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Holzkapelle trotzt Wind und Wetter

Ralswiek Holzkapelle trotzt Wind und Wetter

110. Geburtstag der Ralswieker Kirche wird gefeiert / Spenden für Fenstersanierung willkommen

Ralswiek. Jubiläum im Störtebeker-Ort: Mit einem Festgottesdienst im Beisein des Bischofs der Nordkirche, Hans-Jürgen Abromeit, wird an diesem Sonntag um 15 Uhr der 110. Geburtstag der Ralswieker Kirche gefeiert.

Frisch heraus geputzt, mit neuem Dach und stabilen Seitenstreben ist die Kapelle im Jahr ihres Jubiläums wieder eine Augenweide. Dazu haben zahlreiche Ralswieker und Rüganer mit ihren Spenden in einer Höhe von fast 18000 Euro beigetragen, wofür Pastor Martin Holz „ein großes Danke“ sagt. Gleichwohl gibt es weiteren Sanierungsbedarf, denn auch die Fenster des bekannten Gotteshauses sind marode und müssen ausgebessert werden. Für diese zweite Sanierungsphase bittet die zuständige Patziger Kirchengemeinde noch einmal um finanzielle Unterstützung. Auch die Kollekte des Festgottesdienstes wird dafür verwendet.

„Jeder Euro hilft“, betont Pastor Martin Holz, der es zugleich für ein Wunder hält, dass das Holzkirchlein so lange Sturm und Regen, Hitze, Frost und Schnee getrotzt hat. Denn wie jede Holzkonstruktion bedarf auch die Ralswieker Kapelle ständiger Pflege, besonders deswegen, weil sie dem feuchten Boddenklima ausgesetzt und von hohen Bäumen beschattet ist.

Mit viel Liebe und Engagement haben Menschen über die Jahrzehnte hinweg für den Erhalt des Kirchleins gesorgt, das jeden Besucher Ralswieks als erstes begrüßt. Vor allem in DDR-Zeiten war es schwierig, an Baumaterial zu kommen. 1964 berichtete Pastor Klaus Ewert: „Ich hatte eine Trauung in der Kapelle in Ralswiek, und auf einmal versank vor mir das Brautpaar!“ Es war auf den maroden Bodendielen vor dem Altar eingebrochen. 1997 wurde umfangreich saniert. Zehn Jahre später aber haben der Zahn der Zeit, Holzwürmer und Mäuse das Gebäude erneut in Mitleidenschaft gezogen.

In der zweiten Sanierungsphase gilt es nun, die sieben stark beschädigten Fenster zu renovieren. Die Kosten werden sich auf etwa 14000 Euro belaufen, von denen sich die Kirchengemeinde 4350

Euro von der kirchlichen Denkmalpflege erhofft. Deshalb ist sie auf die Unterstützung der Rüganer angewiesen. Das Bleiglas der Fenster muss aufgearbeitet und kaputte Scheiben müssen ersetzt werden.

Außerdem werden die Falzverkittungen erneuert, die Windeisen gerichtet, und zwei Fensterfelder vollkommen neu gefertigt. Eine Drainage soll zudem das Regenwasser ableiten.

Das architektonische Kleinod verdankt die Gemeinde Ralswiek dem reichen Kaliminen-Besitzer Hugo Sholto Graf Douglas (1837 – 1912). Der geadelte Magnat aus Aschersleben wollte Ende des 19.

Jahrhunderts ganz standesgemäß Großgrundbesitzer werden und kaufte 1891 die knapp 3000 Hektar umfassenden Besitzungen der Familie von Barnekow auf. Damit war er nach dem Fürsten von Putbus und den Stralsunder Kirchen mit einem Schlag der drittgrößte Grundbesitzer Rügens. Als erstes ließ er ein Schloss über Ralswiek bauen, dann erweiterte er den Park, ersetzte die zum Teil abgerissene Propstei durch eine Kopie und ließ für die Gutsangestellten neue Häuser errichten.

Als gläubiger Mann vermisste er in „seinem“ Dorf eine Kirche. Vielleicht hatte er auch keine Lust, sich immerzu nach Bergen zum Gottesdienst kutschieren zu lassen. Jedenfalls veranlasste er die Anlieferung einer schwedischen Holzkapelle, die am 31. Oktober 1907 baupolizeilich genehmigt und einen Tag später geweiht wurde. Nach den Feierlichkeiten zogen sich die Gäste auf das Schloss zurück, „um ein frugales Frühstück einnehmen zu wollen“.

Susanna Gilbert

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