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In Sassnitz wird morgens kein Obdachloser vor die Tür gesetzt

Sassnitz In Sassnitz wird morgens kein Obdachloser vor die Tür gesetzt

19 Hafenstädter werden vom Verein des Grundtvighauses im Heim zurzeit betreut

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Erleuchtete Fenster auf der Rückseite des Sassnitzer Obdachlosenheims. Der Backsteinbau an der Dorfstraße bietet zurzeit 19 Hafenstädtern ein Dach über dem Kopf.

Quelle: Udo Burwitz

Sassnitz. Er habe gerade einen Ein-Euro-Job bekommen, sagt der Sassnitzer, der nach beruflichen und privaten Schicksalsschlägen nicht mehr Schritt halten konnte.

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19 Hafenstädter werden vom Verein des Grundtvighauses im Heim zurzeit betreut

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Jetzt sitzt er im Sessel an einem kleinen Tisch zwischen Anbauwand-Schrank und Bett. Der 50plus-Hafenstädter gehört zu den Bewohnern des Obdachlosenheims in Sassnitz. Elf Quadratmeter misst das Zimmer – seine Heimstatt. „Das sind alles Leute, die wir kennen. Wir müssen dafür sorgen, dass auch ihre Menschenwürde gewahrt bleibt und für eine vernünftige Unterbringung sorgen“, sagt Norbert Benedict, SPD-Fraktionschef in der Stadtvertretung und Vorsitzender des Sozialausschusses.

Reicht der Platz überhaupt aus? Sind die Voraussetzungen für eine vernünftige Unterbringung gewährleistet? Antworten auf diese Fragen wollten die Mitglieder des Sassnitzer Sozialausschusses nicht nur aus berufenem Mund hören. Sie informierten sich vor Ort und besuchten zum Auftakt ihrer Sitzung am Dienstagnachmittag den Backsteinbau an der Dorfstraße 6.

Treff im Speiseraum. An den Wänden hängen farbenfrohe Bilder. „Den Raum haben wir frisch renoviert“, sagt Heike Martens. „Und eines der beiden Bäder im Haus durch Umbau modernisiert.“ Seit zwei Jahren zieht sie als Leiterin im Heim die Fäden bei der Unterbringung und Betreuung der Obdachlosen – eine Pflichtaufgabe der Kommunen. Die wird deutschlandweit in der Regel auch in Eigenregie von den Gemeinden erfüllt. Nicht so in Sassnitz. In der Hafenstadt betreibt der Grundtvighaus-Verein das Obdachlosenheim im Auftrag der Kommune. Dafür haben Kommune sowie die städtische Wohnungsgesellschaft Wogesa und die Wohnungsbaugenossenschaft einen Vertrag mit dem Verein geschlossen. Beide Wohnungsunternehmen beteiligen sich auch finanziell.

„19 Heimbewohner in einem Alter von 37 bis 80 Jahren gibt es zurzeit“, informiert Heike Martens. Männer sind in der Überzahl, nur vier Frauen gehören dazu. Für viele sei das Heim tatsächlich zur Heimstatt geworden. „Zwei Bewohner sind schon seit 21 Jahren hier, sieben weitere seit über zehn Jahren.“ Untergebracht sind sie in einem der 15 Zimmer des Backsteinbaus, der wegen seiner Historie im Volksmund auch „Schnitterkaserne“ getitelt wird. Schon vor Jahren, als Bedarf herrschte, wurde durch das Aufstellen von zwei Wohncontainern auf dem Hof die Kapazität auf 24 Plätze erhöht. Ein Container sei gegenwärtig nicht belegt, so Heike Martens, die sich mit sieben Mitarbeitern – allesamt geringfügig Beschäftigte, die nur stundenweise arbeiten dürfen – um die Betreuung kümmert.

Das Sassnitzer Modell unterscheidet sich von vielen anderen Kommunen nicht nur dadurch, dass ein Verein das Heim betreibt. „Bei uns wird morgens auch keiner der Bewohner vor die Tür gesetzt“, betont Heike Martens. In vielen Kommunen ist das üblich. Dort müssen die Bewohner das Heim tagsüber verlassen. „Obendrein beugen wir auch vor, dass es gar nicht so weit kommt und Leute in unser Heim müssen.

Der Verein ist in Sassnitz präventiv aktiv und sucht Einwohner auf, wo das zum Beispiel durch Mietschulden droht.“

„Wir haben eine hervorragende Konstellation bei der Obdachlosenbetreuung in Sassnitz, die sich seit Anfang der 1990er Jahre bereits bewährt“, lobt Norbert Benedict.

OZ

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