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Diagnose Krebs: Verein gibt Lebensmut

Sassnitz Diagnose Krebs: Verein gibt Lebensmut

Rügener Frauenselbsthilfegruppen beteiligen sich morgen an bundesweiter Jubiläumsaktion: Ich zieh’ den Hut

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Chapeau! Der Sassnitzer Bürgermeister Frank Kracht zieht anlässlich des 40. Jubiläums der Frauenselbsthilfe nach Krebs den Hut vor Betroffenen und den in der Selbsthilfe Aktiven.

Quelle: Stadtverwaltung

Sassnitz. Bürgermeister Frank Kracht hat – bildlich gesprochen – im Sassnitzer Rathaus zwar den Hut auf, kommt in der Regel aber ohne Kopfbedeckung zum Dienst. Jetzt hat er trotzdem zum Hut gegriffen. Er steht im Rathaus vor einer großen Leinwand auf der zu lesen ist: Ich zieh’ den Hut! Frank Kracht lüftet die Kopfbedeckung und sagt: „Chapeau!“ Der Sassnitzer Bürgermeister geht mit gutem Beispiel voran. Er beteiligt sich mit dieser Geste an einer großen Jubiläumsaktion namens „Ich zieh’ den Hut“, die der Bundesverband der Frauenselbsthilfe nach Krebs anlässlich seines 40-jährigen Bestehens deutschlandweit initiiert. Auch die Selbsthilfegruppen auf Rügen machen mit und präsentieren sich morgen im Stadthafen Sassnitz.

„Tolles Wetter. Das passt. Ich hoffe es hält“, sagt Martina Albrecht. Die Stimme klingt fest, freudig und energiegeladen. Dabei hat die 57-Jährige gerade erst eine große Chemotherapie hinter sich.

„Ich bin im vergangenen Jahr an Krebs erkrankt“, sagt die Bergenerin. „Schon zum vierten Mal ist die Krankheit bei mir ausgebrochen.“ Mit 39 Jahren erkrankte sie das erste Mal. „Ich saß da und habe es überhaupt nicht registriert. Die Schockdiagnose Krebs war wie eine Leuchtreklame, deren Botschaft nicht in meinen Kopf wollte“, erinnert sie. So ähnlich ergehe es wohl allen Betroffenen. Und alle haben eine Frage: Habt ihr nicht jemanden, der Erfahrung damit hat? Inzwischen hat Martina Albrecht nicht nur die Antwort auf diese Frage gefunden. Sie gehört der Frauenselbsthilfegruppe nach Krebs in Bergen an, die aktuell Anlaufpunkt für 20 Betroffene ist. Mit denen teilt die Bergenerin nicht nur seit Jahren ihre persönlichen Erfahrungen. Seit 2006 leitet sie die Selbsthilfegruppe auch.

„Wir reden nicht nur über die Krankheit“, betont die 57-Jährige und bringt das Anliegen der Selbsthilfegruppe kurz und prägnant auf den Punkt: „Auffangen, informieren, begleiten.“ Die Krankheit stehe dabei nicht im Vordergrund, pflichtet Constanze Graf bei, die seit mehr als elf Jahren ehrenamtlich in der Selbsthilfegruppe in Sassnitz aktiv ist und diese leitet. „Auch wenn man krank ist, kann man lachen.“ Das komme bei den regelmäßigen Zusammenkünften der aktuell 30 Betroffenen in der Selbsthilfegruppe der Hafenstadt nicht zu kurz. „Wir tauschen nicht nur Erfahrungen aus oder hören uns Fachvorträge an. Wir gehen gemeinsam auch ins Theater oder unternehmen Ausflüge“, so Constanze Graf. Ihre Bergener „Amtskollegin“ kann das nur bestätigen. „Unsere Gruppe hat gerade erst die Landesgartenschau in Eutin besucht. Einige fahren regelmäßig zum Schwimmen in die Halle nach Neddesitz und einmal im Monat kegeln wir zusammen in Bergen“, so Martina Albrecht.

„Oft wissen Betroffene oder deren Angehörige, die ebenso wie Männer in unseren Gruppen willkommen sind, aber gar nicht, dass es uns gibt“, stimmen beide überein. Nicht jeder Arzt gebe nach der Schockdiagnose den Hinweis, dass diese Gruppen ein Anlaufpunkt sind und Unterstützung geben. Dafür ergreifen beide Frauen die Initiative. Sie packen Info-Broschüren, Hut und Kamera ein. „Unsere Selbsthilfegruppen beteiligen sich morgen im Sassnitzer Stadthafen an der Hut-Aktion zum 40. Jubiläum des Bundesverbandes. Wir wollen am Molenfuß über unsere ehrenamtliche Arbeit informieren und mit den Leuten ins Gespräch kommen“, kündigt Martina Albrecht an. Mit einem Stand werden die Gruppen präsent sein und an dem auch jene Leinwand aufziehen, vor der sich Bürgermeister Frank Kracht bereits ablichten ließ mit symbolträchtiger Geste: Ich zieh’ den Hut! „Wir hoffen, dass sich viele ablichten lassen, damit wir von Rügen viele Fotos beisteuern können für die Hut-Aktion. Schließlich hat sich der Bundesverband vorgenommen, deutschlandweit mindesten 4000 Menschen zu fotografieren, die den Hut ziehen“, stellt Martina Albrecht angesichts der lachenden Sonne schon mal Blende 8 ein.

Hut-Aktion

4000 Menschen will der Bundesverband der Frauenselbsthilfe nach Krebs innerhalb der zu seinem 40-jährigen Bestehen initiierten Aktion „Ich zieh’ den Hut“ deutschlandweit ablichten. Mit dieser Geste können die Leute ihre Solidarität mit Betroffenen bekunden und dem Engagement der Ehrenamtler in der Selbsthilfe ihre Anerkennung zollen.

Die Fotos aller Hutziehenden werden (mit Einverständnis) bei der Jubiläumsfeier des Bundesverbandes im August in Magdeburg auf einer großen Leinwand gezeigt. 2Frauenselbsthilfegruppen nach Krebs gibt es auf Rügen: in Bergen und in Sassnitz. Letztere ist die älteste in MV, sie wurde 1990 gegründet.

Die Gruppen präsentieren sich morgen in der Zeit von 11 bis 15 Uhr am Molenfuß im Sassnitzer Stadthafen. Dort haben dann auch Insulaner und Gäste die Möglichkeit, den Hut zu ziehen und sich ablichten zu lassen.

Udo Burwitz

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