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Kleingärtner sollen Parzellen räumen

Polchow Kleingärtner sollen Parzellen räumen

Privater Eigentümer setzt Pächtern in Polchow eine Frist bis Ende November / Räumungsklage wird heute in Bergen vor Gericht verhandelt

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Christa und Norbert Schier studieren die Gartenzeitung vor ihrer Gartenlaube. Seit 29 Jahren ist die Parzelle in der Kleingartenanlage „Am Jasmunder Bodden" in Polchow ihr grünes Wohnzimmer in der warmen Jahreszeit.

Quelle: Udo Burwitz

Polchow. Die Lage ist exklusiv und Idylle pur. Die Kleingartenanlage „Am Jasmunder Bodden“ in Polchow macht ihrem Namen alle Ehre, denn die Parzellen liegen nur einen Steinwurf von dem Gewässer entfernt. Doch hinter den Zäunen einiger Gärten der Anlage am Großen Jasmunder Bodden bangen Kleingärtner um die Zukunft ihrer „grünen Wohnzimmer“. Die sollen sie verlassen. Dazu hat sie der private Eigentümer der Grundstücke aufgefordert. „Bis Ende November sollen wir räumen“, sagt Norbert Schier, einer der Betroffenen.

Mir geht es um den Schutz der alten Menschen, die seit drei Jahrzehnten ihre Parzelle bewirtschaften und für die der Garten im Sommer der Lebensmittelpunkt ist.“Norbert Schier

Norbert Schier und seine Frau Christa sitzen zwischen Obstbäumen und sogar Palmen und Feigen vor ihrer berankten Laube. Statt ihr grünes Refugium zu genießen, ordnet das Paar, das in Sassnitz wohnt, Schriftstücke. „Anwaltsschreiben“, sagt die 81-Jährige. „Die Räumung soll vor Gericht durchgesetzt werden. Der Grundstückseigentümer hat geklagt.“ Seit der Rechtsstreit schwele, bleibe im Garten vieles liegen und der Genuss auf der Strecke. „Schließlich ist das hier unser grünes Wohnzimmer für die warme Jahreszeit, das wir uns in Jahrzehnten eingerichtet haben. Wir wollen es nicht verlieren.“

Das „grüne Wohnzimmer“ der Schiers misst 240 Quadratmeter. So groß ist die Parzelle, die direkt in der ersten Reihe am Großen Jasmunder Bodden liegt. „Wir haben sie damals durch Tausch bekommen“, erinnert Norbert Schier. „29 Jahre ist das jetzt schon her.“ Doch nach fast drei Jahrzehnten, in denen der heute 78-Jährige als Spartenmitglied sogar mit im Vorstand der Anlage aktiv war und ist, sieht das Paar aus Sassnitz sein grünes Paradies am Bodden bedroht. Zu Pfingsten im vergangenen Jahr habe sich ein neuer Besitzer am Gartenzaun vorgestellt und ihnen mitgeteilt, dass er das Grundstück vom privaten Vorbesitzer erworben habe, erinnert Christa Schier. „Wir bekamen den Rat, uns doch schon mal nach einem neuen Garten umzuschauen.“ Das, ergänzt Gatte Norbert, treffe auch für die Kleingärtner zu, die die Nachbarparzelle bewirtschaften. Auch denen drohe der Rauswurf. „Kampflos werden wir das Feld nicht räumen“, versichert der 78-Jährige. „Denn es gibt Grundstückseigentümer, die nur darauf warten, dass so ein Exempel statuiert wird.“ Um das zu verhindern, hat sich das Paar sogar um anwaltlichen Beistand gekümmert. „Denn der neue Eigentümer versucht seine Interessen vor Gericht durchzusetzen. Seine Räumungsklage wird bereits am morgigen Dienstag vor dem Amtsgericht in Bergen verhandelt“, so Schier, der wegen der anstehenden, gerichtlichen Auseinandersetzung bewusst auf Namen verzichtet. Der neue Grundstückseigentümer – „schriftlich haben wir den Nachweis dafür bis heute nicht bekommen“, so Norbert Schier – besitzt seinen Angaben zufolge bereits vier Parzellen in der Polchower Kleingartenanlage. „Die Besonderheiten aufweist“, räumt er ein. Deren Ursprung gehe nämlich nicht auf den Anbau von Obst und Gemüse zurück, sondern auf die Naherholung. Am Anfang und zu DDR-Zeiten seien kleine Wochenendhäuschen entstanden. „Für die so genannten Privilegierten.“ Daraus entstand die unter dem Dach des früheren VKSK (Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter) organisierte Kleingartenanlage, deren Pächter heute der Inselverband der Kleingartenfreunde ist. Der hat die Parzellen wiederum an den Kleingartenverein unterverpachtet.

„Die Anlage ist heute aufgespalten“, skizziert Norbert Schier das Ergebnis der Entwicklung nach der Wiedervereinigung. Um sich vor dem Verlust der „Wohnzimmer“ im Grünen zu schützen, „haben viele Pächter inzwischen ihre Grundstücke selbst erworben“. Sie würden für die Naherholung genutzt werden. „Von mehr als 100 Parzellen sind heute nur noch 39 reine Pachtgärten.“ Der von Christa und Norbert Schier gehört dazu. „Den sollen wir bis Ende November wieder in eine Brache verwandeln, alle Obstbäume und Sträucher roden und herausreißen und sogar die Laube abreißen“, zitiert Norbert Schier aus der letzten Aufforderung, die das Paar von den Anwälten des neuen Grundstücksbesitzers erhalten hat. Für Schier kommt diese Aufforderung einem Rechtsverstoß gleich. Denn bei einer Räumung sind alle schätzenswerten Gegenstände käuflich abzulösen“, hält er dagegen. „Außerdem genießen Pachtgärten in einer rechtmäßig eingetragenen Anlage Bestandsschutz. Und obendrein sind wir nicht die richtigen Adressaten.“ Sie seien nur Unterpächter, der Inselverband sei der Generalpächter der Anlage und somit der juristische Ansprechpartner für den neuen Eigentümer.

Udo Burwitz

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