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Sandberg blieb unbequem

Sandberg blieb unbequem

Herbert Sandberg zählte mit seinem kruden, schnörkellosen Strich zu den herausragenden Karikaturisten der DDR.

Herbert Sandberg zählte mit seinem kruden, schnörkellosen Strich zu den herausragenden Karikaturisten der DDR. Ich hörte über ihn viel Lobenswertes von meinem Lehrer Werner Klemke, sah ihn gelegentlich bei Ausstellungseröffnungen, studierte voller Freude seine Karikaturen-Kolumne „Der freche Zeichenstift“ in der Lebensart-Zeitschrift „Das Magazin“, die Sandberg mit seinen Beiträgen über Kollegen im In- und Ausland adelte. Seinen Einstand dort gab er 1954, mit der Mai-Nummer des ersten Jahrganges. Ich besitze das nachfolgende Juni-Heft des damals 46jährigen Künstlers, in dem er den Franzosen Albert Dubout (1905-1976) vorstellte. Dubout nahm den Kleinbürger Frankreichs mit seiner Feder aufs Korn, einen, den man natürlich überall fand, so gesehen auch im Osten Deutschlands.

Dubout, so erzählt Sandberg kurzweilig und kundig seinen Lesern, war „ein Meister der Unordnung... Ein ganz besonderer Freund des kleinen Details... Er holt aus der Vielfalt die Einfalt... Er zeichnet für seinen Nachbarn, den kleinen Bürger, der sich oft in seinen Blättern wiederfindet und doch nie erkennt.“ Sandbergs letzter Satz über Dubout lautet so: „Ganz selten wird man sich im Spiegel der Karikatur selber sehen, meist sieht man nur den Nebenmann. Ist es ein Wunder, dass die Komiker immer solch traurige Gesichter haben?“ Sandbergs Leben war gepflastert mit Vorkommnissen, über die andere seiner Zeitgenossen zerbrochen sind. Er, der an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe Breslau studierte, der 1930 der KPD beitrat, unter den Nazis eine dreijährige Zuchthausstrafe wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verbringen musste, danach ins KZ Buchenwald überstellt wurde, im April 1945 die Befreiung erlebte, wird ein unermüdlicher und auch undogmatischer Kunstkatalysator der Nachkriegszeit. Er entdeckte Talente, förderte und forderte. Im Rahmen der unsäglichen „Formalismusdebatte“ wurde Sandberg attackiert. Seine Arbeiten wurden 1949 im „ND“ als formalistisch und unmarxistisch abqualifiziert. Sandberg blieb standhaft. In seiner Magazin-Kolumne über Saul Steinberg lese ich 1955: „Vielfalt ist bekanntlich das Gegenteil von Einfalt. Und einfältig wäre unsere Übersicht, wenn sie nicht alle Länder, alle Zeiten, alle Stile der Karikatur beachten würde.“ Sandberg blieb bis ins hohe Alter ein „streitbarer Künstler mit spitzer Feder“, dem Deutschlandradio Kultur gestern (5.45 Uhr) sein Kalenderblatt widmete und damit mich „so gesehen“ weckte. ARTus

OZ

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