Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Rügener Spezialitäten sind ihr Ding
Vorpommern Rügen Rügener Spezialitäten sind ihr Ding
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 19.08.2016

Das Bächlein gluckert, durch die Zweige der alten Bäume brechen sich Sonnenstrahlen Bahn, in das Rauschen der Blätter im Wind mischt sich Hühnergegacker. Am Rande von Baldereck haben Frank und Britta Sorge ihr kleines irdisches Paradies gefunden. „Wir sind gesegnet, hier leben und arbeiten zu können“, sagt Britta. „Tu’ deinem Körper Gutes, dass deine Seele gern darin wohnt“, heißt das Motto der Sorges. Deshalb bemühen sie sich, „im Einklang mit der Natur“ zu leben.

Ihr Hof, den sie 1985 kauften und bezogen, steht auf historischem Grund. Hier stand einst die „Schnokenhütt“, denn offenbar gab es dort früher viele Mücken. Und hier sollen einmal vor rund 2000 Jahren ein germanisches und 1000 Jahre später ein altslawisches Dorf gestanden haben.

Bis heute scheint die Zeit auf dem Anwesen still zu stehen. Vom Lärm der Straße nach Lohme ist nichts zu hören. Immer wieder rollt ein Auto vorsichtig über den Weg zum Hof, denn die Produkte der „Rügener Spezialitäten-Manufaktur“ sind beliebt. In dem vom Ökokontrollsystem der EU ausgezeichneten Betrieb werden Brote aus dem Holzbackofen, köstliche Kuchen und Kleingebäck angeboten. Die Sorges stellen auch Nudeln her – von den gängigen Sorten bis zu exotischen Lavendel- oder Thymiannudeln. Ihre Fruchtaufstriche werden aus dem gekocht, was der eigene Garten hergibt, neben den bekannten Fruchtsorten sind dies auch Sanddorn, Holunder oder Löwenzahn. Apfelsaft, Honig von eigenen Bienen, Chutneys und Fruchtsirup werden ebenfalls angeboten, ebenso kandierte und mit Schokolade überzogene Walnüsse von eigenen Bäumen.

Frank kommt aus der Altmark, Britta aus Mecklenburg. Kennengelernt haben sie sich 1974 beim Studium der Veterinärmedizin an der Fachhochschule Rostock. Die Ausbildung war für beide zunächst eine Notlösung: Der heute 64 Jahre alte Frank hatte eigentlich in Berlin Außenhandel studieren wollen, doch dafür, so sagt er augenzwinkernd, „reichte meine politische Reife nicht“.

Seine zwei Jahre jüngere Frau hingegen hatte Dolmetscherin werden wollen, musste aber nach dem Abitur in einem Stahlwerk arbeiten, „um das richtige sozialistische Bewusstsein“ zu bekommen. Ein Studium der Metallkunde in Freiberg hat sie abgebrochen, wurde deshalb zu keinem Universitätsstudium mehr zugelassen.

1975, ein Jahr nach der ersten Begegnung, heirateten die Sorges. Vier Kinder – Ulrike, Martin, Bertram und Philipp – gingen aus der Verbindung hervor. Der Nachwuchs verbrachte eine unbeschwerte Kindheit auf dem Balderecker Hof mit Hühnern, Kaninchen, Enten, Gänsen, Schafen, einer Hofkatze und einem Hund. Ihre Eltern ernährten sie mit unbelasteten und gesunden Lebensmitteln aus eigenem Anbau.

1980 waren ihre Eltern nach Rügen gekommen, um in staatlichen Veterinäreinrichtungen zu arbeiten, obwohl sie eigentlich nicht auf die „rote Insel“ hatten ziehen wollen. „Nach der Wende machten wir uns sofort selbstständig“, erinnert sich Britta, die sich damals wie ihr Mann politisch engagierte. Ein Jahr lang betrieben sie eine Imbissbude in Glowe, dann pachteten sie dort eine Gaststätte. Parallel bauten die fleißigen Sorges das Hotel „Alt Glowe“, das sie betrieben, bis sie 2005 auf dem eigenen Hof ihre Manufaktur eröffneten.

„Wir haben Glück gehabt uns zu treffen“, sagt das Paar, das nun schon mehr als vier Jahrzehnte Freud und Leid teilt. Ihr Glück und der „wunderbare Arbeitsplatz“ gibt ihnen die Kraft, die anstrengende Arbeit zu bewältigen. Denn um 4.30 Uhr in der Frühe heißt es aus den Betten zu springen, den Ofen anzuheizen, den Brotteig anzusetzen und den Kuchenteig zu rühren. Von 10 bis 18 Uhr haben sie ihren kleinen Laden im Garten geöffnet. Dass sie nicht ewig so hart arbeiten können, ist den Sorges bewusst: „Wir haben eine tolle Zeit gehabt“, sagen sie. Dennoch wurde der Familienrat einberufen und ein Beschluss gefasst: „Wenn wir es nicht mehr schaffen, hören wir auf.“

Susanna Gilbert

Udo Kriening fand das Leben früher besser

19.08.2016

Bevor sich Slawen auf Rügen breit gemacht haben, siedelten hier schon germanische Stammesverbände – bevorzugt in der Senke zwischen Spyker, Ruschvitz und Baldereck.

19.08.2016

Dorothea Schwebke und Dagmar Pommerenke haben Freundschaft geschlossen

19.08.2016
Anzeige