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Rügen Rügens Prunksärge zu Gast auf Usedom
Vorpommern Rügen Rügens Prunksärge zu Gast auf Usedom
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06:46 30.03.2016
Praktikant Alexander Ackermann beim Entfernen von Rost an den Griffen des Sarkophages mithilfe eines Ultraschallmeißels. Quelle: Peter Machule

Vorsichtig setzt Alexander Ackermann den Ultraschallmeißel an, um den jahrhundertealten Rost an den Griffen und Ringen des Sarkophages zu entfernen.

Zwei von 14 Sarkophagen werden auf der Nachbarinsel restauriert / Sargabdeckung mit kunstvoller Jesusfigur

Der 28-jährige Student aus Stade bei Hamburg absolviert derzeit in der Werkstatt des Historisch Technischen Museums (HTI) in Peenemünde auf Usedom bei Metallrestaurator Wolfgang Hofmann für die Dauer von 21 Wochen sein sogenanntes Praxissemester in der Metallrestaurierung. Und dessen gegenwärtige Restaurationssobjekte sind keine geringeren als zwei weitere, altehrwürdige Prunksärge aus der Gruft der Pfarrkirche Maria Magdalena in Vilmnitz, der letzten Ruhestätte des Adelsgeschlechtes derer zu Putbus, wo in den Jahren von 1637 bis 1860 Mitglieder dieser Fürstenfamilie beigesetzt wurden.

„Die Aufgabe in den kommenden Monaten bis zur Fertigstellung im Oktober besteht darin, den nunmehr zweiten und dritten von insgesamt 14 Prunksärgen der Rügenfürsten im überlieferten Zustand zu konservieren, nachdem wir bereits vor einem Jahr den ersten Prunksarg restauriert haben“, erklärt Wolfgang Hofmann (66), der in diesem Zusammenhang eng mit dem Architektenbüro Held in Stralsund sowie dem ehemaligen Vilmnitzer Pastor Dr. Gottfried Biermann in Kontakt steht.

Im einzelnen bedeutet das für den sich derzeit bei ihm in der Restauration befindlichen Sarg von Freiherr Christian zu Putbus (1644 bis 1661): Befundaufnahme des gegenwärtigen Zustandes mit sämtlichen Schäden sowie vorsichtige Reinigungsarbeiten mit verschiedenen Mitteln und Methoden. „Hier ist auch eine Dampfreinigung vorgesehen, um die Vergoldungen an den Ringen der Särge wieder sichtbar zu machen“, erklärt Hofmann seine Vorgehensweise. Dabei kommt auch ein Ultraschallmeißel, ein Gerät aus der Zahnmedizin, mit dem beispielsweise der Zahnstein bei Patienten entfernt wird, insbesondere zum Abtragen der Rostschichten an den Trageringen und Ösen der Sarkophage, zum Einsatz.

Im Anschluss erfolgen die Richtarbeiten der teilweise stark deformierten Särge einschließlich ihrer Stabilisierung mittels maßgefertigter hölzerner Stützeinrichtungen im Inneren. Die aus einer Zinn- Blei-Legierung bestehenden Prunksärge waren seinerzeit reichlich mit Blattgold und verschiedenen Applikationen verziert worden.

Danach erfolgen alle notwendigen Reparaturen zum Erhalt der Substanz der Sarkophage in ihrer Gesamtheit sowie die Rundumkonservierung der kompletten Oberflächen. Wieder im Herbst im angestammten Domizil in Vilmnitz eingetroffen, werde anschließend eine Rückbestattung der sterblichen Überreste in würdiger Form erfolgen, zitiert Hoffmann aus dem Zeitplan.

Bei näherer Betrachtung der oberen Abdeckung, also des Deckels des Sarges von Christian Freiherr zu Putbus, war Wolfgang Hofmann sofort die dort angebrachte und in ihrer Art wohl einmalige, sehr fein gearbeitete Darstellung der Jesusfigur aufgefallen, die ihm in dieser Form in seiner gesamten Praxis noch nie begegnet ist. „Allein die Fertigung der Dornenkrone aus Bronzedrahtgeflecht war seinerzeit eine Meisterleistung“, bringt Metallexperte Hofmann seine Bewunderung zum Ausdruck.

Vilmnitz als Beisetzungsort der Fürstenfamilie

80 Mitglieder der Fürstenfamilie, möglicherweise auch noch mehr, wurden in der Gruft der Kirche von Vilmnitz beigesetzt. Sie war einst die „Mutterkirche“ derer zu Putbus. Das Archiv der Fürstenfamilie wurde 1954 vernichtet. Auch Fürst Wilhelm Malte, der Gründer der einstigen Rügener Residenzstadt, wurde dort bestattet. Der eichene Sarg mit den sterblichen Überresten wurde 1999 komplett erneuert. Dennoch machen sich Schimmelpilzsporen auf dem Holz breit.27 Särge beherbergt die Gruft der Kirche in Vilmnitz. Bei der Sanierung der Gruft wurden im Jahre 2012 Knochen im Fußboden entdeckt. Sie könnten Indiz dafür sein, dass es bereits vor dem Anlegen dieser Gruft eine weitere Begräbnisstätte des Fürstengeschlechts in Vilmnitz gegeben haben muss. Beleg dafür ist außerdem die steinerene Grabplatte von Jürgen von Putbus, der bereits 84 Jahre vor dem Anlegen der heute existierenden Gruft im Vilmnitzer Gotteshaus beigesetzt wurde.

Von Peter Machule

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