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In neuen Räumen: Jugendhilfe kümmert sich um junge Menschen

Bergen In neuen Räumen: Jugendhilfe kümmert sich um junge Menschen

Tims Mutter weiß nicht mehr weiter: Der Achtjährige war immer ihr Sonnenschein. Seitdem sein Vater die Familie verlassen hat und sich kaum noch meldet, ist das Kind nicht wieder zu erkennen.

Bergen. Tims Mutter weiß nicht mehr weiter: Der Achtjährige war immer ihr Sonnenschein. Seitdem sein Vater die Familie verlassen hat und sich kaum noch meldet, ist das Kind nicht wieder zu erkennen. In der Schule wirkt er unkonzentriert, auf dem Spielplatz legt er sich mit Kindern an. Zu Hause lässt er sich nichts mehr sagen. Auch Lenas Eltern machen sich Sorgen, denn ihre Elfjährige würde seit einigen Wochen freiwillig weder aus dem Haus noch zur Schule gehen. Am liebsten sitzt sie stundenlang still vor dem PC. Die Eltern kommen nicht mehr an ihre Tochter heran. Sie haben keine Ahnung, dass Lena in ihrer Klasse gemobbt wird. Zwei Problemkinder, die professioneller Hilfe bedürfen. Für sie ist die Erziehungsberatungsstelle in Bergen da. Hier finden sie und ihre Eltern qualifizierte Ansprechpartner. Seit kurzem hat die Beratungsstelle, eine Einrichtung der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Rügen, neue Räume bezogen.

 

OZ-Bild

Psychotherapeutin Manuela Chall

„Der Bedarf an professioneller Hilfe für Familien nimmt deutlich zu“, weiß Manuela Chall aus langjähriger Erfahrung. Denn: „Die Lebenswirklichkeit macht etwas mit der Seele von Kindern.“ Immer häufiger gebe es nicht nur beim Nachwuchs, sondern auch bei dessen Eltern psychische Störungen. Manuela Chall hat es in der Beratungsstelle zumeist mit Kindern zu tun, die ein Familienmitglied verloren haben, unter der Trennung der Eltern leiden, gemobbt werden, Ängste oder Verhaltensauffälligkeiten entwickelt haben oder besonderen Belastungen – etwa wegen der Erkrankung eines Geschwisters oder eines Elternteils – ausgesetzt sind. Auch bei Problemen in Pflege- und Adoptivfamilien oder bei Drogen- und Alkoholmissbrauch ist die Beratungsstelle eine erste Anlaufstelle.

„Ich schaue mir zuerst das Familiennetz genau an“, sagt die gebürtige Hamburgerin, die nicht nur beratend, sondern im Bedarfsfall selbst auch als Psychotherapeutin tätig ist. Zu ihr „kommen viele, bevor sie richtig krank sind“, erklärt Chall die Vorzüge des Angebots, das jede Familie mit Kindern von null bis 18 Jahren unkompliziert in Anspruch nehmen kann. Oft schickt das Jugendamt die Familien, bei Trennungen wird die Beratungsstelle aber auch von Anwälten empfohlen. „Ich mache auch Hausbesuche auf Rügen, wenn es sein muss, auch auf Hiddensee.“

In den Gesprächen sondiert die Therapeutin die Probleme und entscheidet dann, ob andere – Schule, Kindergarten, Ärzte oder Ergotherapeuten – mit ins Boot geholt werden sollten. Oft ist es eine Kombination mehrerer Störungen, mit denen die Therapeutin konfrontiert wird. „Ich mache mir große Sorgen um die emotionale Entwicklung der Kinder“, gesteht Chall.

Wenn eine Mutter den Kinderwagen vor sich her schiebe, den Blick aber nicht auf das Gesicht ihres Kindes, sondern auf das Handy richte, dann könne allein dies schon die Mutter-Kind-Bindung beeinträchtigen. Ihr falle auf, dass viele Kinder ihre Gefühle nicht mehr benennen können. Auch lasse die Konzentrationsfähigkeit bei vielen nach. Das Leben mit Laptop und Smartphone – Chall nennt sie „Zeitfresser“ – ersetze nur allzu oft das Spielen mit anderen und im Freien. Immer müsse etwas los sein, dabei sei es wichtig, dass die Kinder auch mal Langeweile aushalten.

Susanna Gilbert

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