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Rügens Wehren setzen Maßstäbe bei der Nachwuchsarbeit

Neuenkirchen Rügens Wehren setzen Maßstäbe bei der Nachwuchsarbeit

Viele junge Leute schätzen vor allem Gemeinschaftsgefühl bei den Rettern

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Fabian aus Glowe sieht zu, wie Gundela Knäbe der Nachwuchsfeuerwehrfrau Emily aus Breege in die neue Jacke der Amtsjugendfeuerwehr hilft.

Neuenkirchen. Es ist dunkel an diesem Winterabend in Neuenkirchen. Und sehr still. Wer in dem abgelegenen Ort jetzt Menschen treffen will, muss zur Feuerwehr gehen. Wie Julius (9), Maris (10) und Emma (11). Hier sei sonst nicht viel los, sagen sie: entweder Fußball oder Jugendfeuerwehr. Wie viele andere Gleichaltrige aus dem Dorf haben sie sich gegen das runde Leder und für Schlauch, Spritze und Helm entschieden. Dabei geht es ihnen gar nicht ums Brändelöschen oder andere Einsätze, zu denen die Kinder und Jugendlichen ohnehin nicht hinzugezogen werden. „Es ist einfach toll, dass wir alle zusammen sind“, sagt Emma.

OZ-Bild

Viele junge Leute schätzen vor allem Gemeinschaftsgefühl bei den Rettern

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76 Jugendfeuerwehren gibt es im Großkreis Vorpommern-Rügen. Die Dichte auf der Insel ist besonders hoch. „Das ist traditionell so“, sagt Kreisjugendwart Ingo Trusheim, ebenfalls ein Rüganer. Die Nachwuchsarbeit hat bei den Insel-Wehren seit Jahrzehnten eine große Rolle gespielt. Die Insulaner haben damit Maßstäbe gesetzt, die auch nach der Zwangsfusion im gesamten Großkreis Vorpommern-Rügen gelten. „So etwas wie den Neujahrspokal oder den Pokal der Landrätin gab es in den Nachbarkreisen auf dem Festland früher in der Form nicht“, so Trusheim. Mittlerweile gibt es nach Rügener Vorbild kreisweit Wettkämpfe für den Feuerwehrnachwuchs.

Auch die Neuenkirchener waren mehrfach dabei, wie die Erinnerungsstücke im Versammlungsraum des Feuerwehrgerätehauses beweisen. „Wir haben schon mal einen Amtsausscheid gewonnen“, weiß Julius zu berichten. Die Kleinen sind stolz darauf – und zwar zu recht, wie Neuenkirchens Wehrführer Christian Schwebke erklärt. „Dazu gehört unglaublich viel Wissen und auch viel Kraft.“ Wer einen meterlangen, wassergefüllten Schlauch mal bewegt habe, wisse um die körperliche Anstrengung, die das selbst einem Erwachsenen abverlange – von Kindern und Jugendlichen ganz zu schweigen.

Entsprechend groß ist der Respekt, den Gundela Knäbe und Renate Ratzke den jungen Leuten entgegenbringen. Die Frauen sind Mitglieder beim Rügener Inner-Wheel-Club, einer Organisation von Frauen, die sich für gemeinnützige Zwecke engagieren wollen. Sie hatten im vergangenen Jahr unter anderem ein Wohltätigkeits-Golfturnier organisiert. Einen Teil des Erlöses ließen sie jetzt Rügener Jugendfeuerwehren zukommen. Die Mädchen und Jungen aus Altefähr kauften sich dafür neue Funktions- und Arbeitsjacken, für die Mitglieder der Jugendfeuerwehren im Amtsbereich Nord-Rügen gab es einheitliche Softshelljacken mit Aufdruck, für die Kreisjugendfeuerwehr wurde ein Zelt für das Zeltlager angeschafft und die Neuenkirchener freuten sich über Handtücher und Basecaps mit dem Namenszug ihrer Wehr.

„Wir finden es toll, dass die Mädchen und Jungen auf diese Art Gemeinschaft kennenlernen“, sagte Renate Ratzke. Die Rüganerin ist ganz in der Nähe von Neuenkirchen geboren und kennt sowohl das Landleben als auch die Sorgen und Nöte der kleinen Jugendfeuerwehren. Genau die sollten diesmal die Nutznießer einer Spende sein, die sich alles in allem auf rund 3500 Euro belief.

Mit den neuen Basecaps auf den Köpfen bugsierten die kleinen Neuenkirchener Jugendwehrleute Leonore, Gedeon und Tim die Bergenerin Renate Ratzke in die Fahrzeughalle und zeigten unter anderem, wie der Schlauch an eine Spritze gekoppelt wird. Nebenan half Gundela Knäbe der jungen Emily aus Breege in die neue Jacke mit dem Schriftzug „Amtsfeuerwehr Nord-Rügen“. „Wir setzen auch bei der Jugend künftig verstärkt auf die Amtswehren“, erklärt Jens Steinfurth, Amtswehrführer auf Nord-Rügen. Größere Jugendfeuerwehren würden so die kleineren besser mit ins Boot holen können, wenn es um die Ausbildung und Wettkämpfe gehe. Und sie lernten auch gleich für die bevorstehenden Einsätze. „Heutzutage wird wegen der Einsatzstärke kaum noch eine Wehr allein alarmiert.“ Die Zusammenarbeit mehrerer Wehren sei gang und gäbe. Die Zeiten von „mein Feuer“ und „dein Feuer“ seien vorbei, sagt er mit Blick auf frühere Debatten um Zuständigkeiten.

Diesen Trend bestätigt auch Christian Schwebke aus Neuenkirchen. Wegen der Randlage des Ortes und den weiten Entfernungen zu benachbarten Wehren sind die Kameraden im Ernstfall zwar stärker als anderswo auf ihr eigenes Können und ihren Einsatz angewiesen: „Bis hier Verstärkung kommt, dauert es naturgemäß ein wenig länger“, sagt der Wehrführer. Doch es lasse sich im Einsatz gemeinsam besser Leben retten und Sachwerte schützen, wenn man sich kenne. Enge Kontakte pflegen die Neuenkirchener deshalb auch zu den anderen Jugendwehren im Amtsbereich. Gemeinsame Ausflüge und Wettkämpfe, etwa auf Hiddensee, seien auch für die Zuschauer immer wieder spannend. Für die jungen Akteure sowieso. Auch wenn sie die Theorie ein bisschen langweilig findet, hat Emma ihre zwölfjährige Freundin Leonore überzeugt: Die kommt extra aus Gingst zu den Treffen der Neuenkirchener Jugendfeuerwehr. Hier, sagt sie, sei alles so klein und gemütlich – und die Leute so nett.

Kinder nicht im Einsatz

76 Jugendfeuerwehren gibt es im gesamten Landkreis Vorpommern-Rügen. Die höchste Dichte an diesen Nachwuchstrupps weisen im Kreismaßstab die Inseln Rügen und Hiddensee auf. Allein hier gibt es 34 Jugendwehren.

Nachwuchs-Feuerwehrmann oder -frau kann man ab dem sechsten Lebensjahr – in der so genannten Kinderfeuerwehr. Wer wenigstens zehn Jahre alt ist, dem stehen die Türen einer Jugendfeuerwehr offen. Deren Mitglieder werden nicht zu Einsätzen herangezogen. Dazu muss man mindestens 16 Jahre alt sein.

Maik Trettin

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