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Archivar lüftet Geheimnis um den „Kathenstein“

Sassnitz Archivar lüftet Geheimnis um den „Kathenstein“

Der Sassnitzer Frank Biederstaedt hat die Geschichte des historischen Grenzsteins in der Stubnitz recherchiert

Sassnitz. Haben sich an der Stelle in der Stubnitz tatsächlich mal die Forstbeamten duelliert? Ein aus Granit geschlagener Stein mitten in der Stubnitz gibt Rätsel auf. „Um diesen Stein, der im Volksmund ’Kathenstein’ genannt wird, ranken viele Gerüchte“, weiß Frank Biederstaedt, Stadtarchivar in Sassnitz. Er hat Nachforschungen betrieben und war erfolgreich.

 

OZ-Bild

Der Sassnitzer Stadtarchivar Frank Biederstaedt zeigt den so genannten „Kathenstein“, ein historischer Grenzstein, der in der Stubnitz direkt an der durch den Nationalpark führenden Straße steht.

Quelle: Udo Burwitz

„Das Geheimnis um den Kathenstein ist gelüftet“, sagt er.

Die Spurensuche führt in den Nationalpark Jasmund. Frank Biederstaedt stoppt etwa auf halber Strecke zwischen Sassnitz und dem Baumhaus Hagen auf der Straße, die durch das Schutzgebiet führt. Nur wenige Meter von der Fahrbahn entfernt steht der so genannte Kathenstein im Wald. Der bearbeitete Granitstein hat die Form einer Stele und ist knapp einen Meter groß. Auf der Vorderseite sind oben die römische Ziffer VII sowie die Zahlen 11 und 10 eingraviert, darunter der Schriftzug „von Kathen, Oberförster“, und „Förster Böttcher“ sowie die Jahreszahl 1841. „Beide waren damals als Forstbeamte im Revier Werder tätig“, weiß Frank Biederstaedt.

Zurück in Sassnitz, zieht er aus dem Regal der gesammelten Werke zur Heimatgeschichte eine Broschüre. „Zur Geschichte von Sassnitz“ titelt sie, 1934 herausgegeben von Max Koch, einem Sassnitzer Fischer und Villenbesitzer, dessen Interesse der Heimatgeschichte galt. In Kochs Werk sei er über den Kathenstein „gestolpert“, erinnert sich Frank Biederstaedt. Der schrieb damals: „Man nimmt an, der gesetzte Stein rührt von einer Wegeverbesserung.“ Mit Mutmaßungen gibt sich der Stadtarchivar nicht zufrieden. „Wenn ich was nicht weiß, interessiert es mich umso mehr.“

Seinen Wissensdurst konnte Frank Biederstaedt in alten Zeitungen stillen. Für eine wissenschaftliche Arbeit studiert er zur Zeit in Archiven sämtliche Tageszeitungen, die von 1839 bis 1880 auf Rügen, in Stralsund und dem damaligen Pommern erschienen sind. „Da bin ich fündig geworden“, zeigt er eine Anzeige aus der Stralsunder Zeitung vom 15. April 1841. Eine „Bekanntmachung zur Verdingung und Setzung von 145 Stück Nummernsteine in den Forstbeläufen Hagen und Rusewase“. Genau diese Jahreszahl ist auch auf dem Kathenstein eingraviert, nennt es Frank Biederstaedt „einen Glücksfall“, dass die Stralsundische Zeitung damals jeden Monat Tabellen veröffentlichte, die über Forsteinschläge informierte, damit die Leute Bescheid wussten, wo sie sich Holz kaufen konnten. In so einer Anzeige fand er die auf der Vorderseite des Kathensteins eingemeißelten Zahlen – VII, 11, 10.

„Damit steht fest“, schlussfolgert Frank Biederstaedt: „Der Stein erinnert nicht an eine Wegeverbesserung, wie Max Koch vermutete. Und schon gar nicht an ein Duell. Es ist auch kein Grabstein für den Oberförster, wie auch angenommen wird, sondern ein historischer Grenzstein zur Reviereinteilung, der bereits vor 175 Jahren gesetzt wurde.“ Zu der Zeit führte die Preussische Forst Regie im Stubnitz-Wald. „Sie unterteilte die damals Forstbeläufe genannten Reviere Hagen und Rusewase in Schlag- und Querstreifen“, erläutert er. Das Ergebnis steht als Beispiel für preussiche Gründlichkeit.

„Es wurde ein Gitterraster über das Waldgebiet gelegt.“ Um die dadurch entstandenen Quadrate exakt zu finden, wurden sie mit solchen Steinen wie dem Kathenstein gekennzeichnet, auf denen die Nummern der jeweiligen Schlag- und Querstreifen auf Vorder- und Rückseite eingraviert wurden.

Von diesen Steinen gibt es nicht mehr viele. Frank Biedestaedt kennt noch zwei weitere. „Einer steht am Grenzdamm in der Stubnitz, der andere kurz vor dem Lenzer Bach.“ Der Kathenstein sei wegen der eingravierten Namen aber ein besonderer. Dass das Försterduell ins Reich der Mythen gehört, kann der Stadtarchivar auch an anderen Dokumenten aus der Zeit beweisen. Die belegen, dass Oberförster von Kathen dieses Amt bis 1842 im Revier Werder inne hatte. Förster Böttcher streifte sogar bis 1876 durch sein Revier Rusewase und wurde gut 82 Jahre alt.

Ein „Geheimnis“ bleibt: Warum wurde den beiden Forstbeamten mit dem Eingravieren ihrer Namen auf dem Kathenstein ein Denkmal gesetzt? Frank Biederstaedt vermutet, dass sich beide bei der vorgenommenen Reviereinteilung in Schlag- und Querstreifen selbst verewigt haben. „Entweder ist der Kathenstein der erste, der bei dieser Einteilung gesetzt wurde oder er erinnert an deren Abschluss.“

Unterteilung der Forstreviere

145 Nummernsteine wurden 1841 bestellt und mit ihnen das riesige Forstrevier Werder auf Jasmund in kleine Gebiete unterteilt, um den Wald effizienter bewirtschaften zu können. Damals zeichnete die Preussische Forst dafür verantwortlich und nahm eine streng geometrische Einteilung des Reviers in so genannte Schlag- und Querstreifen vor.

Im Ergebnis wurde das Revier mit den Steinen (der Kathenstein gehört dazu) in kleinere Quadrate unterteilt.

10 Jahre hatte diese, streng geometrische, Reviereinteilung etwa Bestand. Bereits in den 1850er Jahren wurde sie durch eine neue Unterteilung in Jagen abgelöst. Die hatten nicht mehr die Form von Quadraten. Bei dieser Unterteilung orientierten sich die Forstbeamten an natürlichen Gegebenheiten wie Bachläufe, Wege und markante Höhenzüge.

Heute ist das Revier in so genannte Forstabteilungen gegliedert.

Udo Burwitz

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