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Amt stoppt Baggerung am Boddenstrand

Lietzow Amt stoppt Baggerung am Boddenstrand

Geschützte Biotope durch die Arbeiten am Ufer in Lietzow erheblich beschädigt/ Naturschutzbehörde leitet Verfahren ein

Lietzow. . Es hat den Anschein, als wollten sich die Lietzower eine zweite Promenade anlegen. Am Strand führt vom Grillplatz aus eine meterbreite Schneise direkt am Ufersaum des Großen Jasmunder Boddens in Richtung Lietzower Damm. Die Piste sieht aus wie eine Autobahn aus Sand und ist durch Baggerarbeiten entstanden. Die schwere Technik hat sich durch Schilf und Sträucher vorgearbeitet und sie mit Halm, Ast und Wurzel aus dem Weg geräumt. Und zwar illegal. „Ein nicht genehmigter Eingriff“, sagt Olaf Manzke, Sprecher des Landkreises. Der hat den Bagger sofort ausgebremst. „Die Naturschutzbehörde war in Lietzow vor Ort und hat sofort einen Baustopp für die Arbeiten am Strand ausgesprochen“, so Manzke. „Durch diese Arbeiten sind erhebliche Schäden an einem geschützten Biotop entstanden.“

Was der Kreissprecher als schützenswerte Vegetation titelt, könnte in den Augen des Lietzower Bürgermeisters Jürgen Böhnig zur Gefahrenquelle für Strandbesucher werden. Vom Grillplatz aus führt ein Trampelpfad in Richtung der Fußgängerampel zum Parkplatz am Ortseingang von Lietzow. Strandbesucher würden diesen Weg nutzen, sagt er. „Beim Passieren könnten sie womöglich an Ästen des Sanddorns hängen bleiben, der schon auf den Weg ragt, und sich Löcher in ihre Kleidung reißen.“ Diese Gefahr können Besucher zwar im wahrsten Sinne des Wortes umgehen, indem sie die oberhalb des Strandes zur Straße führende Promenade nutzen, dennoch sollte sie auf dem Trampelpfad aus dem Weg geräumt, ein paar Sanddornsträucher rausgenommen werden. „Denn der Weg war schon so zugewachsen, dass er nicht mehr passierbar war“, so der Bürgermeister. „Wir wollen den Strand für die Gäste verschönern und ihn gegen Hochwasser schützen“, definiert er als Ziele für den Einsatz der schweren Technik.

Die rückte bereits am Dienstag der vergangenen Woche an. Schaufel um Schaufel wühlte sich der Bagger durch den Grund im seichten Wasser des Jasmunder Boddens. Der Aushub landete am Strand, er wurde zum Beispiel an die Uferböschung gepackt. Dabei sei laut Böhnig mit geschätzten 100 Kubikmetern unter anderem eine freigespülte Strandfläche auf Höhe der ehemaligen Gaststätte „Essente“ wieder aufgefüllt worden. Und schließlich rückte der Bagger der Vegetation am Ende des linken Strandabschnitts besagtem Trampelpfad zu Leibe. Mit schwerer Technik wurde etwa eine Baggerbreite Grün an Land und eine Baggerbreite des Schilfgürtels auf einer Länge von gut 100 Metern beseitigt. „Ich war oft vor Ort und habe die Arbeiten begleitet“, so Jürgen Böhnig.

Beim Umweltamt des Landkreises wusste niemand etwas von den Baggerarbeiten. „Sie wurden weder beantragt, geschweige denn genehmigt“, sagt Olaf Manzke. Ohne Genehmigung dürfe weder im Bodden gebaggert, noch an Land in die Vegetation eingegriffen werden. „Denn die ist streng geschützt“, betont der Kreissprecher. „Bei der Fläche hinter dem Grillplatz am Strand, in die jetzt eingegriffen wurde, handelt es sich um ein unter Schutz stehendes Dünenbiotop.“ Erst durch einen Bürgerhinweis habe der Landkreis vom Baggereinsatz erfahren. „Wir haben sofort reagiert.“ Mitarbeiter des Umweltamtes sind sofort nach Lietzow gefahren und haben das Ergebnis der Baggeraktion begutachtet. „Die Naturschutzbehörde verhängte sofort einen Baustopp, denn durch den massiven Eingriff ist das Biotop erheblich beschädigt worden.“

Den Auftrag hat laut Jürgen Böhnig die Gemeinde ausgelöst und ihn an einen Lietzower vergeben, der nicht das erste Mal für die Kommune mit dem Bagger im Bodden und am Strand aktiv ist. Dort baute er 2011 im Auftrag der Gemeinde einen Steg, der zur Löschwasserentnahme dienen sollte und vertiefte im Folgejahr den Bodden vor dem Steg mittels Kettenbagger. Auch damals gab es wegen fehlender Genehmigungen Ärger mit den Behörden.

Mit dem verhängten Baustopp ist auch der aktuelle Baggereinsatz nicht abgetan. „Der Landkreis leitet ein Ordnungswidrigkeitsverfahren ein“, kündigt Olaf Manzke an. Eröffnet werde das mit einer Anhörung des Verursachers der Schäden, die nicht nur an der geschützten Natur entstanden sind. Der Strandbesuch in Lietzow ist dadurch sogar zu einem lebensgefährlichen geworden. Darauf weisen jedenfalls Schilder an Bänken hin, die am Ufer aufgestellt wurden. Die Schilder warnen: „Achtung! Baggerlöcher im Flachwasserbereich! Lebensgefahr!“

Udo Burwitz

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