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Rügen Rügens letzte Wölfin findet neue Liebe im Schwarzwald
Vorpommern Rügen Rügens letzte Wölfin findet neue Liebe im Schwarzwald
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07:20 09.02.2018
Luna (jetzt: Cora) aus dem Sassnitzer Tierpark hat ein neues Zuhause im Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald gefunden. Quelle: Christopher Schmidt
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Sassnitz

Einen alten Baum verpflanzt man nicht? Luna würde das nicht unterschreiben. Ihr gesamtes Leben hat die Wölfin im Sassnitzer Tierpark verbracht. Im hohen Alter von zwölf Jahren ist sie zum ersten Mal umgezogen – vom Nordosten in den Südwesten Deutschlands. Im Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald in Rippoldsau-Schapbach hat die letzte Rügener Wölfin ihr neues Zuhause gefunden – und die Liebe ihres Lebens.

Luna ist auf ihre alten Tage in den Südwesten Deutschlands gezogen – und bekam in „Adi“ einen treuen Gefährten.

Ältere Wölfin wollte niemand haben

Die Geschwister der am 9. Januar 2005 in Sassnitz geborenen Wölfin Luna sind mittlerweile tot. Einerseits ein Segen für die Fähe, die in der Rangordnung der Gruppe auf der untersten Stufe stand. „Sie schien richtig aufzuatmen, als sie von niemandem mehr gemaßregelt wurde“, sagt die Sassnitzer Tierparkleiterin Kerstin Schulz. Andererseits drohte der Wölfin ein einsamer Lebensabend. „Im Gegensatz zu den Rüden bleiben die weiblichen Tiere in der freien Natur nicht allein.“ Luna aber noch einen „jungen Wilden“ als Mitbewohner zu präsentieren, wäre ebenso wenig gegangen wie sie in ein bestehendes Rudel zu integrieren. „Das hätte nur Stress gegeben“, sagt Schulz. Aus diesem Grund sind Wölfe in andere Zoos auch schwer zu vermitteln, wie die Sassnitzer Tierparkleiterin und ihre Kollegen seit geraumer Zeit wissen. Niemand hatte die Tiere zuvor haben wollen.

Narkose für den Transport in den Schwarzwald

Bis dann kurz vor Weihnachten der Anruf aus dem Schwarzwald kam. Dort war Adi als einziger Wolf in einem Gemeinschaftsgehege mit Bären übrig geblieben. Ihm Luna als Gefährtin dazuzugesellen, hielt Kerstin Schulz anfangs für riskant. „Für den Transport musste sie narkotisiert werden. Das ist für ein Tier in ihrem Alter nicht ungefährlich.“ Doch alles ging glatt. Als Luna in ihrer Transportkiste erwachte, begann die Fahrt. Mehrere hundert Kilometer legte sie in dem Fahrzeug zurück, insgesamt war sie mit Pausen 24 Stunden unterwegs. Doch die Fahrt hat sich für das Tier gelohnt, ist sich Kerstin Schulz sicher: Gräben, Berge, Gestrüpp – „richtiges Traumwolfsland“, schwärmt sie. Drei Hektar groß ist das Gemeinschaft-Gehege, das sich die Wölfe mit den Bären teilen. „Das ist größer als unser gesamter Tierpark. Etwas Besseres hätten wir Luna nicht bieten können.“Die fühlt sich im Schwarzwald offenbar richtig wohl– was nicht nur an der Größe des Geheges, sondern auch an der netten Gesellschaft liegt. In ihrem neuen Zuhause hat die Wölfin, die jetzt „Cora“ genannt wird, den gleichaltrigen Rüden Adi getroffen. „Beide verstanden sich auf Anhieb, besser als man es je hätte planen können“, erzählt Christopher Schmidt vom Wolf- und Bärenpark Schwarzwald begeistert.

Luna und Adi: Liebe auf den ersten Blick

So wie er es schildert, muss es Liebe auf den ersten Blick gewesen sein: „Sie beschnüffeln sich, jagen sich, toben, Cora hebt ihre Pfote und berührt Adi sanft am Fang.“ Als der für ihren Geschmack zu forsch reagiert, „entschuldigt“ er sich sofort und unterbreitet zur Versöhnung ein Geschenk: „Da Liebe bekanntlich durch den Magen geht, machte sich der erfahrene Altwolf auf den Weg und sammelte die besten Fleischstücke zusammen, die er weit und breit finden konnte. Anschließend schleppte er sie in die Nähe des Unterschlupfs und vergrub sie dort für schlechte Zeiten.“Beide Tiere wirken schon nach so kurzer Zeit wie ein altes Ehepaar, sagt Schmidt schmunzelnd: „Die Natur schreibt immer noch die schönsten Romanzen. Nicht mit Worten, sondern auf allen Vieren.“ Beide Wölfe kuscheln zusammen, Cora (beziehungsweise Luna) bleibt auf Distanz, wenn Adi ihr zu aufdringlich wird. Der Altwolf steht seiner neuen Flamme auch bei, wenn sie von anderen bedrängt wird – zum Beispiel von den drei heranwachsenden Bärenmännern Arian, Agonis und Arthos. Das Trio hat auf die neue Gesellschaft neugierig und begeistert reagiert. „Cora, die nie Kontakt zu Wildtieren hatte, begriff nach einer Viertelstunde, wie sie sich zu verhalten hatte.“

Bauarbeiten im Tierpark hätten Stress für die Wölfin bedeutet

Dass sich der Lebensabend der Wölfin so gut gestalten würde, hatten Kerstin Schulz und ihre Kollegen nie zu hoffen gewagt. „Luna war auch hier nie aggressiv und sie schien auch kein Problem mit Menschen zu haben.“ Doch die bevorstehenden Bauarbeiten im Sassnitzer Tierpark hätten ganz sicher Stress für die Wölfin bedeutet. Den Großteil der Tiere hat der Tierpark schon in andere Einrichtungen vermittelt – was nicht einfach ist, wie Kerstin Schulz unterstreicht. In Sassnitz leben derzeit noch zwei Wildschweine, zwei Waschbären, ein alter Marder und ein Wildkater. Sie alle sollen – wie auch die neuen Bewohner der Einrichtung – künftig in größeren Gehegen leben. Bis dahin werden sie wie gehabt vom Tierarzt betreut und von den Pflegern versorgt. „Um die verbliebenen Tiere müssen wir uns intensiver kümmern“, erklärt Kerstin Schulz. „Wir müssen die fehlenden Besucher ersetzen und die Tiere beschäftigen.“ Der Waschbär bekommt jetzt zum Beispiel ein intensives „Kistentraining“, lernt also, freiwillig in die Transportbox zu gehen. Futterbälle und häufig wechselnde Käfigeinrichtungen sollen den Vierbeinern Abwechslung bringen.

Ziebarth Anne Friederike

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