Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Rücktritte nach Rücktrittsforderung
Vorpommern Rügen Rücktritte nach Rücktrittsforderung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:02 18.10.2018
Anfang September hatte sich der Seniorenbeirat der Stadt Sassnitz in die Debatte um den Bürgerentscheid zur Plattform am Königsstuhl zu Wort gemeldet und gefordert, „dass der Bürgermeister über eigene Konsequenzen schnellstmöglich nachdenkt“. Quelle: Stefan Sauer
Sassnitz

Dieser Schuss ging offenbar nach hinten los: In einem scharfen Ton hatte sich Anfang September der Seniorenbeirat der Stadt Sassnitz in die Debatte um den Bürgerentscheid zur Plattform am Königsstuhl zu Wort gemeldet und gefordert, „dass der Bürgermeister über eigene Konsequenzen schnellstmöglich nachdenkt“. Kracht hatte die Verwantwortung dafür übernommen, dass die Verwaltung bei der Prüfung der Zulässigkeit des angestrebten Bürgerentscheids die falsche Zahl der Wahlberechtigten zugrunde gelegt hatte. Die Konsequenzen haben nun ganz andere gezogen. Mit Ilona Wünscher, Andreas Pfaffe und Christel Bohn sind drei von fünf Mitgliedern aus dem Vorstand des Seniorenbeirats zurückgetreten.

Im Einzelfall werden offiziell verschiedene Argumente angeführt. So hatte Christel Bohn nach Informationen des Vorsitzenden Gerd Slowy auch gesundheitliche Gründe ins Feld geführt. Dass daneben ein gewisser Unmut über die im Namen des Beirats abgegebene Erklärung eine Rolle spielte, ist nicht auszuschließen. Auf der vergangenen Stadtvertretersitzung gab dann auch die fraktionslose Ilona Wünscher bekannt, dass sie dem Beirat nicht mehr angehöre. Ihre Funktion als Kassenwart habe sie mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Dass auch sie sich maßlos über den Alleingang des Vorsitzenden geärgert hat, ist ein offenes Geheimnis. Freunden gegenüber habe sie erklärt, beim Frühstück aus der Zeitung von der Erklärung des Gremiums erfahren zu haben, dem sie bis dahin angehörte.

Viel besser war auch der stellvertretende Vorsitzende nicht informiert. Andreas Pfaffe erfuhr am Freitag per E-Mail von dem Schreiben, das zu der Zeit schon weiter verbreitet wurde. Er teile weder die darin getroffenen Aussagen noch seien er und die anderen Mitglieder des fünfköpfigen Beirats an der Erarbeitung beteiligt gewesen. „Im Namen des Seniorenbeirats bedeutet auch in meinem Namen – das ist eine Lüge“, schrieb er am Montag nach der Veröffentlichung an den Vorsitzenden. Pfaffe legte mit sofortiger Wirkung den stellvertretenden Vorsitz nieder. Er sei zutiefst verärgert und habe mit dem Schreiben in keiner Weise etwas zu tun. Das machte Pfaffe auch in einer Korrespondenz mit dem Bürgermeister deutlich, der eigentlich Zielscheibe der spontanen Aktion gewesen war.

Dass die ohne Rücksprache mit den übrigen Vorstandsmitgliedern zustande kam, bestätigt Gerd Slowy auf Nachfrage. Das sei allerdings laut Satzung auch nicht notwendig, sagt Peter Klemm. Der Sassnitzer war jahrelang Mitglied des Landesvorstands des Seniorenbeirats und arbeitet mit dem Vorsitzenden des hiesigen Vorstands eng zusammen – auch wenn er nur ein „einfaches Mitglied“ sei und nicht zum Sassnitzer Vorstand gehöre, wie Klemm erklärt. Im Paragrafen 3 heißt es: „Der Vorsitzende oder sein Stellvertreter repräsentieren den Beirat gegenüber der Öffentlichkeit.“ Pressemitteilungen seien außerdem „nur in vorheriger Absprache mit dem Vorsitzenden oder seinem Stellvertreter zulässig“.

Dass es dennoch ungewöhnlich ist, dass ein Vorsitzender solch verbale Geschütze auffährt, ohne wenigstens die Rückendeckung seiner engsten „Kollegen“ zu haben, ist auch Gerd Slowy klar. Es sei einfach keine Zeit mehr gewesen.

Die AfD habe das Debakel um den geplatzten Sassnitzer Bürgerentscheid schon für sich als Thema entdeckt. Die Partei hatte am Sonnabend nach der vom Seniorenbeirat veröffentlichten Erklärung getagt und hätte möglicherweise eine ähnliche Forderung formuliert. „Wir hatten nur ein kleines Zeitfenster“, begründet Peter Klemm die Eile. Und man habe das Thema nicht der AfD überlassen wollen.

Die ist ebenso ungewöhnlich wie der Fakt, dass der Seniorenbeirat sich auch jenseits der Belange, die vorwiegend ältere Einwohner betreffen, politisch positioniert. Man sei nicht parteilich gebunden, aber eben auch nicht unpolitisch, sagt Gerd Slowy. Der Seniorenbeirat ist kein Verein, jeder kann Mitglied werden. Bei der vergangenen Kommunalwahl hatte die selbst ernannte Interessenvertretung der älteren Einwohner mit der Seniorenwählergemeinschaft eine eigene politische Kraft ins Rennen geschickt. Aufgrund der Stimmen ging der erzielte Sitz in der Stadtvertretung an Ilona Wünscher. Die hatte in der Vergangenheit immer wieder Wert darauf gelegt, ihre Tätigkeit als fraktionsloses Mitglied nicht mit der im Vorstand des Seniorenbeirats zu vermischen. Ob sie erneut antritt oder sich hinter den Kulissen schon andere Interessenten in Stellung bringen, bleibt abzuwarten.

Gerd Slowy bedauert jedenfalls, dass es zu dem Zerwürfnis gekommen ist. „Da gab es sicher einige Missverständnisse.“ Die Entscheidung müsse man zur Kenntnis nehmen und akzeptieren. Mittlerweile sei der Vorstand wieder komplett. Er wurde auf einer Sitzung am Donnerstag vergangener Woche nachbesetzt.

Maik Trettin

Tierschau am Wochenende auf dem Wirtschaftshof in Waase

18.10.2018

Für Ina Handelmann ist es Tradition: Jährlich gestaltet die Glower Künstlerin und Galeristin einen Kalender. In diesem Jahr widmet sie ihn einem ihr ganz besonders wichtigen Thema: den Menschenrechten.

18.10.2018

Feinschmecker der Region trafen sich gestern in Greifswald. Ihr Ziel: Die Vermarktung regionaler Produkte zwischen dem Kap Arkona und Lassaner Winkel voranzutreiben. Die OZ stellt besonders leckere Delikatessen und die Köpfe dahinter vor.

18.10.2018