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Rügen Risiko für Umwelt und Gesundheit
Vorpommern Rügen Risiko für Umwelt und Gesundheit
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00:26 15.05.2018
Seit vielen Jahren wird die ehemalige Jungrinderanlage von Lieschow als Mülldeponie missbraucht. Quelle: Foto: Uwe Driest

Wenn Reinhold Hirsch mit Hündin Lola auf der Halbinsel Lieschow umherstreift, ärgert er sich immer mal wieder über illegal entsorgten Müll am Straßenrand. „Ich kann nicht verstehen, wer so etwas macht. Solche Leute identifizieren sich offenbar überhaupt nicht mit der Insel“, glaubt er. Erst vor wenigen Monaten ist der 70-Jährige aus Franken zu seiner Tochter nach Rügen gezogen. Sein Umfeld hätte er nun gern sauber und möchte daher den wilden Mülldeponien zu Leibe rücken.

Am auffälligsten im Gemeindegebiet ist dabei der Bereich um die ehemalige Jungrinderanlage vor Klein Kubitz. Dort lagern vorbeifahrende Müll-Sünder ihren Haus- und Gewerbemüll ab. Bauschutt und Kleinmöbel finden sich ebenso darunter wie Streusalz-Kanister, Autoteile und -reifen, blaue Säcke, Duschwannen,Waschbecken und Klos, Kleidung, Spielzeug, Lampen oder Farbeimer. Und das seit mehreren Jahren.

Bereits im November 2006 hatte sich Anwohnerin Silke Stephan an Umweltminister Till Backhaus (SPD) gewandt und auf die „landwirtschaftliche Altlast, die für Mensch und Umwelt eine Gefahr und für den ländlichen Tourismus in unserer Region einen unansehnlichen Schandfleck darstellt“, beschwert. Antwort des Ministers: Das Areal befände sich in Privatbesitz und könne schon deswegen nicht als Renaturierungsfläche genutzt werden.

Der Fall ist auch im Fachdienst Umwelt des Landkreises bekannt. Seine Behörde arbeite daran, „ diesen Zustand zu verbessern und künftige Ablagerungen möglichst zu verhindern“, so Jan Trenkmann.

Allein es fehle ein Ansprechpartner auf der Eigentümerseite. „Als Grundstückseigentümer ist eine in Liquidation befindliche Firma eingetragen, für die es keinen rechtlich Verantwortlichen mehr zu geben scheint.“

Die Investorengruppe aus dem Westen gebe es nicht mehr, der Eigentümer sei insolvent und habe sogar noch Schulden bei Gemeinde und Amt hinterlassen, bestätigt Holger Kliewe. „Wir werden die Ruinen nicht los und wenn wir die Beräumung bezahlen müssten, würde uns das finanziell ruinieren.“ Der Ummanzer Bürgermeister sähe es am liebsten, wenn es für derartige Fälle eine Förderung für die Beseitigung von Altlasten geben würde.

Denn auch der Landkreis kann es sich nur in Ausnahmefällen und nicht in vollem Umfang leisten, sich solch wilder Müllhalden anzunehmen. „Eine Beräumung aller dort vorhandenen Abfälle auf Kosten des Landkreises – und damit aller Steuerzahler – ist finanziell nicht zu verantworten und aufgrund fehlender Gefährdung auch nicht zu rechtfertigen“, so Trenkmann. Zumal der vorliegende Fall nicht der einzige auf der Insel sei. Auch im Bereich um Tangnitz bei Sehlen würde seine Behörde „immer wieder auf illegale Abfallablagerungen“ stoßen. Erst kürzlich wären diese auf Kosten der Allgemeinheit geräumt worden. Dort habe der Verursacher ebenso wenig festgestellt werden können, wie im Fall der Ablagerungen im Bereich der Kiesgrube Warksow bei Gustow. Auch hier ist die Entsorgung bereits beauftragt. Ein einheimischer Täter, der seinen Hausmüll im Bereich der ehemaligen Deponie in Sabitz bei Ralswiek kurzerhand in den Wald warf, konnte hingegen dingfest gemacht werden und musste die Kosten der Entsorgung nebst Bußgeld begleichen.

„Es ist völlig unverständlich, welchen Aufwand manche Menschen betreiben, um eine moderate Gebühr zu sparen“, sagt Ute Fährmann von der Abfallbehörde des Landkreises. Dabei würde unter Umständen sogar die Unversehrtheit des eigenen Autos oder gar der Gesundheit riskiert. Dann nämlich, wenn beispielsweise Asbest auf eigene Faust entsorgt werde. So verfuhr ein Täter im vergangenen Jahr in Altenwillershagen auf dem Festland. Der Mann konnte aufgrund Informationen aus der Öffentlichkeit überführt werden und hatte die Kosten der im Wege der Ersatzvornahme durch den Landkreis beauftragten Entsorgung zu tragen. Auf rund 75000 Euro belief sich die Rechnung.

Um Asbest handelt es sich nach heutigem Erkenntnisstand in Lieschow nicht und so würde Rentner Reinhold Hirsch sich freuen, wenn der Gemeinde etwas zur Verschönerung einfiele. „Dann würde ich auch gern mithelfen.“

Kosten für Entsorgung trägt der Steuerzahler

Etwa 800 Fälle hat das Fachgebiet Umweltschutz im vergangenen Jahr im Rahmen der gesamten Abfallüberwachung bearbeitet.

Illegale Abfälle entsorgt der Landkreis nur, wenn kein Verantwortlicher in Anspruch genommen werden kann.

In 56 Fällen erfolgte eine solche Beauftragung in 2017.

Rund 50 Tonnen Müll wurden dabei entsorgt; darunter etwa 300 Reifen und ein zunehmender Anteil an Asbest, Teerpappe und Elektroschrott.

Kosten von 24 500 Euro hat der Steuerzahler zu tragen.

Wenn der Mülleimer nicht reicht, können zugelassene Abfallsäcke erworben werden.

Die Entsorgung von Bio- und Sperrmüll ist in der Abfallgebühr enthalten.

Fragen und Hinweise nimmt die Abfallbehörde unter ☎ 03831/3 57 31 55 entgegen.

Uwe Dreist

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