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Denkmal Altstadt: Mehr Schutz oder Restriktion?

Sassnitz Denkmal Altstadt: Mehr Schutz oder Restriktion?

Rund 40 Sassnitzer diskutierten mit Verwaltungsspitze über eine Ausweisung des historischen Viertels als Flächendenkmal

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„Wir wollen einen Weg finden, um Bausünden zu verhindern. Mit der Ausweisung der Altstadt als Flächendenkmal würden unseren Kommunalpolitikern zum Teil Entscheidungen aber aus der Hand genommen werden.Frank Kracht, Bürgermeister

Sassnitz. Mehr Schutz für die Wiege von Sassnitz: Das fordert die Bürgerinitiative „Ein Herz für die Altstadt“. Vor gut zwei Jahren formiert, machen sich deren Mitglieder für eine Ausweisung des historischen Ensembles als Flächendenkmal stark. Jetzt werden sich Bürgerinitiative und Kommunalpolitik an einen Tisch setzen, um dieses Vorhaben genau auszuloten.

OZ-Bild

Rund 40 Sassnitzer diskutierten mit Verwaltungsspitze über eine Ausweisung des historischen Viertels als Flächendenkmal

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Das ist das Ergebnis einer Einwohnerversammlung, zu der Bürgermeister Frank Kracht am Mittwoch die Initiative, Altstadt-Bewohner und Hafenstädter geladen hatte. Was bringt eine Ausweisung als Flächendenkmal – mehr Schutz oder mehr Restriktionen? Rund 40 Sassnitzer waren gekommen, um darüber gemeinsam mit der Verwaltungsspitze zu diskutieren.

„Die Ausweisung der Altstadt als Flächendenkmal wäre eine zusätzliche Sicherheit, um das Ensemble zu schützen“, begründete Jörg Piecha, selbst Anwohner der Altstadt und Mitglied der Bürgerinitiative, deren Vorstoß. Die Initiative habe sich an die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises gewandt und die entsprechende Ausweisung beantragt, informierte er. Die Initiative sieht in diesem Status ein wirksames Mittel, um „Wildwuchs“ und „Bausünden“ in dem historischen Viertel zu verhindern. „Vor allem bei Neubauten“, betonte Jörg Piecha.

Genau so ein Neubau-Projekt bildete den Auslöser zur Gründung der Bürgerinitiative. Nach Abriss des Altgebäudes in der Marktstraße 7 stellte die Abacus-Gruppe vor gut zwei Jahren ihre Neubaupläne für die entstandene Lücke und angrenzende Bereiche der Bergstraße vor. Den Plänen nach sollte ein aus mehreren Zwei- bis Viergeschossern bestehender Komplex dort hochgezogen werden. Zu massiv, monierten damals sogar Mitglieder des Sassnitzer Bauausschusses (die OZ berichtet). „Aufhorchen ließ uns damals die Aussage der für das Sanierungsgebiet zuständigen Stadtplanerin, dass sie mit diesen Plänen mitgehen konnte“, erinnerte Jörg Piecha. Das sei Anlass gewesen, die Initiative ins Leben zu rufen. Rund 45 Altstadt- Bewohner und Grundstückseigentümer hätten sich in die Gründungsliste eingetragen.

„Wir sind dankbar für das viele Fördergeld, das in den zurückliegenden Jahren in die Altstadt geflossen ist“, betonte Jörg Piecha. Seit Alt-Sassnitz Anfang der 1990er Jahre als Sanierungsgebiet ausgewiesen wurde, sind -zig Millionen Euro in Villen im Bäderstil, Gassen und Plätze des historischen Viertels investiert worden. Dadurch hätten die Grundstücke eine Aufwertung erfahren, von der nicht nur die Anwohner profitieren. „Sondern die gesamte Stadt. Denn Alt-Sassnitz ist einer von zehn Punkten, die Gäste nach Sassnitz locken“, klassifizierte Piecha das historische Viertel als eines der touristischen Aushängeschilder der Hafenstadt. Doch im Sanierungsgebiet Altstadt wird zum Finale geblasen. „Kurz vor Abschluss sehen wir die Gefahr, dass die aufgewerteten Grundstücke wieder geschädigt werden könnten.“ Diese Gefahr machte er an Neubauvorhaben wie dem erwähnten fest. Mit einer Ausweisung der Altstadt als Flächendenkmal könnte der wirksam begegnet werden.

„Wir wollen uns Entscheidungen nicht aus der Hand nehmen lassen“, hielt Frank Kracht dagegen. Noch lägen die bei der Kommunalpolitik der Stadt. „Wir haben eine gültige Sanierungssatzung für die Altstadt. Zudem gibt es eine Gestaltungs- und Erhaltungssatzung“, erläuterte Bauamtsleiterin Claudia Klemens. In diesen Satzungen sei eindeutig festgelegt, was und wie gebaut werden dürfe. „Sämtliche Bauvorhaben werden vom Bauausschuss geprüft, ob sie der Sanierungsrichtlinie entsprechen. Über dessen Entscheidung darf sich die Baubehörde des Landkreises nicht hinwegsetzen“, ergänzte Frank Kracht.

Bei einer Ausweisung des Viertels als Flächendenkmal, für die er Kosten von rund 15000 Euro veranschlagte, käme die Denkmalschutzbehörde als Entscheidungsträger hinzu, gab er zu bedenken. „Und nicht nur im Falle von Neubauten, sondern auch, wenn es am Altbestand um neue Türen und Fenster geht.“ Der Bürgermeister befürchtet, dass sich Bau- und Sanierungsvorhaben dadurch stark verzögern würden. Zudem wäre der Kommune ein Teil Entscheidungsgewalt genommen.

Einwurf aus dem Publikum: „Wenn die Kommune bislang allein entschieden hat, wundert es mich, dass solche Klötze wie die Ostseeresidenz entstehen konnten.“ Der moderne Neubau, der nach dem Abriss des ehemaligen Wiener Cafés am Fuße der Altstadt entstanden ist, wird nicht nur von Alt-Sassnitzern als „Bausünde“ empfunden.

„Im Nachhinein muss eingeräumt werden: Es war ein Fehler, dass wir für den Abriss des ehemaligen Wiener Cafés und den Neubau der Ostseeresidenz die sanierungsrechtliche Genehmigung erteilt haben“, gab Stefan Grunau, langjähriges Mitglied der Stadtvertretung und im Bauausschuss, zu. Statt einer Ausweisung der Altstadt als Flächendenkmal hielt er es für besser „aus Fehlern zu lernen“. „Wir müssen die uns zur Verfügung stehenden Instrumentarien der Entscheidung nur systematisch und mit brachialer Gewalt anwenden“, nahm er dabei Privatinvestoren ins Visier, „die nach dem Vermarkten ihrer gebauten Eigentumswohnungen wieder weg sind.“

Welche Vor- und Nachteile ein Flächendenkmal bringt, soll jetzt im Bauausschuss mit Mitgliedern der Bürgerinitiative und Vertretern der Denkmalschutzbehörde des Kreises unter die Lupe genommen werden. Die hatte ihre angekündigte Teilnahme zur Einwohnerversammlung kurzfristig abgesagt.

Millioneninvestition

24 Millionen Euro wurden seit Ausweisung des Sanierungsgebietes Altstadt im Jahr 1991 in Alt-Sassnitz innerhalb des Programms der Städtebauförderung bereits investiert. Als nächstes soll der Kurplatz neu gestaltet werden.

Über die von der Bürgerinitiative angestrebte Ausweisung der Altstadt als Flächendenkmal hat die Stadtvertretung zu entscheiden. In Sassnitz gibt es bereits ein Flächendenkmal. Als solches wurden die in den 50er Jahren entstandenen Bauten rund um das Stubnitz-Kino, Seemannsheim und entlang der Stralsunder Straße (bis Netto) ausgewiesen.

UDO BURWITZ

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