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An Nationalparkstraße fallen 150 Bäume

Sassnitz An Nationalparkstraße fallen 150 Bäume

„Waldfrevel“ lesen Autofahrer, wenn sie zurzeit von Hagen aus in den Nationalpark Jasmund fahren.

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Unbekannte haben links und rechts die Bäume an einer wegen Pilzbefall gefällten Buche an der Straße im Nationalpark Jasmund besprüht. „Waldfrevel“ lesen Autofahrer kurz hinter Hagen an den Stämmen.

Quelle: Udo Burwitz

Sassnitz. „Waldfrevel“ lesen Autofahrer, wenn sie zurzeit von Hagen aus in den Nationalpark Jasmund fahren. Kurz hinter dem Ortsausgang haben Unbekannte an einer gefällten Buche am Straßenrand links und rechts an zwei Bäumen in Großbuchstaben diesen Schriftzug gesprüht, mit dem sie augenscheinlich ihren Unmut darüber bekunden, dass der Baum dazwischen der Säge zum Opfer gefallen ist. „Es wird nicht der einzige bleiben“, kündigt Dr. Ingolf Stodian, zuständiger Dezernent für den Nationalpark, an. „An der Straße, die von Sassnitz nach Hagen durch den Nationalpark führt, werden noch etwa 150 weitere Bäume gefällt.“

 

OZ-Bild

Unbekannte haben links und rechts die Bäume an einer wegen Pilzbefall gefällten Buche an der Straße im Nationalpark Jasmund besprüht. „Waldfrevel“ lesen Autofahrer kurz hinter Hagen an den Stämmen.

Quelle: Udo Burwitz

Die Bäume seien allesamt krank, begründet Ingolf Stodian die umfangreiche Fällaktion, mit der bereits in der kommenden Woche begonnen werden soll. „Sie weisen Pilzbefall auf und stellen eine Gefahr für den Verkehr dar. Sie könnten komplett oder große Kronenteile auf die Fahrbahn stürzen.“ Das sei übrigens auch der Fall bei jener Buche, die an der Nationalparkstraße kurz hinter dem Ortsausgang Hagen bereits abgenommen wurde und wo vermeintliche Umweltaktivisten links und recht ihre Kritik an die Stämme der nebenstehende Bäume geschmiert haben. Der Stamm sehe an der Schnittstelle zwar noch gesund aus, sagt der Nationalparkdezernent. „Aber vier bis fünf Meter höher ist der Stamm komplett mit Pilzen übersät.“

Dieses Phänomen sei typisch für Bäume, die die acht Kilometer lange Straße durch den Nationalpark säumen. Weil sie nur von einer Seite Licht bekommen, bilden viele dieser Bäume in fünf bis sechs Metern Höhe eine zweite Krone aus. „Die wächst dann zum Licht und somit schräg vom Stamm weg“, erläutert Ingolf Stodian. Genau an der Stelle, wo sich die beiden Kronen gabeln, sammelt sich der Niederschlag und dringt in den Baum ein. Und diese Stelle bildet dann den Krankheitsherd. Dort werden die Bäume zum Beispiel von Pilzen befallen, die sich ausbreiten. Im Ergebnis führe das jedes Jahr dazu, dass mächtige Äste oder sogar ganze Bäume nach starken Regenfällen oder bei Sturm auf die Fahrbahn stürzen. Um diese Gefahr zu minimieren und ihr vorzubeugen, werden die Bäume entlang der Nationalparkstraße jedes Jahr sogar zweimal von Experten unter die Lupe genommen — einmal Ende Juni im belaubten und einmal Ende Dezember im unbelaubten Zustand. Das aktuelle Ergebnis: Rund 150

Bäume sind krank. „Bis zu 40 davon sind akut gefährdet“, präzisiert Ingolf Stodian.

Das Nationalparkamt wird aber nicht nur jene 40, sondern gleich alle Bäume an der Straße abnehmen, von denen eine Gefahr für den Verkehr ausgeht. „Die Fahrbahn soll in diesem Frühjahr ja eine neue Asphaltdecke bekommen“, begründet Stodian. Das Straßenbauamt hat den Ausbau der Nationalparkstraße bereits geplant. Der Baubeginn ist für Ende März vorgesehen (die OZ berichtete). „Damit haben wir die Chance, dass Bäume beim Fällen auch auf die Straße stürzen können. Bei Beschädigungen des Fahrbahnbelages drohen keine Schadensersatzforderungen, weil die Straße anschließend ohnehin erneuert wird“, so der Nationalpark-Dezernent. Im kommenden Jahr müssten die Bäume scheibchenweise durch einen Baumkletterer abgetragen werden, um Schäden am neuen Asphaltband zu vermeiden. Das würde zwischen 1000 bis 2000 Euro pro Baum kosten. „Das ist gegenüber dem Steuerzahler nicht zu verantworten.“

Das Fällen der Bäume werden Mitarbeiter des Nationalparks übernehmen. Dabei bekommen sie auch Unterstützung durch moderne Technik. Mit dem Harvester, der zur Zeit beim Waldumbau im Nationalpark im Einsatz ist, sollen besonders mächtige Bäume an der Straße abgenommen werden, die für die betriebseigene Technik eine Nummer zu groß sind. „Außerdem werden wir im Zuge der Fällarbeiten an der Straße auch gleich 14 Waldzufahrten zurückbauen, hinter denen gar kein Weg mehr in den Nationalpark führt, die aber durch Schlagbäume abgesperrt sind“, sagt Ingolf Stodian, und hat dabei wieder die Kosten im Blick. „Es wäre nämlich unsinnig, wenn diese Zufahrten beim Straßenbau erneuert würden.“

Wer ab kommender Woche durch den Nationalpark fahren will, muss mit Behinderungen rechnen. Die Straße wird während der Fällaktion abschnittsweise halbseitig gesperrt und der Verkehr per Ampelanlage an den Stellen vorbei geleitet, an denen gerade gearbeitet wird, kündigt Ingolf Stodian an. „Kurzzeitig sind auch Vollsperrungen vorgesehen.“ Der Abschluss der Arbeiten ist Ende des Monats vorgesehen. Dann sollen laut Plan die Straßenbauer anrücken.

Wochenlange Verkehrseinschränkungen

8 Kilometer lang ist die von Sassnitz nach Hagen durch den Nationalpark Jasmund führende Straße, an deren Rändern ab der kommenden Woche rund 150 kranke Bäume, größtenteils Buchen, gefällt werden sollen.

Verkehrsteilnehmer müssen sich wochenlang auf Behinderungen einstellen. Während der Fällaktion wird die Straße abschnittsweise halb- und kurzzeitig voll gesperrt. Ab dem 31. des Monats ist die kurze Verbindung von Sassnitz nach Hagen dann komplett tabu. Dann beginnt der Straßenbau. Die Fahrbahn soll laut Plan bis 11. Mai erneuert werden. So lange wird die Straße voll gesperrt, der Verkehr über Sagard und Baldereck umgeleitet.

OZ

Von Udo Burwitz

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