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Rügen Unter Tränen in die Arme geschlossen
Vorpommern Rügen Unter Tränen in die Arme geschlossen
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17:05 11.02.2019
Im Sassnitzer Hafen entstanden durch Schnee, Frost und Wind unfassbare Gebilde. Quelle: Arno Wieksne
Sassnitz

Es sind Motive wie aus einer Fantasiewelt. Die bizarren Eis- und Schneegebilde wirken auf den einen wie im Märchen, für andere sind sie der blanke Horror. Wie dem auch sei – eines sind sie gewiss: Zeugnisse eines Winters, der sich als Naturkatastrophe entpuppte und die Menschen auf eine harte Probe stellte.

Arno Wieksne (65) war damals bei der Marine, als Rügen unter Schnee- und Eismassen versank. In Schwerin geboren, war der Offizier 1974 auf die Insel Rügen ins Marinepionierbataillon versetzt worden. Die ersten Jahre liefen nach einem klar strukturierten Rhythmus ab, als Ende Dezember 1978 plötzlich eine Inferno losbrach. „Unsere Einheit hat damals in Promoisel die Stallanlagen freigelegt“, erzählt Wieksne ganz unprätentiös. „Und zusammen mit den Infanteristen schaufelten wie auf der Strecke Bergen-Sassnitz den Bahnhof in Sagard frei.“ So war das eben, kommentiert Wieksne, der nach 19 Jahren Dienstzeit die Marine zur Wende als Korvettenkapitän verließ.

Ernst Heinemann war im Winter 1978/79 als Fotograf der NVA im Einsatz. Er hat die wichtigsten Momente festgehalten. Diese Fotos sind vorher noch nie öffentlich gezeigt worden.

Von Sassnitz ans Kap in sieben Stunden

Arno Wieksne hat einige spektakuläre Fotos aus dieser Zeit in seinen Alben kleben. Das hängt damit zusammen, dass er bei der Truppe für die Traditionspflege verantwortlich war. Aus diesem Grunde hat er auch die 79er Januarausgabe der Volksmarinezeitung „Auf Gefechtskurs“ aufgehoben. Die befasste sich damals ausschließlich mit dem „harten Kampf“ an der „Kältefront“. So lautet beispielsweise ein Artikel „Durchbruch an der Trasse Bergen-Saßnitz – Marinepioniere, Soldaten, Fallschirmjäger und Arbeiter Seite an Seite“. Darin heißt es unter anderem: „... Am Silvestertag bergen Maat Olberdorfer und Matrose Kurth mit ihrer BAT und Maat Fiedler mit der Tatra-Zugmaschine zwei schwedische Fernlastzüge auf der F 96. 120 Urlauber werden mit Schwimmfahrzeugen von Bergen nach Saßnitz gebracht. Maat Liebmann und Korvettenkapitän Rupp bringen vier nierenkranke Frauen aus Saßnitz und Umgebung ins Bezirkskrankenhaus quer über die Felder fahrend. Sie müssen an der künstlichen Niere angeschlossen werden. Der Kampf geht weiter. Brot, Mehl und Milch wird auf Umwegen nach Saßnitz transportiert. Da fallen in verschiedenen abgelegenen Orten E-Anlagen aus. Monteure des Elektroanlagenbaus müssen u.a. nach Bobbin und Varnkewitz bei Kap Arkona geschafft werden. Nach siebenstündiger Fahrt werden sie von den Bewohnern mit Freudentränen in die Arme geschlossen...“

Katzenjammer mit dem Westpanzer

Ein paar Kurznachrichten, die wie ein Ticker über mehrere Tage aufgebaut sind, lesen sich wie die Berichterstattung aus einem Kampfgebiet: „31. 12. 1978 – Küstenbezirk schneeunter ... Auf dem Eisenbahnabschnitt Teschenhagen-Bergen bleibt ein Personenzug in einer Schneewehe stecken. Beim Versuch, den Zug freizubekommen, entgleist ein Wagen. Damit ist Saßnitz eingeschlossen. Die von Südost heranpeitschenden eisigen Wassermassen der Ostsee zerstören in der nördlichsten Stadt der DDR auf 340 m Länge die Molenbrüstung und den Molenkörper bis auf die Wasseroberfläche ... Bürger von Sassnitz, die in ihrer Kaufhalle in Lanken nach Brot fragten, werden von einer Einheit der Sowjetarmee bedient, die kostenlos 150 Brote aus ihrer eigenen Bäckerei verteilen. Nachmittags sind sie wieder mit 280 Broten zur Stelle ...“

Eingefrorene Wasserleitungen, verwehte Straßen, Sowjetsoldaten, die Brot von den Lkw herunter verteilen, Häuser, die bis zum Dach im Schnee versinken –Zeitzeugen erinnern sich an den Jahrhundertwinter

Neben Danksagungen an Parteiführung, Armee und opferbereiter Bevölkerung dürfen auch winterliche Seitenhiebe auf den Klassenfeind nicht fehlen: „Katzenjammer – General Winter, ein Hauptfeind des deutschen Imperialismus, hat die teure Großwildkatze der Bundeswehr ,Leopard’, den vielgepriesenen ,besten Panzer der Welt’, voll auflaufen lassen. Bei Schneeräumarbeiten in Schleswig-Holstein setzten sich die Panzer allzubald mit ihren tiefliegenden Bodenwannen auf Schneepolster fest und malten mit den Ketten durch. Der Katzenjammer in den Westgazetten ist groß.“

Hier kommen Sie zur Themenseite des Jahrhundertwinters.

Jens-Uwe Berndt

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