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Reiterhof wurde zum Mittelpunkt

Viervitz Reiterhof wurde zum Mittelpunkt

Martina Hermann übernahm vor gut zehn Jahren den Hof Viervitz und schuf dort einen Ort für Begegnungen

Viervitz. Martina Hermann darf wohl als Glücksfall für ihr Dorf bezeichnet werden. Vor elf Jahren kam die tatkräftige Mutter von sieben Kindern aus Nordrhein-Westfalen auf die Insel. Fast aus dem Nichts schuf sie einen gut laufenden Reiterhof, der mittlerweile zum Dorfzentrum wurde.

Hinter ihr lag da schon ein bewegtes Leben. 1963 in Wuppertal geboren, begann die gelernte Krankenschwester ein Medizin-Studium, das sie jedoch abbrach, „als ich mich für ein Leben mit Pferden entschieden hatte“, erzählt sie. Einige Jahre lang leitete sie einen großen Reitbetrieb mit mehr als 60 Pferden. Dann legte sie ein Sabbatjahr ein und reiste kurzentschlossen mit ihren zwei jüngsten Töchtern in die USA. „Ich kaufte ein Auto und wir fuhren ein Vierteljahr lang durch Arizona, Nevada und das Death Valley.“ Die Zeit nutzte Martina Hermann, um sich zu besinnen und neue Pläne zu schmieden. Die Entscheidung fiel auf Rügen. Hier trat sie zunächst eine Stelle auf Gut Boldevitz an. Ihr Mann, ein Arzt, mit dem sie zuletzt eine Fernbeziehung in inniger Verbundenheit führte, verstarb vor drei Jahren.

Den Betrieb stemmt sie nun vor allem mit Hilfe ihres ältesten Sohnes Alexander, den sie zum Teilhaber machte. Der 32-Jährige kümmert sich vor allem um Landwirtschaft und Kutschenbetrieb. Für Ausfahrten und festliche Gelegenheiten stehen auf Hof Viervitz neben Planwagen, Vis-à-Vis und Wagonette auch eine weiße Viktoria-Hochzeitskutsche bereit. Alex' Lebensgefährtin Romy Bischof, mit der er vor einem Jahr Sohn Vincent bekam, hilft ebenfalls auf dem Hof.

Der zweitälteste Sohn von Martina Hermann, Johannes (31), arbeitet in einer Magdeburger Gärtnerei und die Geschwister Daniel und Carolina sind ein erfolgreiches Eistanzpaar, das 2009 die Deutschen Meisterschaften gewann und sich für Europa- und sogar Weltmeisterschaften qualifizierte. Betriebswirt Daniel (30) ist mit einer Russin liiert und arbeitet bei Adidas in Herzogenaurach, die Psychologin Carolina (28) entschied sich für einen Koreaner. Die gemeinsame Tochter Yuna kam zwei Stunden vor dem Sohn ihres großen Bruders Alex zur Welt. „Wir sind eben multikulti“, kommentiert das stolz Oma Martina.

Kind Nummer fünf, der 20-jährige Lucas, arbeitet bei dem Internet-Dienstleister „Sektor 7“ in Sassnitz und die beiden jüngsten Töchter Lea (18) und Melina (16) besuchen seit zehn Monaten High Schools in den USA. Melina kam auf einer Farm ohne Tiere in Minnesota unter und Lea in Virginia. Dort kann sie auf gleich zwei Ranches reiten, weswegen ihr die Zeitschrift „Mecklenburger Pferde“ einen langen Bericht widmete. Darin erzählt sie, wie auf der anderen Seite des Atlantik geritten wird.

Diesseits des großen Teichs, in der Viervitzer Reitschule „Einhorn“, möchte Urlauberin Olivia Raasch mit Mitte 30 noch Reiten lernen. „Das ist wohl so ein Mädchen-Ding“, räumt die Berlinerin freimütig ein. Auf Hof Viervitz, auf dem neben Mini-Shetlands und Esel vor allem 50 Schulpferde stehen, hat auch der Reitverein der Sportgemeinschaft des Bergener Sana-Krankenhauses seinen Sitz.

Auch Kinder und andere Dorfbewohner bewegen sich völlig frei auf dem Gelände und Roswitha Stroik, die auf der anderen Straßenseite wohnt, übernimmt schon mal die Rolle der Leih-Oma. Wenn es ihr einfällt, trägt sie spontan Eierkuchen und Schokoladensoße über die Straße, was bei den vorwiegend anwesenden Mädchen auf größtes Wohlwollen stößt.

Roswitha Stroik wurde 1950 in Zirkow als ältestes von sechs Geschwistern in einer Zwei-Raum- Wohnung geboren. „Wer damals eine Neubauwohnung wollte, der musste sein erstes Kind in die LPG geben“, sagt sie. Die Eltern ließen sich auf den Deal ein und Roswitha fing in der Schweinezucht der LPG in Viervitz an, wechselte aber später in die Selliner Mutter-Kind- Klinik.

Das Erfolgsrezept von Martina Hermann lautet Minimalismus. „Wir umgeben uns viel zu sehr mit nutzlosen Dingen, die nur Ballast darstellen, der uns daran hindert, unsere eigentlichen Ziele zu erreichen“, hat sie aus ihrem bisherigen Leben gelernt. „Ich hadere nicht mit dem, was gestern war und mache mir nicht zu viele Sorgen über das Morgen, sondern versuche nach Möglichkeit, im 'Hier und Jetzt' zu leben.“ Pläne schmiedet sie aber dennoch. Im Herbst fährt sie mit ihrem eigens dafür angeschafften Wohnmobil-Pick-Up nach Lappland.

Den Betrieb ihres Reiterhofs möchte sie in drei Jahren ganz an Sohn Alex übergeben. „Wer weiß, vielleicht nehme ich dann ja die Stelle auf einer spanischen Finca an“, träumt sie. Man lebt eben nur einmal.

Uwe Driest

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