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Rügen Rüganer auf Friedensmission im Libanon
Vorpommern Rügen Rüganer auf Friedensmission im Libanon
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00:00 30.08.2016
Sascha B. an Bord eines Patrouillenbootes vor der Küste Beiruts. Fotos (2): Sabine Ludwig

/Beirut. Ein Mann liegt am Boden und schreit. Vor Schmerzen. Er hat eine klaffende Wunde am Bein. Blut rinnt auf den Boden. Er keucht. Das Feuer im Maschinenraum des Patrouillenbootes breitet sich in Windeseile aus. Männer in Schutzanzügen nähern sich, Feuerlöscher in der Hand. Um den Mann am Boden können sie sich nicht kümmern. Noch nicht. Zuerst muss der Brandherd gelöscht werden. Sie tragen Atemschutzgeräte, der Verletzte nicht. Er keucht, hustet, drückt die Faust vor Mund und Nase. Jetzt muss alles sehr schnell gehen. Ein Löschschlauch wird um den Oberkörper des Opfers gewickelt und verknotet. Dann wird er vorsichtig die schmale Stiege nach oben gehievt. Mittlerweile ist er bewusstlos. An Deck beginnt seine Wiederbelebung.

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Marinesoldat Sascha B. bildet Soldaten im Nahen Osten aus / Seine Frau unterrichtet derweil Grundschüler in Garz

An Bord ist auch der Rüganer Sascha B.* Er ist im Moment der wichtigste Mann auf dem Patrouillenboot. Denn er leitet die Übung an diesem heißen Tag vor der Küste Beiruts. Die Mannschaft ist angespannt. Heute ist der letzte Tag ihrer Ausbildungsmission, die der 32-jährige Soldat von der Insel Rügen im Rahmen eines UN-Einsatzes begleitet. Rund 130 deutsche UN-Blauhelm-Soldaten beteiligen sich an einer der ältesten friedenserhaltenden Einsätze der Vereinten Nationen – Unifil. Dreh- und Angelpunkt ist der Nahe Osten, genauer der Libanon. Sascha B. ist einer von ihnen.

Sascha B., Oberleutnant zur See, war schon von klein auf abenteuerlustig. Und interessierte sich zudem für alles, was mit der Seefahrt zusammenhing. Kein Wunder, der Opa und der Vater dienten schon bei der Marine. Da gab es immer genug Geschichten, die mit Schiffen und Meer zusammenhingen. „Mit den Kameraden zur See fahren – das mache ich am liebsten“, sagt der 32-Jährige. Und für Strom und wo der herkommt interessierte er sich auch. Schon als Kind. Beide Interessengebiete sind heute sein Beruf. Zurzeit bildet er libanesische Kameraden in Elektronik aus. So passt alles zusammen. Bereut hat Sascha B. seine Berufswahl, zur Bundeswehr zu gehen, nicht.

Der Rüganer hält seinen Daumen nach oben. „Gut gemacht!“, lobt er die einheimischen Soldaten. Elektronik unterrichtet er an der Marineschule in Jounieh im Norden Beiruts. In Zusammenarbeit mit Küstenradarstationen der libanesischen Marine wird der Seeraum überwacht, werden Frachtschiffe kontrolliert, um Waffenschmuggel zu unterbinden. Unterstützt wird der Einsatz von der deutschen Korvette „Braunschweig“, die vor der libanesischen Küste liegt und ihren Heimathafen in Limassol auf Zypern hat. „Wir profitieren immens von der Expertise der deutschen Marine“, betont ein einheimischer Ausbilder.

Deutschland unterstützt die libanesische Marine mit Patrouillenbooten, Radarstationen, Ersatzteilen, Computern und einem Simulator für die Marineschule, mit dem sich die Kadetten auf ihre Aufgaben an Bord vorbereiten. Dem geprüften Marineschwimmtaucher macht die Arbeit Spaß. „Die Besatzung ist hoch motiviert. Die Ausbildung wird dankbar angenommen“, sagt Sascha B. Dennoch muss er viel improvisieren. „Das, was uns hier an Material zur Verfügung steht, ist nicht das Beste.“ Das Patrouillenboot kam einst aus Deutschland als Spende. Seine besten Tage hat es allerdings hinter sich.

Dem in Wickede an der Ruhr Geborenen Sascha B. hat schon der Grundwehrdienst bei der Marine gefallen. Nach dem Fachabitur in Soest folgte die Ausbildung an der Marinetechnikschule in Parow sowie an der Marineschule Mürwik in Flensburg, im so genannten „Roten Schloss am Meer“. Die Praxis erlernte er auf dem Tender „Mosel“. „Damit war ich sogar noch in Sewastopol auf der Halbinsel Krim, kurz bevor der Krieg begann.“

Sascha B. ist viel unterwegs. Seine Frau Jessica ist in Bergen geboren und aufgewachsen und jetzt Lehrerin einer vierten Klasse an der Grundschule in Garz. „Wir telefonieren täglich oder skypen“, erzählt Sascha B. „Sie hat mich während eines Lehrgangs für Flugkörperschnellboote in Parow kennengelernt. Sie steht zu meiner Karriere.“ Zugunsten der Offizierslaufbahn hat der Insulaner auf ein Universitätsstudium verzichtet. „Das Angebot kam von meinem Ausbilder, und ich habe zugesagt.“

Die Unifil-Mission gibt es seit 1978. Die deutschen Soldaten seien sehr beliebt im Libanon. „Die Ausbildung der libanesischen Soldaten muss noch intensiviert werden. Wir leisten einen entscheidenden Beitrag zur Friedenssicherung in der Region. Die libanesische Armee ist in der Lage, ihre Hoheitsgewässer zu kontrollieren“, sagt Axel Schrader, deutscher Kontingentleiter der UN-Mission im Hauptquartier Limassol auf Zypern. Eine Bedrohung sei natürlich auch immer latent vorhanden – durch den IS. „Aber im Moment sehe ich da keine Gefahr für meine Leute.“

Die Übung auf dem Patrouillenboot ist erfolgreich abgelaufen. Jetzt ruft die Pflicht: Zeugnisse ausgeben! Denn auf die haben die libanesischen Kadetten schon sehnsüchtig gewartet. Die Ausbildung haben alle mit Bravour bestanden.

Sascha B. freut sich auf die Zukunft bei der Marine. Nach rund sechs Monaten wird er wieder Zuhause sein. Aber nicht lange. Denn sein nächster Auftrag könnte die Operation Sophia im Mittelmeer sein.

„Flüchtlinge retten“, sagt er.

*Aus Sicherheitsgründen kann der Nachname von Sascha B. nicht genannt werden. Er ist der Autorin bekannt.

Unifil

United Nations Interim Force in Lebanon – Unifil: Die Friedensmission unterstützt die libanesische Regierung dabei, die Seegrenzen zu sichern und Waffenschmuggel von See aus zu verhindern. Sie begann nach dem zweiten Libanonkrieg im Jahr 2006. Der Maritime Einsatzverband Unifil war der erste Flottenverband unter Führung der Vereinten Nationen – deutsche Schiffe und Boote operieren von Beginn an in diesem Verband. Die Schiffe tragen so zu Stabilität und Sicherheit in der Region bei. Die libanesische Marine hat Ausrüstung von Deutschland erhalten, darunter Wachboote und Küstenradarstationen. Deutsche Marinesoldaten wie Sascha B. engagieren sich seit mehreren Jahren in der Ausbildung ihrer libanesischen Kameraden.

Sabine Ludwig

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