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Keine Amphibienzäune in der Stubnitz

Sassnitz/Güttin Keine Amphibienzäune in der Stubnitz

Frank Fiedrich hält den grünen Folienstreifen mit beiden Händen senkrecht, während sein Kollege Steffen Sprenger noch einen Erdnagel im weichen Grünstreifen neben der Straße versenkt.

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Frank Fiedrich (li.) und Steffen Sprenger von der Biosphärenreservatsverwaltung unterstützten die Ehrenamtler des Naturschutzbundes Rügen beim Aufbau der so genannten Krötenzäune bei Güttin.

Quelle: Maik Trettin

Sassnitz/Güttin. Frank Fiedrich hält den grünen Folienstreifen mit beiden Händen senkrecht, während sein Kollege Steffen Sprenger noch einen Erdnagel im weichen Grünstreifen neben der Straße versenkt. Die beiden Mitarbeiter des Amtes für das Biosphärenreservat Südost-Rügen helfen den Ehrenamtlern vom Rügener Kreisverband des Naturschutzbundes (Nabu), hier an der Fahrbahn unweit des Güttiner Flughafens einen Amphibienzaun aufzubauen. Er soll die Tiere davor schützen, auf der stark befahrenen Kreisstraße von den Autos überrollt zu werden. In Süddeutschland habe die Wanderung der Molche zu den Laichgewässern schon begonnen, sagt die Landschaftsökologin Heike Grunewald. „Das kann ruckzuck auch bei uns losgehen“, prophezeit die Nabu-Frau, die zusammen mit den Helfern in diesem Jahr auch erstmals bei Luppath nahe Poseritz solche Zäune zum Schutz der Tiere aufstellen wird. Andernorts überlegt man, ob der Aufbau überhaupt noch sinnvoll ist. Das Nationalparkamt in der Stubnitz verzichtet mittlerweile ganz darauf.

Es sei eine Abwägung von Vor- und Nachteilen, sagt der Leiter der Landesbehörde in Sassnitz, Dr. Ingolf Stodian. Die hatte einst entlang der Stubbenkammerstraße an drei Abschnitten Zäune errichtet, die die Amphibien auf ihrer Wanderung stoppten. Die Tiere fallen dann in eingegrabene Behälter oder werden an den Zäunen eingesammelt und sicher über die Straße gebracht. Sie machen sich dann auf zu ihren Laichgewässern beziehungsweise zu den Sommerlebensräumen. „Seit 2008 haben wir an den Zäunen und in den Fallen aber immer weniger Tiere gezählt“, so Stodian. Man ging der Sache auf den Grund und entdeckte, dass sich andere Bewohner des Nationalparks dort wie an einem Buffet bedienten. Für Dachse, Füchse, Raben, Marderhunde oder Mäusebussarde waren die gut gefüllten Eimer im wahrsten Sinne des Wortes ein gefundenes Fressen. Ihre Beute saß in der Falle und sie brauchten sich nur noch zu bedienen. „Wir haben ihnen praktisch den Tisch gedeckt“, sagt Ingolf Stodian. Dadurch sei der Verlust bei den Amphibienbeständen vermutlich höher ausgefallen, als wenn sie die Straße überquert hätten.

„Deshalb halten wir von solchen Zwangswechseln nichts — jedenfalls nicht im Wald.“ In der offenen Landschaft, sagt Stodian, gäbe es die große Zahl an Fressfeinden nicht. Dort seien solche Einrichtungen durchaus sinnvoll. Doch auch dort macht man sich Sorgen um die Amphibienbestände. Während die nach Stodians Einschätzung im Bereich der Stubnitz punktuell, aber über die gesamte Fläche betrachtet nicht rückläufig seien, vermutet man im Südosten der Insel einen Rückgang der Population. Im Biosphärenreservat sind die Zäune zwar schon aufgebaut. „Bei einigen ist es aber wirklich zu überlegen, ob sich der Aufwand noch lohnt“, sagt Stefan Woidig vom Amt für das Biosphärenreservat und nennt als Beispiel die Straße zum Baaber Bollwerk. Die Zahl der Tiere, die dort an den künstlich angelegten Sperren landen, sei in den zurückliegenden Jahren „stark zurückgegangen“.

An der Pfiffigkeit und Menge der Räuber, zu denen in diesem Fall vorwiegend Raben und Reiher zählen, könne es in diesem Fall nicht liegen. „Die Amphibien sind nie lange in den Behältern, die von unseren Kollegen wenigstens zweimal täglich kontrolliert werden.“ Im Biosphärenreservat vermutet man eher, dass Veränderungen in den Lebensräumen der Tiere zu einer Verringerung ihrer Bestände führen. Ein möglicher Faktor, der darauf Einfluss haben könnte. „Es gibt beispielsweise immer weniger Nischen für die Amphibien.“ Konkrete Aussagen zur Anzahl der Kröten, Frösche und Molche innerhalb eines abgegrenzten Lebensraums könne man allerdings nicht treffen. „Dazu fehlt uns derzeit einfach das Datenmaterial“, so Woidig.

Andernorts scheinen die Amphibien dagegen so zahlreich und agil wie einst zu sein. Seit Jahren kann man ihre Wanderung besonders gut in der Selliner Siedlung am Wald beobachten. Dort hat das Amt für das Biosphärenreservat in den zurückliegenden Tagen erstmals die so genannten Krötenzäune aufgestellt. „Grund ist die Umleitung“, erklärt Stefan Woidig. Wegen der Baustelle auf der B 196 müssen alle Fahrzeuge von Mönchgut in Richtung Sellin durch die Siedlung fahren. Dieser starke Verkehr könnte sonst zu hohen Verlusten bei den Tieren führen, die in nächster Zeit mit ihrer Wanderung beginnen.

Rückkehr zum eigenen „Geburtsort“

3 Amphibienzäune standen einst an der Stubbenkammerstraße zwischen Sassnitz und dem Abzweig Richtung Königsstuhl. Früher wurden an diesen drei Schutzeinrichtungen bis zu 12000 Tiere pro Saison gezählt und sicher über die Straße befördert. Zuletzt waren es gerade einmal noch rund 3000 Kröten, Frösche und Molche. Amphibien machen sich im zeitigen Frühjahr auf den Weg zum Laichgrund. Dabei suchen sie das Gewässer auf, in dem sie selbst zur Welt kamen und sich von der Kaulquappe zum Frosch oder zur Kröte entwickelten. Die ersten „Wanderer“ sind Teich- und Kammmolche, gefolgt von Spring-, Gras- und Moorfrosch sowie den Erd- und Knoblauchkröten und den Laubfröschen.

Von Maik Trettin

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