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Rügen Verkauf perfekt: Investor lüftet Pläne für Prora-Block 5
Vorpommern Rügen Verkauf perfekt: Investor lüftet Pläne für Prora-Block 5
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14:42 15.01.2019
Blick den leerstehenden Block 5 im denkmalgeschützten Komplex der Nazi-Hinterlassenschaft in Prora auf der Insel Rügen. Quelle: Stefan Sauer/dpa
Prora

Die Weichen für den Umbau des letzten unsanierten Prora-Blockes sind gestellt. Nach jahrzehntelangem Verfall ist der Südteil des Blockes 5 in der Nazi-Hinterlassenschaft auf der Insel Rügen verkauft. Die Bauart GmbH erwarb vom Kreis Vorpommern-Rügen den Großteil des 450 Meter langen Gebäudes.

Wie Bauart-Geschäftsführer Kostja Künzel unmittelbar nach der Unterzeichnung des Notarvertrages der Ostsee-Zeitung sagte, sollen in dem etwa 300 Meter langen, sechsstöckigen Gebäudeabschnitt rund 180 bis 200 Dauerwohnungen entstehen. Künzel: „Wir wollen Wohnungen mit individuellen Zuschnitten für Familien, für Singles und Senioren schaffen.“

Investitionen von 60 Millionen Euro geplant

Das Unternehmen, das bereits den Block 4 der Nazi-Anlage sanierte, will in den nächsten Jahren rund 60 Millionen Euro in die Sanierung von Block 5 investieren. Die Bauarbeiten könnten im Jahr 2020 beginnen – vorausgesetzt: der B-Plan wird bis dahin durch die Gemeinde Binz angepasst.

Eine Berliner Firma saniert seit vier Jahren Block 1 der kolossalen, von den Nazis geplanten, Ferienanlage auf Rügen. Nun ist das Unternehmen insolvent. Anleger fürchten um ihr Geld und der Ort um die weitere Entwicklung.

Der Block 5 war der letzte Teil der 1936 von den Nationalsozialisten als „Seebad der 20 000“ geplanten Anlage in öffentlicher Hand. Die anderen vier halbwegs erhaltenen Blöcke verkaufte der Bund ab 2004 an Privatinvestoren und erhielt dafür 3,45 Millionen Euro. Mit der Sanierung dieser Blöcke und dem stückeweisen Verkauf der Wohnungen stieg auch der Wert von Block 5. Seit Frühjahr 2018 suchte der Kreis, der sich mit der Sanierung überfordert sah, dafür einen Käufer.

Stillschweigen über Kaufpreis

Landrat Stefan Kerth (SPD) bezeichnete den Verkauf an die Bauart GmbH nun als „großen Meilenstein“. „Von der Komplexität ist der Vertrag vergleichbar mit der Einführung der Autobahn-Maut.“ Über den Kaufpreis schwiegen sich Kreis wie Käufer aus – „auf Wunsch des Investors“, wie Kerth begründete.

Der Nordteil des Blockes ist langfristig an das Deutsche Jugendherbergswerk verpachtet, der etwa 40 Meter lange Mittelteil bleibt ebenfalls im Eigentum des Kreises. Dort soll ein von Historikern seit langem gefordertes Bildungs- und Dokumentationszentrum entstehen. Mit zunehmendem öffentlichen Druck erklärten sich Land und Bund im vergangenen Jahr endlich bereit, die Sanierung mit 6,8 Millionen Euro zu finanzieren. Zuwendungsbescheide gebe es allerdings noch nicht, sagte Kerth.

Geht es nach den beiden bestehenden Ausstellungseinrichtungen sollten Planung und Sanierung so schnell wie möglich starten. Für das Ausstellungskonzept wollen Dokumentationszentrum und Prora-Zentrum ein gemeinsames Ausstellungsteam bilden, sagte Katja Lucke, Leiterin des Dokumentationszentrums Prora. Die neue Ausstellung unter dem Thema „Prora im 20. Jahrhundert“ wird sich der NS-Geschichte, der militärischen Nutzung in der DDR und dem umstrittenen Nach-Wende-Umgang mit der Immobilie widmen.

Wohnungen erhalten Loggien oder Balkone

Die Bauart GmbH will zunächst die Bausubstanz in dem maroden Gebäude untersuchen und dann entscheiden, an welchem Zeitfenster man die Sanierung ausrichte, sagte Künzel. „In Block 4 haben wir uns am Jahr 1938 und damit am Architektenentwurf von Clemens Klotz orientiert.“ In der neuerworbenen Prora-Immobilie wurden zu DDR-Zeiten unter anderem ausländische Kader aus den „sozialistischen Bruderstaaten“ militärisch ausgebildet.

Als Zugeständnis an die jetzigen Wohnbedürfnisse hat der Kreis den Bau von Loggien oder Balkonen erlaubt. Angrenzend zum künftigen Dokumentationszentrum ist im Gebäude eine „Pufferzone“ mit Arztpraxen und Saisonwohnungen für Mitarbeiter in der Gastronomie geplant. Damit soll der Lärm für die Mieter in den Dauerwohnungen reduziert werden.

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Martina Rathke