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Rudi Karge liest die Zeitung mit der Schere in der Hand

Bergen Rudi Karge liest die Zeitung mit der Schere in der Hand

Der Rentner aus Bergen sammelt leidenschaftlich „Inselgesichter“ aus der OSTSEE-ZEITUNG / Mehr als 1000 hat er schon zusammen

Bergen. Wenn Rudi Karge morgens die OSTSEE-ZEITUNG aufschlägt, liegen bereits Hefter und Papierschere parat. Denn der 68-Jährige aus Bergen schneidet seit Jahrzehnten Artikel aus seiner Heimatzeitung aus, sortiert sie nach Themen, heftet ab. Besonders hat es ihm die Rubrik „Gesicht der Insel“ angetan – in den vergangenen Jahren hat er bereits über 1000 Inselgesichter gesammelt und archiviert. „Ich finde das Format spannend. Oft liest man ja doch eine kleine Lebensgeschichte auf kleinstem Raum“, sagt er. Häufig erkennt er in den Artikeln sogar Menschen aus seinem Alltag wieder, Verkäuferinnen zum Beispiel oder Passanten, die er schon mal auf der Straße getroffen hat.

Die Liebe zur Zeitung hat bei Rudi Karge Tradition. „Ich habe schon als Kind gerne Zeitung gelesen, auch meine Eltern hatten die OSTSEE-ZEITUNG abonniert“, berichtet der Rüganer. „Mein eigenes Abo habe ich seit dem Jahr 1970, als ich das erste Mal geheiratet und einen eigenen Hausstand gegründet habe.“ 1970 war auch das Jahr, als Karge seinen „Handwerksmeister Bäckerei“ in der Tasche hatte, zuvor hatte er als Lehrling in der Bäckerei von Horst Fischer in Putbus und später als Geselle in der Bäckerei von Fredor Bolgwardt in Bergen gearbeitet. Als jungen Mann interessierten ihn vor allem die Lokalsportseiten. „Ich habe zeitlebens Sport gemacht. Ob als Fußballer bei Traktor Neuenkirchen oder später bei Dynamo Rügen. Auch Volleyball und Handball habe ich gespielt.“ Bereits als Jugendlicher entdeckte Karge im Boxen seinen Lieblingssport. „Eigentlich sei ich zu klein, sagte mir mein Trainer Siegfried Ohl damals“, erinnert sich Karge. „Aber ich habe mich durchgesetzt.“

Schon damals wurde vom kleinen Rudi alles an Zeitungsartikeln ausgeschnitten, was mit Boxen zu tun hatte. Umso stolzer war er, als er auch selbst als aktiver Boxer mit seinen ersten Erfolgen in der Zeitung auftauchte. Das harte Training begann sich auszuzahlen. Schülerbezirksmeister, Auswahlkader, 1966 schließlich sogar Deutscher SV Dynamo-Meister. Besonderes positiv ist Karge in dieser Zeit auch die Unterstützung durch seine Schwester Edelgard und ihres Mannes Günter Möller in Erinnerung geblieben. „Bei meiner Schwester konnte ich auch mal übernachten, wenn ich Boxtraining in Bergen hatte und musste nicht jedesmal die 19 Kilometer nach Trent zurückfahren.“

Später machte er seine Leidenschaft und Erfahrung im Sport sogar zum Beruf. Er wechselte 1985 in den zivilen Dienst der Polizei und arbeitete bis zu seiner Pensionierung als Sportfunktionär.

Allein über den Boxsport der Region bewahrt Karge über 30 Ordner mit Zeitungsartikeln und Fotos auf. Rudi Karge klopft auf einen dicken Hefter. „Hier sind Artikel aus den 60er Jahren drin“, sagt er.

Beim Durchblättern fühlt man sich sofort in eine andere Zeit versetzt. Nicht nur, dass die Zeitungsartikel fein säuberlich mit Fotoecken im Album befestigt sind. In den Zeitungsbildern – schwarz-weiß

natürlich – lassen sich noch gut die Rasterpunkte erkennen, aus denen die Bilder beim Druck zusammengesetzt wurden. „Ich weiß langsam nicht mehr, wohin mit den ganzen Ordnern“, sagt er und zuckt lachend mit den Schultern. „Ich habe meiner Frau Gudrun versprochen, einmal im Jahr auszumisten. Da halte ich mich dran.“

Doch Karges Zeitungsarchiv wächst trotzdem weiter. Zum Sport gesellten sich bei Karge nämlich auch andere Interessengebiete. Aus Protest über die Kreisgebietsreform 2011 ergab sich sogar ein eigenes Projekt für den Rentner. „2010 habe ich angefangen, die Ortschaften Rügens abzufahren und Ortsschilder fotografiert, auf denen noch der Hinweis ,Landkreis Rügen’ zu sehen war.“ Und wenn Rudi Karge etwas macht, dann gründlich und ordentlich. Natürlich wurden die Sehenswürdigkeiten des Ortes auch abgelichtet und alles fein säuberlich in einem Fahrtenbuch vermerkt.

In 388 Ortschaften Rügens war Karge bisher. „Mein Rekord lag bei 50 Ortsschilder-Fotos an einem Tag“, erzählt er. „Dafür war ich aber auch 10 Stunden unterwegs und habe knapp 200 Kilometer zurückgelegt.“ Die meisten Orte Rügens hat er bereits bereist, eine von ihm genutzte Karte weist nur 311 Orte auf. „Aber für Zufallsfunde bin ich immer offen“, sagt er.

Anne Ziebarth

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