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Rüganer kämpfen um Tierpark: 2000 Unterschriften für Ausbau

Sassnitz Rüganer kämpfen um Tierpark: 2000 Unterschriften für Ausbau

Viele Bürger wollen eine Schrumpfung des defizitären Sassnitzer Heimattiergartens verhindern / Landrat und Tourismuschef regen Solidar-Topf für Ausbau und Betrieb an

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Wichtiger Tag für den Sassnitzer Tierpark: Projektkoordinatorin Dr. Silke Steiner und und der damalige Bürgermeister Dieter Holtz erläuterten Landwirtschaftsminister Till Backhaus bei der Wildschwein-Fütterung im September die Umbaupläne für den Tierpark.Der Minister stimmte daraufhin einer 90-prozentigen Förderung für das Projekt zu.

Quelle: Udo Burwitz

Sassnitz. Die Sassnitzer wollen ihren defizitären Heimattiergarten retten — es ist der einzige Tierpark auf der Insel Rügen. Für eine große Lösung macht sich die Wählerinitiative für Sassnitz (WfS) stark. In vier Wochen hat das Bündnis fast 2000 Unterschriften für den Erhalt gesammelt. Rückendeckung bekommen die Tierpark-Freunde nun auch von Landrat Ralf Drescher (CDU), der Bundestagsabgeordneten Kerstin Kassner (Linke) und Rügens Tourismuschef Kai Gardeja, die das Überleben der Einrichtung als Gesamtaufgabe der Insel sehen. Eine Zweckgemeinschaft wichtiger Insel-Orte könnte dabei die jährlichen Kosten, die derzeit bei rund 300000 Euro liegen, absichern — dafür müsste der Tierpark jedoch ausgebaut werden.

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Viele Bürger wollen eine Schrumpfung des defizitären Sassnitzer Heimattiergartens verhindern / Landrat und Tourismuschef regen Solidar-Topf für Ausbau und Betrieb an

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Wählerinitiative drängt auf sinnvollen Tierpark-Ausbau

6 Jahre beschäftigen sich die Sassnitzer mit dem Tierpark-Ausbau. Die WfS verfolgt eine Sicherstellung der Betriebserlaubnis durch eine Umgestaltung nach EU-Richtlinie, behindertengerechte Wege und die Errichtung eines Sozialgebäudes. Kurios: Christine Zillmer (CDU) und Norbert Benedict (SPD) — beide sind für den Rückbau — haben die WfS-Liste unterschrieben.

Als „ein klares Votum der Bürger“, sieht Mitinitiator Mirko Frost von der WfS die Unterschriften. Die Liste wurde Stadtpräsident Norbert Thomas (CDU) auf der letzten Stadtvertretersitzung übergeben — auf dieser wurde auch eine große Lösung, die von der Stadtverwaltung erarbeitet wurde, ausgeschlagen — zugunsten eines moderaten Rückbaus (OZ berichtete) — obwohl das Land lediglich einen Ausbau fördern würde. Die „Schrumpfversion“ ist für die WfS inakzeptabel. „Uns geht das Konzept der Stadtverwaltung schon nicht weit genug“, erklärt Frost. „Wir sind für eine sinnvolle Investition.“ Die frühen Entwürfe des Planungsbüros seien gut gewesen. „Wir müssen die Chance nutzen, um Sozialgebäude und Gastronomie zu etablieren.“

Frost hofft, dass Bürgermeister Frank Kracht (parteilos) von seinem 14-tägigen Einspruchsrecht Gebrauch macht — und rechtzeitig den letzten Tierpark-Beschluss kippt. Passiert ist dies nach OZ-Informationen noch nicht. Zeit bleibt Kracht dafür nur noch bis Dienstag nach Ostern — derzeit befindet er sich jedoch im Urlaub.

Zuspruch findet die Unterschriftensammlung der WfS bei Rügens Ex-Landrätin Kerstin Kassner: „Die Aktion zeigt, dass die Stadt mit den Bürgern einen Weg für den Erhalt finden muss“, sagt die heutige Bundestagsabgeordnete. Und: „Der Tierpark muss bleiben. Er ist für alle Rüganer ein wichtiges Naherholungsgebiet und gehört zum Bild, das man von Rügen hat.“ Mit dem Land und auch mit anderen Gemeinden sollte zeitnah eine Lösung gesucht werden.

Ähnlich sieht dies auch Ernst Heinemann, Vorsitzender des Fördervereins Kap Arkona. „Der Inseltierpark ist ein Alleinstellungsmerkmal von Rügen“, schätzt er ein. Landrat Ralf Drescher meint: „Rügen muss noch mehr sein als Natur und Strand. Ich fände es wichtig, wenn der Tierpark als Attraktion erhalten bleibt.“ Einen Weg sieht er in der Bildung einer Zweckgemeinschaft, ähnlich wie sie 2015 zur Rettung des Selliner Spaßbades gegründet worden war und nun als Tochtergesellschaft der Tourismuszentrale Rügen (TZR) läuft. Daran beteiligen sich neben Sellin auch Baabe, Binz, Göhren und Putbus.

„Da die ganze Insel von der Einrichtung profitiert, wäre das für den Tierpark ein denkbares Modell“, sagt Drescher. Er ist ebenso wie der Geschäftsführer der TZR, Kai Gardeja, bereit, handelnde Persönlichkeiten der wichtigen Orte dafür an einen Tisch zu holen. „Der Tierpark ist ein Mosaikstein, um ein gutes Freizeitangebot für ganz Rügen abzusichern“, sagt Gardeja.

Mit der ursprünglich geplanten Investition von rund zwei Millionen Euro könnte der Heimattiergarten wieder zu einem Imageträger der ganzen Region werden, davon ist Norbert Zdrowomyslaw, Professor der Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Stralsund, überzeugt. „Der Tierpark ist ein ergänzender Image-Faktor, der besonders für Tierfreunde wichtig ist“, erklärt Zdrowomyslaw. Wie Sportevents, Schlösser oder Naturphänomene trage er zu einem positiven Wohlgefühl einer Stadt oder einer Region bei. Trotzdem sollte eine Investition gut überlegt sein. Auch der Stralsunder Tierpark brauche von der Hansestadt einen jährlichen Zuschuss von rund einer Million Euro. „Urlauber kommen nicht wegen des Tierparks nach Rügen. Aber sie nutzen das Angebot, wenn es da ist“, so Zdrowomyslaw. Daher sei ein Tierpark eine langfristige Investition, die sich lohnt.

Von Kay Steinke und Alexander Loew

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