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Rastloser Pensionär an der Bahnstrecke

Blieschow Rastloser Pensionär an der Bahnstrecke

Peter Arndt und Ute Plüschke genießen das Leben am Kleinbahnhof des Rasenden Roland

Blieschow. „Ich muss immer in Bewegung bleiben, ohne Arbeit werde ich krank“, sagt Peter Arndt. Der quirlige Pensionär, der 1942 in Stettin geboren wurde, floh mit seiner Familie nach dem Krieg zunächst nach Anklam und kam als Siebenjähriger auf die Insel Rügen. „Unsere Eltern machten aus zwei Familien eine, so dass wir letztlich sieben Kinder waren.“ Zunächst zog die Familie in die Sassnitzer „Dorschkopp-Siedlung“. „Das Leben war hart und damals lernte ich, Achtung vor Essen und Arbeit zu haben“, sagt Arndt.

1971 machte er seinen Meister für Heizungs- und Sanitärtechnik, kam zwei Jahre später nach Sellin, wo er Ute Plüschke kennen und lieben lernte. Zwischenzeitlich lebte sich das Paar auseinander und fand nach der Scheidung wieder zusammen. „Heute verstehen wir uns besser denn je“, sagen beide.

Als Einkäufer für Material zum Wohnungsbau kam Arndt in der DDR herum, sammelte Erfahrungen und machte sich 1983 mit seiner Firma für Heizungsbau selbstständig. Als regionaler Vertreter für Etagenheizungen aus Forst in der Lausitz, war er bald zuständig für den gesamten heutigen Amtsbereich von Mönchgut-Granitz. „Die Forster bauen noch heute die einzigen Holzkessel, die in bewohnten Räumen aufgestellt werden dürfen. Das Prinzip ist die Schwerkraftheizung, die ohne Pumpe, also ohne Strom und ohne separates Heizhaus auskommt“, schwört Peter Arndt auf „seine“ Technik.

Nach der Wende kauften Peter Arndt und Ute Plüschke das Grundstück am Kleinbahnhof in Blieschow und später noch Land dazu. Als er 2006 in Rente ging, tat Arndt das erst, nachdem er für seine fünf Angestellten einen neuen Betrieb gefunden hatte. Denn auch das lernte er schon als Kind: „Das Leben ist ein Geben und Nehmen und Egoismus zahlt sich am Ende nicht aus!“ Auf dieser Grundlage funktioniert auch die Nachbarschaft in Blieschow recht gut und „erst neulich half ich einem neu hinzugezogenen jungen Paar auf der Baustelle“, erzählt der Rentner, der noch bis vor drei Jahren seinen Beruf als Kleinstgewerbe fortführte.

Jetzt betreibt er mit seiner Lebensgefährtin den Imbisswagen an der Kleinbahnhaltestelle. Obwohl in Blieschow gelegen, wurde die Station nach dem Gut Garftitz benannt, dessen Besitzer den Verladebahnhof einst einrichteten. Auch zum Begleitpersonal des Rasenden Rolands ist das Verhältnis bestens. Die Fahrer grüßen und „früher, als ich noch ein Pferd hatte, wartete das immer schon darauf, dass ihm der Lokführer im Vorbeifahren einen Apfel zuwarf“, erinnert sich Arndt. Einmal habe der Fahrer sogar auf eine verzweifelte Mutter gewartet, deren Junge noch dringend den Ort mit dem Herzen auf der Tür aufsuchen musste.

Dass die Bahn bei jedem Wetter fährt, beeindruckt ihn am meisten. „Wenn im Winter der Schnee dick auf den Gleisen liegt, bekommen wir hier ein wahres Schauspiel geboten. Dann koppeln die zwei Loks hinter einen offenen, mit Betonteilen beschwerten Wagen mit einem Schneepflug vorn dran, nehmen Anlauf und pflügen die Strecke zum Berg frei, dass es nur so zu beiden Seiten stiebt.“

Manche Wanderer nehmen die Bahnstation zum Ausgangspunkt für eine kleine Wanderung zum 900 Meter entfernt gelegenen Jagdschloss Granitz und auch Naturführer René Geyer beginnt seine Exkursionen zu den neun bronzezeitlichen Hügelgräbern auf dem Parkplatz von Arndt. Danach kehren die Teilnehmer oft bei Ute Plüschke zu Eintopf, Kartoffel- oder Heringssalat ein.

Dem Paar, das mit der Dampflok um die Wette zu rauchen scheint, ist gleichwohl anzumerken, dass es sich auf seinem Grundstück am Kleinbahnhof, wo immer etwas los ist, ausgesprochen wohl fühlt. „Wenn ich ein paar Meter aus Lancken raus bin, kriege ich schon Heimweh“, sagt Peter Arndt noch.

Uwe Driest

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