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Rüganer gehören zu den Gesündesten im Land

Rüganer gehören zu den Gesündesten im Land

Krankenstand auf der Insel liegt unter dem Durchschnitt von MV

Bergen Die Rüganer gehören zu den gesündesten Bewohnern Mecklenburg-Vorpommerns. Das zeigt der Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK-Gesundheit 2016. Mit 4,5 Prozent war der Krankenstand im vergangenen Jahr unter dem Landesdurchschnitt, der bei 4,9 Prozent liegt. Geht es den Rüganern gesundheitlich wirklich besser als vielen Mecklenburgern und Vorpommern? An welchen Krankheiten leiden sie am häufigsten? Wir sprachen darüber mit Toralf Gerdum, dem Leiter des Rügener Servicezentrums der DAK in Bergen.

Gefühlt scheint sich Rügen zur Senioren-Insel zu entwickeln. Üblicherweise kommen mit dem Alter Zipperlein und Krankheiten. Ist das hier anders?

Toralf Gerdum: Ganz sicher nicht. Aber die Rentner spielen in dieser Statistik auch gar keine Rolle. Im Gesundheitsreport stützen wir uns aussschließlich auf die Angaben der Ärzte auf den Krankschreibungen. Und die benötigen nur Arbeitnehmer, also in der Regel jüngere Menschen. Ein Rentner braucht den „gelben Schein“ nicht; seine Erkrankung wird also kaum in dem Gesundheitsreport erfasst.

Also scheinen Rügens Arbeitnehmer sehr robust zu sein?

Genau. Auf der Insel wie auch im übrigen Landkreis Vorpommern-Rügen und in der Hansestadt Rostock lag der Krankenstand in diesem Jahr bei 4,5 Prozent. Das bedeutet, dass theoretisch an jedem Tag des Jahres von 1000 Mitarbeitern 45 krankgeschrieben waren.

Ist das ein niedriger Wert?

Im Landesmaßstab ja. Der Durchschnitt liegt in Mecklenburg-Vorpommern bei 4,9 Prozent, in anderen Regionen wie etwa der Hansestadt Greifswald mit 5,3 Prozent oder der Region Uecker-Randow mit 5,8 Prozent deutlich höher. Allerdings muss man sagen, dass im Nordosten die Menschen krankheitsbedingt nach wie vor öfter fehlen als im Bundesdurchschnitt. Der liegt in diesem Jahr bei 4,1

Prozent.

Was sind die häufigsten Krankheiten, die zur vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit führen?

Die Aufzählung wird seit Jahren von der Gruppe der Erkrankungen des so genannten Muskel-Skelett-Systems angeführt. In der Regel handelt es sich um Rückenschmerzen, die sich zu einer Volkskrankheit entwickelt haben. Fast ein Viertel aller Krankschreibungen auf der Insel war dem geschuldet. An zweiter Stelle finden sich – ebenfalls seit Jahren – Erkrankungen des Atmungssystems.

Deren Zahl hat im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2014 sogar zugenommen.

Ist das nicht ungewöhnlich? Viele Menschen kommen doch extra nach Rügen, um Atemwegserkrankungen zu kurieren?

Das ist richtig. Statistisch fallen in diese Kategorie aber beispielsweise sämtliche Formen von Erkältungen, vom leichten Husten bis zur schweren Bronchitis oder Grippe. Und wenn es in dem Jahr gerade eine größere Erkältungswelle oder Grippeepidemie gibt, schlägt sich das natürlich auch bei uns in einem höheren Krankenstand nieder. Im Vergleich mit dem Rest des Landes erkranken die Insulaner allerdings dann doch seltener an den Atemwegen.

Leben Rügens Frauen oder Männer gesünder?

Das kann man aus den uns vorliegenden Zahlen schlecht schlussfolgern. Oftmals heißt es, dass sich Männer weniger um ihre Gesundheit kümmern würden. Dennoch sind sie laut Statistik deutlich weniger krank. Der Unterschied ist auf Rügen deutlich größer als im Landesdurchschnitt. Hier liegt der Krankenstand bei Frauen um 23 Prozent höher als bei Männern.

Gehen Frauen eher zum Arzt und Männer öfter krank zur Arbeit?

Genau das Gegenteil ist der Fall, wie eine landesweite Befragung in MV ergeben hat. Dabei gaben 77 Prozent der Frauen an, in den zurückliegenden zwölf Monaten wenigstens einmal krank zur Arbeit gegangen zu sein. Bei den Männern erklärten das nur 45 Prozent.

Sind Frauen wirklich leidensfähiger?

Das weiß ich nicht. Es gibt verschiedene Erklärungen. Frauen bekommen Brustkrebs zum Beispiel meist in einem Alter, in dem sie noch berufstätig sind. Prostatakrebs bei Männern tritt meist erst im Rentenalter auf. Mehr als jede vierte Frau in MV erklärte in einer Befragung, dass sie sich bei einer Erkrankung des Kindes schon einmal selbst krankschreiben ließ, weil sie sich nicht anders zu helfen wusste. Männer tun das deutlich seltener. Aber der Unterschied zwischen Frauen und Männern hat sicher auch mit der Art der Arbeit zu tun. Einen Bürojob, wie ihn viele Frauen ausüben, kann man eher trotz der Krankheitssymptome erfüllen als körperlich fordernde Arbeit, wie sie meist Männer erledigen.

Aber wer krank ist, steckt andere auf Arbeit unter Umständen an.

Die Befragten sehen das oft anders. Als häufigster Grund für das Erscheinen auf Arbeit trotz Krankheit wurde genannt, man wolle die Kollegen nicht hängen lassen – es scheint nach wie vor ein hohes Maß an Kollegialität unter den Rügener Mitarbeitern zu geben. Eine andere Erklärung könnte aber auch die Wirtschaftsstruktur sein. Die meisten Unternehmen hier auf Rügen sind klein. Wenn da ein Mitarbeiter ausfällt, kann er nicht so leicht ersetzt werden wie in einem Großunternehmen.

Interview: MAIK TRETTIN

OZ

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