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Rügen Rügener Spargel gibt‘s nur noch bei Bauer Lange
Vorpommern Rügen Rügener Spargel gibt‘s nur noch bei Bauer Lange
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00:00 16.04.2016
Thomas Lange sowie Igor Levitzki (r.) und Andrii Zahoruiko (2.v.r.) suchen in Lieschow noch vergeblich nach Spargel. In der nächsten Woche wird die Ernte auf den vier Hektar wohl beginnen. Lange setzt dafür fünf Studenten aus der Ukraine als Spargelstecher ein. Quelle: Chris-Marco Herold

Wer sich auf Rügen gewachsenes Edelgemüse für die eigene Küche sichern will, der muss in diesem Jahr — je nach Wohnort — relativ lange Wege auf sich nehmen. „Wir haben uns entschieden. Wir verkaufen unseren Spargel nur noch auf unserem Hof. Alles andere lohnt sich nicht mehr“, sagt Thomas Lange. Der Lieschower Landwirt, bekannt als Bauer Lange, wird in Bergen und in Stralsund keinen Verkaufsstand mehr aufbauen: „Der Aufwand und der Ertrag halten sich nicht mehr die Waage. Die Umsätze an den Ständen waren in den vergangenen Jahren rückläufig. Außerdem finde ich kein geeignetes Personal mehr für die relative kurze Spargelsaison. Die eröffnet er offiziell am 1. Mai und beschließt sie Ende Juni.

Spargel seit 1999

3 Tonnen pro Hektar — mit diesem Ertrag rechnet Thomas Lange, der in Lieschow auf vier Hektar Spargel ernten will. Das Edelgemüse baut der Landwirt seit 1999 an. Außerdem wachsen auf 2,5 Hektar Kartoffeln der Sorte Laura. Anderes Gemüse — auch Kohl — wächst in einem ein Hektar großen Garten.

Der Kunde hat längere Wege, Bauer Lange kürzere bis gar keine mehr — der Verkauf ab Hof macht das Kilo Spargel wohl billiger. „Letztes Jahr waren es neun Euro. Weil die Fahrt- und Standkosten wegfallen, könnte ich den Spargel jetzt auch günstiger anbieten“, kündigt Lange an, der sich über den neuen Kilopreis noch nicht ganz schlüssig geworden ist.

Mit den im Vergleich niedrigen Preisen der großen Ketten kann er nicht mithalten. „Wir bauen den nördlichsten Spargel unter klimatisch schwierigen Bedingungen an. Mir wurde mal ein Ertrag pro Hektar von sieben Tonnen vorausgesagt. Es sind nur drei“, sagt Lange. Außerdem habe er Stechkosten pro Kilo von mehr als drei Euro.

Als Kartoffelbauer hat er angefangen, seit 1999 baut Lange auch Spargel an. „Zu den besten Zeiten hatte ich mal zehn Verkaufsstände auf der Insel und dem Festland. Aber in den letzten fünf Jahren ist es mit dem Absatz schwieriger geworden“, sagt der 49-Jährige. Einerseits seien viele Leute weggezogen, andererseits fehle den Gebliebenen entweder das Geld oder das Lebensgefühl, das sich mit „ich leister mir mal ein Kilo Spargel“ ausdrücken lasse. „Ich empfehle immer pro Mund ein Pfund, aber in der Realität wird um 100 Gramm gefeilscht“, sagt Lange und hat festgestellt: „Eine Euphorie nach Spargel ist im Gegensatz zu anderen Landstrichen auf der Insel nicht ausgebrochen. Rügener Spargelwochen wollte ich mal, das interessiert aber keinen.“ Einzig Bauer Kliewe kauft für seinen Erlebnisbauernhof in Mursewiek Spargel von Lange.

Bei dem wächst aktuell auf 2,5 Hektar weißer Spargel und grüner auf 1,5 Hektar. Den ersten will er in etwa einer Woche ernten. Das übernehmen in dieser Saison erstmals fünf junge Männer, die in der Ukraine Landwirtschaft in verschiedenen Fachrichtungen studieren. „Die wollen raus in die Welt, ein dreimonatiges Arbeitsvisum bietet ihnen die Möglichkeit dazu“, weiß Lange, der den Ukrainern 8,50 Euro die Stunde zahlt. „Dafür müssen sie Lust an der Spargelernte habe, außerdem Holz hacken und rasen mähen können. Das waren meine Anforderungen“, sagt Lange. Komplettiert wird die Brigade noch von drei jungen Frauen. „Die bekomme ich auch von der studentischen Arbeitsvermittlung. Sie sortieren und schälen den Spargel.“

Und das nicht zu knapp. Denn das Spargelessen in Langes Gasthof laufe gut. „Ich habe viele regionale Stammgäste“, sagt er. Und denen zaubert Langes Truppe, bis an die 20 Frauen und Männer in der Hochsaison, nur das auf die Teller, was auf seinem Grund und Boden wächst. Von Fleisch und Fisch mal abgesehen, handelt es sich dabei neben dem Spargel, auch um Kartoffeln, die auf 2,5 Hektar wachsen. Hinzu kommt das Gemüse aus dem ein Hektar großen Garten. Den hat Lange rechts neben der Straße angelegt, die zu seinem Hof führt. „Frisch geerntet kommt‘s auf den Teller und ins Salatbuffet — wie beim Selbstversorger.“

Von Chris-Marco Herold

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