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Sassnitz Brückentest mit Technik und Gefühl

Karlsruher Ingenieure erprobten neues Prüfverfahren an den Stahlseilen der Sassnitzer Hängebrücke

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Mit einem Hammer sorgt Ingenieur Steffen Siegel vom Karlsruher Institut für Technologie für die Schwingungen an den Stahlseilen der Sassnitzer Hängebrücke. Der am Seil angebrachte Sensor misst die Frequenz. Fotos (2): Maik Trettin

Sassnitz. Es sieht aus, als würde sich der junge Mann vergeblich bemühen, auf den Seilen der Sassnitzer Hängebrücke zu musizieren. Wieder und wieder klopft Steffen Siegel mit einem Hämmerchen gegen die Stahltrosse der kühnen Konstruktion, die Stadt und Hafen für Fußgänger verbindet. Auch wenn das Prinzip ähnlich sein mag: Um den Klang geht es dem Bauingenieur in diesem Fall überhaupt nicht. Gemeinsam mit der Studentin Anna Gidt testet er an der Sassnitzer Brücke ein neues Prüfverfahren zur Brückenstatik.

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Karlsruher Ingenieure erprobten neues Prüfverfahren an den Stahlseilen der Sassnitzer Hängebrücke

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Entwickelt wurde es von Unternehmen gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie, an dem Steffen Siegel als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig ist: Hochempfindliche Sensoren werden auf dem Seil angebracht und messen die Frequenzen, die nach einem leichten Schlag auf das Seil entstehen. Sind die Drähte, an denen die Brücke hängt, marode, lässt sich das anhand veränderter Werte erkennen.

Ausprobiert haben Siegel und seine Kollegen das Reso-Cable-Verfahren schon an verschiedenen Brückenbauten im Südwesten des Landes. Dass sie damit nach Sassnitz kommen, begründet er zum einen mit der Masterarbeit, in der sich die angehende Bauingenieurin Anna Gidt dem hiesigen Brückenbauwerk widmet, andererseits mit der Besonderheit dieser Konstruktion, die die Karlsruher Tester gereizt hat.

Und in der Tat ist einiges anders, als sie es sich vorgestellt haben. „Den Sensor müssten wir möglichst frei auf dem Seil anbringen, wenigstens einen Meter vom Anker entfernt“, sagt der Bauingenieur.

Doch so weit kommt man von der Brücke aus an viele Seile gar nicht heran. Andere sind viel zu kurz, als dass die Messung sinnvoll wäre. Dazu kommt, dass die Edelstahlseile nicht magnetisch sind, der Sensor genau auf diese Art befestigt wird. Steffen Siegel improvisiert und bindet das Gerät mit kleinen Spanngurten fest. Letztlich können er und Anna Gidt nur die Frequenzen an zehn von 28 Hängeseilen überprüfen.

Das Ergebnis bestätigt, dass die turnusgemäße Brückenprüfung, die zuletzt vor einem Jahr auf traditionelle Weise, also durch bloße Besichtigung durch Fachleute, stattfand: Die Statik der 2007 errichteten Brücke ist nach wie vor tadellos. Die Idealwerte der Frequenzmessung haben die Ingenieure rechnerisch ermittelt. Die vor Ort gemessenen Frequenzen stimmen fast haargenau mit den theoretisch bestimmten überein. 100 Sekunden lang hat Steffen Siegel immer wieder mit dem Hammer auf das Seil geklopft. Dann geht er zu seiner Kollegin, die neben ihm mit dem Computer steht und das sich dort aufbauende Diagramm verfolgt. Theoretisch müsste die Frequenz am eben geprüften Seil bei 30 Hertz liegen. Bauingenieur Siegel guckt zufrieden vom Computerbildschirm auf: „Passt, wir haben hier 28.“

Leichte Abweichungen werde es immer geben, unter anderem durch Witterungseinflüsse. Wie die sich auf die Messungen auswirken, untersucht Anna Gidt in ihrer Abschlussarbeit. „Es geht unter anderem um den Einfluss von Wind und Temperatur“, erklärt sie. Wenn zum Beispiel die Sonne mit voller Kraft auf die Stahlaufhängung scheine, erwärme sich selbstverständlich auch ein Seil. Wie das bei den Messungen zu berücksichtigen ist, will die Studentin mit ihren Forschungen klären.

Bei aller Messtechnik und Berechnung: „So ganz ohne Gefühl funktioniert auch dieses Verfahren nicht“, sagt Steffen Siegel. Unzählige Faktoren spielten da hinein, für die man bei der Wertung ein Gespür entwickeln muss. Die Karlsruher Ingenieure haben die jetzt erfassten Werte gespeichert und wollen sie mit denen der folgenden Messungen vergleichen. Denn sie werden ganz bestimmt wieder nach Sassnitz kommen und die Brücke untersuchen. „Dann aber mit einem Hubsteiger“, sagt Steffen Siegel schmunzelnd.

Bauwerk in tadellosem Zustand

1,9 lautet die Bewertung , mit der die Sassnitzer Fußgängerbrücke die offizielle Prüfung durch Experten im vergangenen Jahr bestand.

Die Prüfer hatten an der Statik und dem Zustand der Materialien nichts auszusetzen, die Brücke sei in einem tadellosen Zustand, sagte Carsten Schwarzlose vom Sanierungsträger BIG Städtebau. Moniert wurde lediglich das Anbringen eines Anfahrschutzes an den Stützen im unteren Bereich des Bauwerks. Der soll verhindern, dass die Stützrohre durch ein Fahrzeug beschädigt und aufwändig ausgetauscht werden müssen. Im ursprünglichen Entwurf war ein solcher Schutz für die Träger nicht vorgesehen.

Maik Trettin

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