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Katastrophenwinter im H0-Format

Sassnitz Katastrophenwinter im H0-Format

Die Sassnitzer Modellbahner fahren zur Fachmesse nach Leipzig.

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Nils Töpper vom Modellbahnclub Sassnitz reinigt eine der Anlagen in den Vereinsräumen unterm Dach der Regionalen Schule in Sassnitz.

Quelle: Foto: Maik Trettin

Sassnitz. Der Wartburg hat sich offenbar festgefahren. Er steckt im hohen Schnee und kommt weder vor noch zurück. Weiter hinten rodeln Kinder einen Abhang hinunter. Kaum sind sie hinter den Bäumen verschwunden, taucht ein Wildschwein auf, das sie zu verfolgen scheint. Im benachbarten Wohngebiet kämpft ein Mann mit dem Schneeschieber gegen die weiße Pracht an. Wieder und wieder taucht er im Hauseingang des Wohnblocks auf, rutscht ein paar Millimeter nach vorn und verschwindet erneut.

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Die Sassnitzer Modellbahner fahren zur Fachmesse nach Leipzig.

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Der Winter 1978/79 ist vielen Rüganern noch in Erinnerung. Die Katastrophe war damals Alltag. Wie dieser aussah, kann man sich in Büchern und Filmdokumentationen ansehen – oder beim Modellbahnclub Sassnitz. Der Verein hat schon vor einigen Jahren eine maßstabsgetreue Anlage gebaut, auf der der Katastrophenwinter thematisiert wird. Sie gehört zu den Arbeiten, mit denen die Sassnitzer auf der 22. Messe „Modell – Hobby – Spiel“ vom 29. September bis zum 1. Oktober in Leipzig vertreten sein werden.

Die Sassnitzer gehören dort zu den Stammgästen. Könnt ihr kommen? Habt ihr was? – „Wir wurden von den Organisatoren gefragt und haben zugesagt“, erklärt der Vereinsvorsitzende Horst Thiele. Nicht nur in Leipzig weiß man, dass auf die Sassnitzer Verlass ist. Die Jasmunder Modelleisenbahner genießen mittlerweile über die Landesgrenzen hinaus einen guten Ruf. Horst Thiele geht damit nicht hausieren, aber nach dem Stellenwert des Sassnitzer Vereins in der deutschen Szene befragt, sagt er dann doch mit einem gewissen Stolz: „Wir gehören zur Modellbahn-Spitze.“

Warum das so ist, hat noch niemand ganz genau sagen können. Viel Herzblut steckt sicherlich auch in der Arbeit anderer Modelleisenbahner. Vielleicht ist es die Detailtreue der Sassnitzer, die dem Laien beim ersten Blick gar nicht auffällt. Ganz bestimmt aber hat es auch etwas mit den Ideen zu tun, mit den Motiven, für die die Sassnitzer sich entscheiden. „Wenn ein Zug auf einer Platte immerzu im Kreis fährt, guckt da heutzutage kaum noch einer hin“, sagt der Vereinsvorsitzende. „Die Besucher wollen etwas Besonderes, sie suchen nach dem Thema der Anlage.“ Und die besprechen die 33 Vereinsmitglieder gemeinsam, bevor sie sich an die Umsetzung machen. Die Geschichten, die sie mit ihren Miniatur-Landschaften erzählen, sind ganz unterschiedlicher Art. Für Erstaunen sorgt regelmäßig die von den Hiddenseer Eisenbahnen, weiß Vereinsmitglied Andreas Thiele. Dass es auf dem söten Länneken Schienen, Loks und Waggons gab, wissen die wenigsten. Dabei waren dort mehrfach Bahnen im Einsatz, meist in Verbindung mit Bauarbeiten. Eine solche Situation, wie am Weststrand Deich und Düne verstärkt werden, haben die Sassnitzer nachgebaut – nicht 1:1 nachgestellt, wie Andreas Thiele betont. Überhaupt lehne man sich nur an die Realität an und greife unterschiedliche Elemente heraus, die auf der Anlage zu einer neuen Landschaft verschmelzen. Da kann man dann auch schon mal die Klappbrücke des Stralsunder Hafens in der Nähe des Sassnitzer Fischkombinats finden.

Einige Anlagen sind so groß, dass sie die Vereinsräume unter dem Dach der Regionalen Schule an der Geschwister-Scholl-Straße wohl nie wieder heil verlassen können. Andere sind extra so konzipiert, dass man sie transportieren und auf Messen und Veranstaltungen ausstellen kann. „Die Anlage über den Winter 1978/79 war die erste dieser Art, die wir gebaut haben“, sagt Thiele. Mittlerweile sind rund 20 Modellanlagen dieser Kategorie im Bestand des Vereins. Dazu zählt auch jene, die seit geraumer Zeit im Schaufenster eines großen Dresdner Modellbahngeschäfts gezeigt wird. Auf einer Fläche von nur einem mal anderthalb Metern haben die Sassnitzer Motive aus rund 20 verschiedenen Märchen untergebracht. Vor allem die Kinder sind davon fasziniert und versuchen, die Protagonisten der unterschiedlichen Geschichten ausfindig zu machen. Das Resultat: „Die Ladenbesitzer müssen jeden Tag die Schaufensterscheibe putzen, weil sich daran so viele Kinder die Nasen platt drücken“, erzählt der Vereinsvorsitzende schmunzelnd.

Das Exponat in der sächsischen Landeshauptstadt ist auch in anderer Hinsicht eine Ausnahme: Alles vollautomatisch laufen zu lassen, ist bei den Sassnitzer Modellbahnern verpönt. „Das ist doch kein Erlebnis“, winkt Andreas Thiele ab. Die Grundfrage beim Modellbahner sei: Willst du fahren oder willst du gucken? „Wir wollen fahren“, sagt der Sohn des Vereinsvorsitzenden und ist sich der Zustimmung seiner Vereinskollegen sicher. Viele der kleinen elektromechanischen Wunder bedienen die Jasmunder Modellbahnfreunde auf Knopfdruck. Dazu müssen sie an den Anlagen stehen. So, sagt Thiele Junior, komme man mit dem Publikum bei den Schauen viel besser ins Gespräch.

Unterstützt wird diese Art der Freizeitgestaltung und der Gemeinsamkeit nicht zuletzt von der Stadt Sassnitz. Sie stellt den Eisenbahnern das „Zuhause“, die Räume in der Schule. Wieviel Geld und Zeit sie selbst investiert haben, werden die Modellbahner oft gefragt. Die Vereinsmitglieder winken regelmäßig ab. Wer sich dem Modellbau verschrieben hat, zählt so etwas irgendwann nicht mehr. Billig ist ihr Hobby jedenfalls nicht. „Man bekommt heutzutage fast alles, aber das hat auch seinen Preis“, sagt Horst Thiele. Wer will, kann sich sogar die Bundeskanzlerin maßstabsgerecht bestellen – für 21 Euro.

Maik Trettin

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