieden zu tun, der durch einen Wahlerfolg gestiftet würde.“ Auch die Sache mit der Reichshauptstadt sei ein Scherz gewesen. „Es ist ganz offensichtlich, dass ehemalige Parteimitglieder mir etwas anhängen wollen, das absolut nicht gerechtfertigt ist“, sagt der Landespolitiker weiter. „Offenbar hat man bei der AfD Angst davor, die BMV könnten dieser Partei Wählerstimmen wegnehmen.“

Kreissprecher Nummer zwei, Dario Seifert (38) aus Stralsund, findet die Aussagen von Bernhard Wildt paradox. „Er hat Kreide gefressen“, sagt Seifert. „Herr Wildt weiß ganz genau, wie er sich wann verkaufen muss.“ Er habe ihn kennengelernt als einen Menschen, der zwei Gesichter gehabt habe. „Sobald die Öffentlichkeit außen vor war, ließ er seine Maske fallen.“

Mehrere Rügener AfD-Mitglieder wollen darüber hinaus wissen, dass Bernhard Wildt vor seinem Eintritt in die Alternative für Deutschland mit dem Gedanken gespielt habe, sich als Landtagskandidat für die NPD aufstellen zu lassen. „Er hat sich da wohl mit einem jungen Mann einer rechtsextremistischen Kameradschaft eingelassen, über den er Kontakt zur NPD gesucht hat“, sagt ein AfDler, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Bernhard Wildt quittiert diese Behauptung mit einem „absoluter Quatsch“.

Joachim Langert äußert sich über eine mögliche radikale Haltung des einstigen Kreissprechers Bernhard Wildt zurückhaltend. „Das habe ich bei unseren Begegnungen nicht festgestellt“, sagt Langert. „Es ist aber absurd, dass er sich jetzt als der Oberliberale darstellt und uns in den Medien zu Radikalinskis stempelt.“

Infos zu Bernhard Wildt

Bernhard Wildt wurde 1966 geboren. Von Beruf ist er Bankkaufmann und Diplom-Ökonom Er lebt jetzt in Gager, ist verheiratet und hat fünf Söhne.

Zur AfD kam er 2013. Drei Jahre später zog er für die Partei über die Landesliste in den Landtag ein.

Vor seiner politischen Karriere war er Geschäftsführer in Konzernen wie ThyssenKrupp und Xerox. Dort war er mitverantwortlich für die IT-Service- Unternehmen in mehreren europäischen Ländern.

Mit seiner Frau betreibt er sei sechs Jahren ein Gästehaus auf dem Mönchgut.

Dieses Jahr gründete er mit anderen Ex-AfDlern die Bürger für MV.

Jens-Uwe Berndt

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