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Hunderte Bleie im Saiser Bach verendet

Lietzow Hunderte Bleie im Saiser Bach verendet

Sagarder erstattet Anzeige / Staatliches Amt für Landwirtschaft und Umwelt sucht Vorhabensträger für Sanierungsvorhaben

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Es stinkt zum Himmel: Am Durchlass stauen sich hunderte Bleie, die auf dem Weg von den Wostevitzer Teichen zum Kleinen Jasmunder Bodden im Saiser Bach bei Lietzow verendet sind.

Quelle: Udo Burwitz

Lietzow. Übler Geruch steigt am Saiser Bach bei Lietzow in die Nase. Uwe Noack ist seiner auf dem Wanderweg von und zu den Feuersteinfeldern gefolgt, erblickte von der Brücke kurz vor der Mündung des Gewässers in den Kleinen Jasmunder Bodden hunderte verendete Bleie, die sich vor dem Bauwerk im Bach stauen – und hielt sich die Nase zu. Der Sagarder ist entsetzt über das Ausmaß des Fischsterbens im Saiser Bach, dem natürlichen Abfluss der Wostevitzer Teiche. Dagegen müsse doch etwas unternommen werden, fordert er: „Ich habe Anzeige erstattet.“

Millionenprojekt

2,5 Millionen Euro müssten investiert werden, um die in einem Bioplan-Gutachten vorgeschlagenen Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität in den Wostevitzer Teichen und im Saiser Bach umzusetzen. Vorgesehen ist unter anderem das Anlegen so genannter Sedimentationsrinnen im Großen Wostevitzer Teich. Allein dafür müssen mehrere tausend Tonnen Schlamm ausgebaggert werden.

Eigentlich habe er angeln wollen, schildert Uwe Noack. Die Lust daran sei ihm aber vergangen, als er in den vergangenen ´Tagen auf der Suche nach einem guten Angelplatz am Kleinen Jasmunder Bodden plötzlich im Saiser Bach die toten Fische erblickte. „Garantiert gut eine Tonne“, schätzt Noack. Die toten Bleie, auch Brassen genannt, stauten sich vor einem an der Brücke angebrachten Gitter und einem wenige Meter davor im Saiser Bach gespannten Netz. Dabei handelt es sich um eine „Treibgutsperre“, eine „Versuchsabsperrung“, die im Auftrag des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (Lallf) sowie des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) installiert wurde, ist auf Hinweisschildern zu lesen. Nur einen Tag später erlebte Uwe Noack eine Überraschung. Keine Spur mehr von toten Fischen, erinnert er. Da habe jemand über Nacht Netz und Gitter beseitigt. Die Fischkadaver seien in den Bodden gelangt. Auch wenn sich dort beispielsweise Raubvögel die Fischkörper holen – Uwe Noack empfindet es als Tierquälerei und Umweltfrevel. „Das habe ich bei der Staatsanwaltschaft Stralsund angezeigt“, sagt er.

Das Fischsterben ist jedoch kein Novum. „Das tritt dort schon seit Jahrzehnten auf“, entgegnet Thomas Schaarschmidt. Wer für den Abfluss der toten Tiere in den Bodden gesorgt hat, konnte der stellvertretende Lallf-Leiter auf OZ-Nachfrage nicht sagen. Dem Amt sei das erneute Fischsterben aber gemeldet worden. „Grund dafür ist die schlechte Wasserqualität der Wostevitzer Teiche.“ Durch das Einleiten von Gülle in den 1970er Jahren sei das Ökosystem rund um die Teiche fast komplett zerstört worden. In den Seen gibt es bis heute kaum Pflanzen, der Boden ist schlammig und der Sauerstoffgehalt sehr niedrig. Für die Bleie, die jedes Frühjahr vom Bodden den Saiser Bach zum Laichen rauf in die Teiche schwimmen, werden sie damit zur Todesfalle. Die Fische selbst sorgen mit dafür, denn sie wühlen den schlammigen Boden in den Teichen auf. Einerseits werde somit das Ansiedeln von Pflanzen unterbunden, andererseits sinke der ohnehin schon geringe Sauerstoffgehalt in den Teichen dadurch noch mehr. Viele schaffen den Weg nicht zurück in den Bodden und verenden, erläutert Schaarschmidt. „Die Situation spitzt sich zu, wenn der Wind ungünstig steht und das Wasser sich vor dem Saiser Bach staut.“ Dann stehe das Wasser im Bach und in den Wostevitzer Teichen, der Sauerstoffmangel werde akut.

Das Lallf versucht gegenzusteuern. „Wir haben schon vor Jahren eine Sperre eingebaut, die den Zug der Bleie vom Bodden in die Teiche zur Laichzeit minimieren soll“, sagt Thomas Schaarschmidt. Diese Vorrichtung werde auch nur zur Laichzeit am Durchlass eingebaut und danach wieder demontiert. „Darum kümmern sich ehrenamtliche Naturschutzwarte“, lobt Schaarschmidt deren Engagement. Und betont, dass die Sperre den Bach nicht komplett abriegelt. Sie befinde sich weit unter der Wasseroberfläche, Fische können sie in einer bestimmten Wassertiefe passieren. Die Sperre zeigt Wirkung. „Das Fischsterben war in der Vergangenheit weitaus massiver als heute“, so der stellvertretende Lallf-Leiter. „Um es ganz zu unterbinden, müsste aber die Wasserqualität der Wostevitzer Teiche verbessert werden.“

„Ein Rezept dafür gibt es schon“, sagt Stalu-Mitarbeiter Frank Blodow. Das Amt hat eine Studie vom Institut für angewandte Biologie und Landschaftsplanung Bioplan erarbeiten lassen. Die Liste der vorgeschlagenen Maßnahmen ist lang und reicht vom Einbau einer Grundschwelle am Ablauf des Teiches, mit der der Wasserstand im See stabilisiert werden kann bis hin zum Einbau so genannter Sedimtationsrinnen im Teich, um das Rücklösungspotenzial von Nährstoffen aus dem Sediment zu verhindern. „Für das Anlegen dieser Rinnen müsste ausgebaggert werden“, erklärt Frank Blodow und beschreibt die Dimensionen: „Da werden einige tausend Tonnen Baggergut anfallen.“

Die Bagger hat das Stalu allerdings noch nicht in Richtung Wostevitzer Teiche in Marsch gesetzt. „Denn es ist ein teures Vorhaben“, beziffert Frank Blodow die Gesamtkosten für alle in der Studie aufgezeigten Maßnahmen auf etwa 2,5 Millionen Euro. Das Stalu habe geprüft, ob das Umsetzen finanziell gefördert werden kann und halte dies für möglich. Das Problem: „Wir brauchen einen Vorhabensträger“, so Blodow. Beim Wasser- und Bodenverband sei das Amt diesbezüglich auf ein geringes Interesse gestoßen. „Wir sind zur Zeit noch auf der Suche nach einem Projektträger“, umreißt er den aktuellen Stand der Dinge.

Udo Burwitz

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