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Rügener Spargel trotzt kalter Witterung

lieschow Rügener Spargel trotzt kalter Witterung

Im nördlichstes Spargelanbaugebiet von MV hat die Ernte begonnen.

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Die Spargelernte auf Ummanz hat begonnen.

Quelle: Anne Ziebarth

lieschow. Auf Ummanz hat die Spargelernte begonnen. Auf drei Hektar Fläche baut Landwirt Jan Thomas Lange das weiße Gemüse auf seinem Bauernhof in Lieschow an. „Die kühle Witterung hat den Beginn der Ernte verzögert“, erzählt Lange. „So spät haben wir seit über zehn Jahren nicht mehr begonnen zu ernten.“ Für Weizen und Raps wäre das langsame Wachstum gut. Aber um richtig „zu schießen“ bräuchte der Spargel Temperaturen um die 12 Grad Celsius, berichtet er.

 

Das kostbare Gemüse wächst in Lieschow auf aufgehäufelten Reihenbeeten, überdeckt mit einer schwarzen Plastikfolie. Sie dient im kühlen Frühjahr dazu, möglichst viel Wärme aus der Sonneneinstrahlung zu ziehen, um den darunterliegenden Spargel zum Wachsen zu animieren. „Wir verwenden die holländische Sorte „Gijlim“. Die Spargelpflanzen muss recht robust sein, denn Rügen hat nicht den idealen Spargelboden“, sagt der Landwirt. „Eigentlich ist für den Anbau ein Sandboden mit geringer Bodenwertzahl ausreichend. Auf Rügen ist der Boden eher lehmig.“

Erträge aus der Spargelernte liegen bei 2 bis 3 Tonnen Spargel pro Hektar auf Rügen

Trotzdem sind die Erträge im nördlichsten Spargelanbaugebiet Mecklenburg-Vorpommerns durchaus sehenswert. Rund 2 bis 3 Tonnen Spargel lassen sich pro Hektar in der Saison ernten. Das „Stechen“ mit einem speziellen Spargelmesser haben in diesem Jahr neun ukrainische Studenten und Studentinnen übernommen. Andrey und Roman zum Beispiel. Mit Regenjacke und Gummistiefeln trotzen sie dem Ummanzer Landregen und arbeiten sich Reihe für Reihe vor. „Zum Stechen gehört etwas Übung“, sagt Thomas Lange und greift zu Demonstrationszwecken selbst zum Spargelmesser. „Erst freilegen, die richtige Stelle anpeilen und dann: zack!“, beschreibt er den Vorgang. In seiner Hand liegt wenig später eine vorzeigbare Spargelstange, die zu den anderen in die Kiste wandert.

Auch bei der Weiterverarbeitung helfen Studenten aus der Ukraine. Iryna Korol studiert in Kiew Agrarwissenschaften und ist für die nächsten drei Monate zum Helfen auf dem Bauernhof Lange zu Gast. „Meine Mutter fragt mich bei jedem Telefonat über Spargel aus“, erzählt die 20-Jährige in fließendem Deutsch. „In der Ukraine ist Spargel den meisten Menschen nämlich unbekannt. Und sehr teuer.“ Gemeinsam mit ihren Komilitoninnen Alina, Olena und Wastia bedient sie eine Maschine, an der der Spargel geputzt wird. Dann sortieren sie die Stangen nach Größe und Optik in verschiedene Kästen.

„Ich bin sehr zufrieden mit der Arbeit meiner Studenten“, lobt Jan Thomas Lange. „Die jungen Leute sind top-motiviert und wissbegierig. Das macht auch als Arbeitgeber Spaß.“ Arbeitskräfte aus Deutschland seien für die oft anstrengende Arbeit auf dem Feld und an den Maschinen nicht mehr zu bekommen. „Die Vermittlung der Helfer läuft über eine studentische Firma der Uni in Kiew“, erzählt Lange. „Und für die Studenten ist die Arbeit hier lukrativ. Sie verdienen ein Vielfaches mehr als in der Ukraine.“

Lieschower Spargel gibt es im Hofladen und im Restaurant

Ist der Spargel dann sortiert und geputzt, landet er innerhalb kürzester Zeit auf dem Teller des Hof-Restaurants. „Eigentlich war das ganz anders gedacht“, erinnert sich Lange. „Als ich vor zwölf Jahren mit dem Spargelanbau angefangen habe, dachte ich, man könnte den Spargel hier in größerem Maßstab vertreiben. An Gastronomen zum Beispiel.“

Doch die schüttelten nur die Köpfe. Spargel aus Großbetrieben sei billiger und auch optisch perfekter als die Lieschower Ware. Und: Der Lieschower Spargel kommt für die meisten Gastronomen zu spät. „Ich arbeite nicht mit Bodenheizungen, weil ich finde, das ist Energieverschwendung und ökologisch fragwürdig“, so Lange. „Trotzdem will natürlich kein Resaturant bis Anfang Mai auf seinen Spargel warten. Dann sind auch die Lieferverträge längst geschlossen.“

Auch Jan Thomas Lange hat in den ersten Wochen Ware zukaufen müssen, seine Spargelsaison begann Mitte April. Doch jetzt füllt Lieschower Spargel die Teller – die Gäste freuts. Denn trotz der schwierigen Anbaubedingungen hat der Rügener Spargel seine Fans. „Ich freue mich riesig, wenn die Scheune abends zum Spargelessen bis auf den letzten Platz besetzt ist“, sagt Lange. „Das ist den Aufwand dann wert.“

Spargel auf Rügen

3 Hektar Anbaufläche bewirtschaftet Landwirt Jan Thomas Lange mit Spargel.Er ist der einzige Spargelbauer auf Rügen, sein Anbaugebiet ist das nördlichste Mecklenburg-Vorpommerns.

Die Spargelsaison beginnt im April und endet traditionell am 24. Juni (Johannistag). Das hat seinen Grund: Vom 24. Juni bis zum ersten Frost sind es mindestens 100 Tage.

Diese Zeit braucht der Spargel, um einmal „durchzuwachsen“ und grünes Kraut auszubilden. Über die Photosynthese kann er so schließlich genügend Kraft für den Austrieb im nächsten Jahr sammeln.

Früher war Spargel als kostspielige Delikatesse dem Adel vorbehalten. Die Ernte muss nach wie vor von Hand erfolgen und der Anbau ist sehr aufwändig.

Spargel wurde auch als Heilpflanze verwendet. Ihm wurden sowohl eine potenzfördernde Wirkung als auch blutreinigende und harntreibende Eigenschaften zugeschrieben.

Anne Friederike Ziebarth

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