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Axel Poggendorf ist Apotheker aus Leidenschaft / Und bei dieser geht es um mehr als nur Pillen

Bergen. Wenn seine drei Kinder durch die Apotheke sausen, erinnert sich Axel Poggendorf gern an die Zeiten, in denen er als kleiner Junge durch das Geschäft seiner Eltern flitzte. Kam er vom Kindergarten nach Hause, lernte er das Alphabet anhand der alten Arzneimittelschubladen. Auch an zahlreiche Experimente seines Vater im Labor mit viel „Knall und Rauch“

 

OZ-Bild

Apotheker Axel Poggendorf (46) mit altem Handwerkszeug: Messingmörser und Pistill aus dem Jahre 1764. Beides bekam er vor mittlerweile zehn Jahren von seiner Mutter Edith als Symbol der Übergabe der Verantwortung in seine Hände.

Quelle: Foto: Steffi Besch

denkt er noch immer mit leuchtenden Augen zurück. Wie der 46-Jährige sind alle Poggendorfs Pharmazeuten aus Leidenschaft. Eine berufliche Familientradition, die mittlerweile über 300 Jahre währt.

In die Rugard-Apotheke, die es aktuell seit 50 Jahren gibt, verschlug es die Familie von Axel Poggendorf in den 80er Jahren. Damals war es das Pharmazeutische Zentrum im Inselzentrum – zuständig für die Herstellung regional zu verbrauchender Medikamente. Mutter Edith und Vater Dr. Andreas Poggendorf waren hier seit dem Umzug nach Rügen tätig. Unten gab es das Geschäft, in der ersten Etage die Produktion, in der zweiten befand sich die zentrale Buchhaltung für alle Apotheken auf der Insel.

Nach der Wende hatten Poggendorfs eine Entscheidung zu fällen. Die Treuhand bot ihnen an, das Objekt zu erwerben. „Eine mutige und finanziell riskante“, sagt Sohn Axel rückblickend. Aber die richtige. 1993 eröffneten die Eltern zudem die Billroth-Apotheke im Bergener City-Center.

Er selbst stieg 2006 ins Familienunternehmen ein. 2004 kehrte er nach dem Studium der Pharmazie in Greifswald und Aufenthalten in Oldenburg, Hamburg und Berlin, wo er „auch mal über den Tellerrand schaute, um Berufserfahrungen zu sammeln“, zurück. Aber nicht nur mit seiner Approbation in der Tasche, sondern auch mit Ehefrau Solvig, die heute die Billroth-Apotheke leitet.

Für die junge Apothekergeneration hat sich an der Liebe zum Beruf und ihrem Bewusstsein über die Verantwortung gegenüber den Patienten und Kunden aber nichts geändert. „Die Kommunikation, Rezepturen und die Arbeit im Labor sowie die moderne Lagerwirtschaft gestalten zusammen genommen unsere Arbeit zu einer sehr facettenreichen. Wenn man mit Menschen arbeiten darf und ihnen auch noch helfen kann, ist das wirklich sehr erfüllend“, erzählt Axel Poggendorf in seinem Büro. Das ist mit historischen Aufnahmen des Hauses sowie Waagen, Mörsern, Reagenzgläsern und Nachschlagewerken dekoriert. Von dort aus hat er die kuriose 61-Minuten Turmuhr der Bergener Marienkirche im Blick.

Hauptaufgabe des Apothekers sei es auch heute noch, die Gesundheit zu erhalten beziehungsweise möglichst zuverlässig, ehrlich und offen zu beraten. Ebenso sei er Schnittstelle zwischen Ärzten, Krankenkassen, Pflegediensten und Patienten. Wichtig ist es dem Kreisvertrauensapotheker vor allem, ein verlässlicher Ansprechpartner vor Ort zu sein. Poggendorf beobachte zunehmend, dass in Zeiten der Globalisierung und Überinformation das Gespräch und die persönliche individuelle Beratung wieder mehr gesucht würden.

Neben der Abgabe von verschreibungspflichtigen und frei verkäuflichen Medikamenten von Voltaren bis Dobendan hat sich die Poggendorfsche Apotheke auf weitere Angebote spezialisiert. „Unsere Mitarbeiter der Rugard-Apotheke sind nicht nur Pharmazeuten beziehungsweise Pharmazeutisch-Technische Assistenten, sondern verfügen auch über Zusatzqualifikationen zum Beispiel als Heilpraktiker oder im Umweltbereich. Wir führen unter anderem Wohnraum-, Brunnenwasser- oder Bodenanalysen durch“, sagt Axel Poggendorf.

Auch die Haarmineralstoffanalyse habe schon etlichen Patienten weitergeholfen. Diese komme ursprünglich aus der Kriminalistik und decke Mineralstoffmangel und -überschuss oder Giftstoffe im Körper auf. Die Apotheker finden Wege, unter anderem mit homöopathischen Mitteln, diese Stoffe aus dem Körper zu leiten. „Wir hatten zum Beispiel schon Fälle, wo ein Mann als Metallbauer auf der Werft arbeitete und mit der kompletten Schwermetallpalette aus Legierungen und Materialien am Arbeitsplatz aufwartete.“ Diese Belastung könne neben schwerwiegenden anderen Problemen auch zu Vergesslichkeit führen. „Manche Menschen dachten schon, sie litten an Alzheimer“, sagt Axel Poggendorf. Allerdings, so macht der Apotheker deutlich, seien diese Leistungen vom Kunden selbst zu bezahlen. Ein Umdenken der Krankenkassen erfolge aber allmählich.

Bei der Wohnraumanalyse, bei der die Raumluft analysiert, der Hausstaub gemessen und Materialproben genommen würden, spüren er und seine Kollegen Schadstoffe aus Baumaterialien, Schimmelpilzsporen und unter anderem auch Formaldehyd auf. Eine Hauptursache für Rachenkrebs. Doch weitaus öfter kommen die Mitarbeiter nach wie vor bei Knochendichtemessungen, Blutdruck- und Blutzuckermessungen zum Einsatz und arbeiten so den Ärzten der Region zu.

Voller Überzeugung spricht Axel Poggendorf in diesem Zusammenhang von einer weiteren Innovation seines mittlerweile seit 50 Jahren existierenden Hauses: der Rügen Kosmetik. Seit 25 Jahren stellt die Rugard-Apotheke Cremes, Lotionen und Co. aus zertifizierter Bio-Stutenmilch von der Insel Ummanz her. Diese enthalte unter anderem Lysozym, ein biologisches Mittel gegen Entzündungen. Das sei vor allem für Leute zum Beispiel mit Neurodermitis gedacht, die auf Cortison verzichten möchten. Aber auch bei trockener und gereizter Haut entfalte Lysozym seine wohltuende Wirkung .

Eine Apotheken-Geschichte

Die Geschichte des Bergener Apothekenwesens reicht weit zurück. Bereits 1695 versorgte die „Alte Apotheke“ Menschen auf der Insel Rügen mit Pillen, Salben und Wässerchen aller Art. Später wurde das Haus in „Löwen- Apotheke“ umbenannt.

Im Jahre 1789 öffnete die „Neue Apotheke“. Das Gebäude Am Markt 26 war Mitte der 1960er Jahre so marode, dass es komplett abgerissen wurde.

Den Abriss übernahm damals die Feuerwehr. Die machte aus der Aktion gleich eine Katastrophenübung.

1967 , also vor genau 50 Jahren, wurde der Neubau mit dem Namen Rugard-Apotheke eingeweiht. In den achtziger Jahren leiteten Dr. Andreas und Edith Poggendorf das so genannte Pharmazeutische Zentrum und kauften das Gebäude nach der Wende von der Treuhand. Seit mittlerweile zehn Jahren führt ihr Sohn Axel Poggendorf die größte Apotheke der Insel Rügen.

Das Haus zwischen der Post und dem ehemaligen Hotel Rügener Hof präsentiert sich heute als ein Gesundheitszentrum, das die Apotheke, ein Sanitätshaus, eine Gesundheitsakademie sowie verschiedene Ärzte unter einem Dach vereint.

Steffi Besch

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