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Rügen Rettungsdienste im Landkreis brauchen zu lange
Vorpommern Rügen Rettungsdienste im Landkreis brauchen zu lange
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00:05 09.02.2018
Ein Rettungswagen im Zentrum von Stralsund. In der Stadt vergehen im Unterschied zum ländlichen Raum des Landkreises VorpommernRügen meistens nur wenige Minuten, bis die Einsatzkräfte bei ihrem Notfallpatienten sind. Quelle: Foto: Stefan Sauer
Stralsund

Wenn für Menschen in Not jede Sekunde zählt, wird die Zeit im Landkreis besonders lang: In Vorpommern-Rügen braucht jeder dritte Rettungswagen länger als zehn Minuten bis er bei einem Patienten eintrifft. Bei jedem sechsten Einsatz benötigen die Sanitäter sogar länger als 15 Minuten. Damit werden die üblichen Hilfsfristen zu häufig überschritten. Im Jahr 2016 war dies 5530 mal der Fall, wenn man eine Frist von 15 Minuten bis zum Eintreffen der Rettungskräfte am Einsatzort als akzeptabel zu Grunde legt. Insgesamt gab es in dem Jahr im Kreisgebiet 33273 Einsätze.

Jeder dritte Notarztwagen in Vorpommern-Rügen ist mehr als zehn Minuten unterwegs / Die kaputte A 20 bremst die Retter zusätzlich aus

Die Angaben zu den Einsatzzeiten hat die Landesregierung im Zuge der Beantwortung einer Anfrage des Landtagsabgeordneten Matthias Manthei der Fraktion Bürger für Mecklenburg-Vorpommern mitgeteilt.

Die Ergebnisse seien besorgniserregend, sagt Manthei. „Man muss bedenken, dass die Hilfsfrist nicht ab Alarmierung gerechnet wird, sondern ab Fahrtbeginn des Rettungswagens.“

Durchschnittlich benötigte ein Rettungswagen im Jahr 2016 in Vorpommern-Rügen laut der etwas unüblich formulierten Zeitstatistik der Landesregierung 12,3 Minuten bis zum Eintreffen am Ort des Geschehens.

Im MV-Vergleich bedeutet dies den vorletzten Platz. Schlechter ist nur der Landkreis Ludwigslust-Parchim mit einer Zeit von 13,2 Minuten. Der Landesdurchschnitt liegt bei 10,7. Das heißt aber auch:

Ein Rettungswagen ist bei einem Einsatz im Stadtgebiet von Stralsund in vielen Fällen schon nach fünf Minuten vor Ort, während im ländlichen Raum für die Anfahrt durchaus 22 Minuten vergehen können.

„Ein Menschenleben auf dem Land ist doch aber genauso viel wert wie in der Stadt“, kritisiert Manthei.

Zusätzliches Problem im Landkreis: Durch die Umleitung um das Loch in der A 20 brauchen auch die Einsatzwagen in der Region bei Tribsees jetzt deutlich länger. Die notärztliche Versorgung im Süden des Landkreises werde dadurch zum Problem, sagt Ronald Zabel (CDU). Der Stralsunder Arzt ist Vorsitzender des Kreistagsausschusses für Soziales und Gesundheit. Denkbar wäre die Einrichtung einer zweiten Rettungsstation im Umfeld der abgesackten Autobahn, um das Problem zu lösen.

Insgesamt gibt es im Landkreis Vorpommern-Rügen 22 Wachen, in denen ein Rettungswagen stationiert ist. Zehn Standorte sind zudem mit einem Notarzt besetzt. Rettungswagen und Notarzt rücken immer in zwei verschiedenen Fahrzeugen aus und treffen sich dann am Einsatzort.

Olaf Manzke, der Sprecher der Kreisverwaltung, sagt: „Der Rettungsdienst im Landkreis Vorpommern-Rügen erreicht in der Mehrzahl aller Fälle den Einsatzort innerhalb der Rettungsfrist von zehn Minuten. Er erfüllt zudem die maximal zulässige Hilfsfrist von 15 Minuten.“

Allerdings kämen viele Patienten nicht zwangsläufig in das nächstgelegene Krankenhaus, sondern häufig gleich in spezielle medizinische Zentren – zum Beispiel für Schlaganfälle. Die Zeiten, in denen die Retter dorthin unterwegs sind und nicht für neue Einsätze zur Verfügung stehen, würden sich daher verlängern. In diesen Fällen werde das Team einer anderen Wache alarmiert, was aber oft „nicht in der Lage ist, die Hilfsfrist von zehn Minuten einzuhalten“.

Landrat Ralf Drescher (CDU) verhandle derzeit laut Manzke mit den Krankenkassen darüber, Geld für den Betrieb von zusätzlichen Wachen bereitzustellen, „um den Anforderungen gerecht zu werden“ – auch in der Region um die noch über Jahre gesperrte A 20.

Katharina Degrassi und Benjamin Fischer

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