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Bauboom geht Rüganern gegen den Strich

Sassnitz Bauboom geht Rüganern gegen den Strich

Das Rennen um immer mehr Betten beunruhigt viele Insulaner / Künftiges Rügen-Forum soll Diskussionsplattform bieten

Sassnitz. Ist Rügen noch zu retten? Und wenn ja, wie und durch wen? Braucht die Insel mehr Ferienwohnungen und Gäste oder kommt sie auch mit weniger aus? Dass viele Insulaner die Entwicklung Rügens beunruhigt, hat Jan Feddersen und Julia Boek positiv überrascht. „Wir sind auf das Angenehmste schockiert“, sagten die Taz-Redakteure angesichts des großen Zuspruchs, die die von ihnen organisierte Diskussionsrunde im Sassnitzer Grundtvighaus zur Zukunft der Insel am Mittwochabend fand.

 

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Die jetzige Entwicklung von Prora habe ich so nicht gewollt.“Ursel Steinberg, frühere Vorsitzende des Ortsbeirats

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Viele ältere Gäste sagen, es ist nicht mehr schön hier.“Heinz Borchert, Prora, Gemeindevertreter in Binz

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Wenn wir Qualität wollen, müssen wir ein lebenswertes Umfeld schaffen.“Nils Peters, Bäckermeister und Stadtvertreter in Sassnitz

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Viele ältere Gäste sagen, es ist nicht mehr schön hier.“Heinz Borchert, Prora, Gemeindevertreter in Binz

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Die jetzige Entwicklung von Prora habe ich so nicht gewollt.“Ursel Steinberg, frühere Vorsitzende des Ortsbeirats

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Wenn wir Qualität wollen, müssen wir ein lebenswertes Umfeld schaffen.“Nils Peters, Bäckermeister und Stadtvertreter in Sassnitz

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Schon als Kind, erzählte der aus Hamburg stammende Feddersen, der den Abend moderierte, sei ihm die westdeutsche Ostseeküste „gruselig“ erschienen: viel Beton, viel Verkehr, wenig Wertschöpfung. Und auch auf Rügen scheine es seit der so genannten Wende offenbar nur um „Tonnage“ zu gehen, um immer mehr Gäste, immer mehr Autos. Jedes Jahr beginne das „Rennen um noch mehr Betten“ in fast jeder Gemeinde der Insel aufs Neue, klagt der Sassnitzer Gerd Löffler. Immer mehr Einheimische sind der Meinung, dass es so nicht weitergehen kann. Der Massenbetrieb schreckt vor allem ältere Gäste ab, hat der Binzer Gemeindevertreter Heinz Borchert beim Ducksteinfestival erfahren: „Viele Gäste sagen, es ist nicht mehr schön hier.“

Ines Schäfer kann das verstehen. Seit 30 Jahren lebt sie auf Rügen und verfolgt die Entwicklung mit Sorge. Die Gäste kämen doch nicht wegen der Hotels, die dicht an dicht stünden, sondern wegen der Natur und der Landschaft. Das Wachstum habe nun mal Grenzen, gerade auf einer Insel. „Oder wollen wir wie in den Emiraten noch Sand ins Meer schütten und darauf weiter bauen?“

Der aktuelle Bauboom geht offenbar vielen Rüganern gegen den Strich. „Viele Leute denken, sie müssten angesichts der Zinspolitik ihr Geld in Sicherheit bringen und setzen auf Immobilien“, so Christian Schmidt von der Bürgerinitiative „Bewahrt Lohme“, die sich gegen ein dort geplantes touristisches Großprojekt wehrt. Es gäbe inzwischen eine Stimmung unter den Rüganern, nicht mehr alles mitzumachen, hat Kerstin Kassner erfahren. Doch der Druck auf die Gemeinden durch Bauwillige sei enorm, weiß die Bundestagsabgeordnete und frühere Rügener Landrätin. „Wir müssen uns dem in den Weg stellen, damit Rügen auch in Zukunft noch attraktiv ist!“, forderte sie, wohlwissend, dass die einzelne Gemeinde dem Druck oft nicht standhalte. Und wenn, dann werde der Gemeindewille durch den Kreis ersetzt, monierte der Binzer Bürgermeister Karsten Schneider. In dem Ostseebad sei in der zurückliegenden Zeit eine Ablehnung von Bauanträgen oft durch den Kreis „ersetzt“ und eine Genehmigung erteilt worden. Und fast immer war das, was auf den Grundstücken entstand, größer als das ursprüngliche Gebäude.

Wie auch auf dem Gelände der früheren Schule in Prora, wo ein Hochhaus entstehen soll. Das, so der zuständige Architekt Axel Drebing, gelte leider vielen als Inkarnation des Baubooms auf Rügen. Doch nicht allein deshalb lehnen es viele ab. Das 104 Meter hohe Gebäude wäre die Steigerung des von den Nazis in Prora geschaffenen Größenwahns, sagte Ines Schäfer. Florian Hoffmann vom WWF kann die Argumentation des Architekten nicht nachvollziehen: Der jetzige Bau sei von der Wasserseite aus hinter den Bäumen kaum zu sehen. „Aber die Vertikale des geplanten Hochhauses würde das Landschaftsbild komplett zerreißen.“ Braucht die Seele Rügens einen „Wohnturm“, um den NS-Unsinn zu konterkarieren?, fragte Frieder Jelen vom Verein Insula Rugia. Und wo bleiben bei all den Entwicklungen die Rüganer?, wollte Bäckermeister Nils Peters wissen. Es sei an der Zeit, Rügen-Marketing nicht nur nach außen zu betreiben und mehr Gäste anzulocken, sondern auch die Insulaner einzubeziehen: „Wenn wir Qualität wollen, müssen wir ein lebenswertes Umfeld schaffen.“

Darauf hatte Ursel Steinberg gehofft, als sich die frühere Vorsitzende des Ortsbeirats Prora für den Erhalt und die Entwicklung der Blöcke in Prora stark machte und gegen einen Abriss aussprach.

Heute zweifelt die Proranerin an der Richtigkeit ihrer Entscheidung: „Die jetzige Entwicklung habe ich nicht gewollt“, heißt es in einem schriftlich vorgelegten Beitrag zu dem Forum am Mittwoch, „schon gar nicht die vielen Schlagbäume und Absperrungen, auch nicht das Abholzen der Bäume und das Zertreten der Dünen, die unsere Deiche sind.“

„Die Rüganer müssen selbst sagen, was sie wollen“, forderte Kerstin Kassner zur Beteiligung an einem Rügen-Forum auf. Unter der Federführung von Insula Rugia sollen die Gemeinden dort über die weitere Entwicklung, neue Projekte und notwendige Maßnahmen beraten. Vielleicht, so der Rat von Moderator Jan Feddersen, sollten die Vertreter des Gremiums zuallererst mal nach Grömitz fahren – um sich einmal den möglichen „Horror“ anzusehen.

Maik Trettin

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