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Rettung für DDR-Wandbild in Sicht?

Prora Rettung für DDR-Wandbild in Sicht?

Privatinitiative will das Fliesenbild an der früheren Schule in Prora abtragen. Es soll einmal in der künftigen Bildungsstätte installiert werden.

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Das Bild „Wehrbereitschaft der Jugend“ mit Szenen aus dem DDR-Alltag an der früheren Schule in Prora.

Quelle: Holger Vonberg/kurverwaltung Binz

Prora. Ein Gutachten hatte bescheinigt, dass es zerfallen, sobald es angefasst wird. Doch jetzt wollen ein paar tatkräftige Männer in privater Initiative das Wandbild an der ehemaligen und seit 1991 leer stehenden Schule in Prora retten. Und somit ein Stück DDR-Geschichte. Das Fliesen-Wandbild „Wehrbereitschaft der Jugend“ mit Szenen aus dem DDR-Alltag an der 1973 eröffneten Polytechnischen Oberschule „Egon Schulz“ hatte der Usedomer Künstler Klaus Rößler gestaltet, der 1969 auch eine Mosaikwand an der Mahn- und Gedenkstätte Karlshagen zur Erinnerung an die Opfer des Zweiten Weltkrieges schuf.

Das Bild in Prora steht nicht unter Denkmalschutz. Mit dem bevorstehenden Schulabriss durch die Gemeinde Binz, die das Grundstück seit Jahren veräußern und neu entwickeln will, droht der Verlust des Bildes. Doch es fanden sich vier Interessenten, die das Werk auf eigene Kosten abbauen und der Nachwelt erhalten wollen, informiert die Gemeindeverwaltung.

Nun hat das Los entschieden: Den Zuschlag hat der Berliner Historiker und Autor Dr. Stefan Stadtherr Wolter bekommen, der sich seit vielen Jahren für den Erhalt des Wandbildes im Kleinen und für die Aufarbeitung der doppelten Geschichte des „Kolosses von Rügen“im Großen einsetzt. In mehreren Prora-Büchern hat Wolter, der als Bausoldat der Nationalen Volksarmee in Prora gedient hat, gegen „das kollektive Verdrängen und Vergessen“ der DDR-Geschichte angeschrieben und den einseitigen Blick auf das „KdF-Seebad“ für eine touristische Vermarktung kritisiert. Auf seine Initiative hin wurden Spuren des ehemaligen Militärstandortes Prora bewahrt, wie die Arrestzelle im früheren Wachhaus und heutigen Rezeptionsgebäude der Jugendherberge und eine Gedenktafel für die Waffendienstverweigerer angebracht.

„Wir bemühen uns, das Wandbild für den öffentlichen Raum zu bewahren“, sagt Wolter. Es soll einmal in der künftigen Bildungsstätte installiert werden, die seit Jahren in Block 5 (Jugendherberge) geplant ist. Doch zuerst muss die komplizierte Rettungsaktion Ende Oktober glücken. Fliese für Fliese muss von der Wand gelöst werden, erklärt Sozialpädagoge Andreas Küstermann aus Teschvitz, der sich um die anschließende Lagerung der Fliesen kümmert. Zum ehrenamtlichen Team gehören auch noch Stefan Motzek aus Dranske und Holger Ranft aus Berlin.

Warum die vier Bewerber für den Erhalt des Bildes auseinander dividiert wurden, versteht Stefan Stadtherr Wolter nicht. „Es wäre doch viel besser gewesen, die Initiativen zu bündeln.“ Und somit auch Arbeitskräfte, Technik und Kosten.

Gerit Herold

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