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Fast nicht mehr lesbar: Namen der Kriegstoten in Martinshafen

Martinshafen Fast nicht mehr lesbar: Namen der Kriegstoten in Martinshafen

Inselverband der Kriegsgräberfürsorge will Inschriften auf Grabplatten erneuern lassen

Martinshafen. „Unbekannt“ steht auf einer Grabplatte der Kriegsgräberstätte Martinshafen. Von drei der 32 Toten, die in der Anlage in dem kleinen Wäldchen neben dem Hafen am Großen Jasmunder Bodden in Martinshafen am Ende des Zweiten Weltkrieges ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, sind die Namen nicht bekannt. Die aller anderen Frauen und Männer, die hier bestattet wurden, schon. Doch wer der Kriegstoten gedenken will, bekommt auf dem Gräberfeld den Eindruck, die hier bestatteten hätten ihre Namen verloren. Die auf den Grabplatten sind nämlich total verwittert und kaum noch lesbar. „Das wollen wir ändern“, kündigt Wilhelm Hacker, Vorsitzender des Regionalverbandes Rügen der Kriegsgräberfürsorge an.

Dunkle Schauerwolken jagen über die von einem so genannten Jägerzaun umfriedete und von Kiefern umgebene Kriegsgräberstätte. Wer Ingrid Vetter die Ehre erweisen will, muss auf Sonne warten und an der Granitplatte ihrer Ruhestätte auf die Knie gehen. Nur im schräg einfallenden Sonnenlicht sind ihr Name und das Sterbedatum, 17. Mai 1945, zu entziffern. Denn die auf die Gravur schräg auftretenden Sonnenstrahlen projizieren einen Schattenriss der einzelnen Buchstaben und Zahlen. „Wider des Vergessens“, sagt Wilhelm Hacker. „Das Vermächtnis ist kein namenloses.“ Soll es auch nicht in Martinshafen sein. „Deshalb hat sich der Regionalverband Rügen der Kriegsgräberfürsorge die Erneuerung der Inschriften auf den 30 Grabplatten als nächste Aufgabe vorgenommen.“

Die Grabplatten sind noch gar nicht so alt. Vor gut einem Jahrzehnt wurde die Kriegsgräberstätte in Martinshafen komplett neu gestaltet. Wilhelm Hacker war der Initiator dieses Projektes. Die Deutsche Kriegsgräberfürsorge stellte seinerzeit mehr als 6600 Euro dafür bereit. Mit dem Geld wurden unter anderem alte Holzkreuze an den Grabstätten durch graue Granitplatten mit Inschrift ersetzt.

Doch die Witterung hat inzwischen ihre Spuren hinterlassen. Die Buchstaben der Inschriften sind ausgewaschen. „Ich habe für deren Erneuerung schon ein Angebot eingeholt und beim Landesverband MV der Kriegsgräberfürsorge um finanzielle Unterstützung gebeten“, so Hacker. Mehr als 1000 Euro werde das kosten.

Der 74 Jahre alte Sagarder ist der Aktivposten auf Rügen in Sachen Kriegsgräberfürsorge. Und das nicht nur, weil er den Posten des Vorsitzenden des Inselverbandes bekleidet. „Ich habe miterlebt, was Krieg bedeutet“, sagt er. Das sich die Stätten des Gedenkens und der Mahnung auf Rügen in einem würdigen Zustand befinden, ist mit sein Verdienst. Dabei hat der Sagarder die Instandsetzung oder Neugestaltung solcher Anlagen nicht nur angeschoben. Jüngstes Beispiel: Die Sanierung des Denkmals für die Kriegstoten im Schlosspark Putbus, die im vergangenen Jahr abgeschlossen werden konnte. Für solche Vorhaben geht der 74-Jährige sogar und ganz intensiv Klinken putzten. Er sammelt Spenden. Bei der Listensammlung der Deutschen Kriegsgräberfürsorge im vergangenen Herbst warb er 4400 Euro für die Pflege dieser Gedenkstätten ein. Für sein ehrenamtliches Engagement zeichnete Lorenz Caffier, Innenminister MV, den Sagarder erst vor wenigen Tagen mit der Weißgoldenen Ehrennadel des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge und den Regionalverband Rügen mit einer Ehrenurkunde aus.

„Wir wollen neben Martinshafen auch in Sassnitz wieder aktiv werden“, kündigt Wilhelm Hacker an. Auf der Kriegsgräberstätte auf dem Alten Friedhof in der Hafenstadt sollen ebenfalls die Grabplatten gesäubert und deren Inschriften erneuert werden. „Das haben wir für das kommenden Jahr vorgesehen.“

Von Udo Burwitz

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