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Rügen „Künstler gehen nicht in Rente“
Vorpommern Rügen „Künstler gehen nicht in Rente“
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03:49 09.03.2013
Helmut Senf vor einer seiner Email-Arbeiten. Quelle: Holger Vonberg

Geschäftiges Treiben im Garten von Irmgard und Helmut Senf in Sassnitz. Zwei Kleintransporter sind angerollt. Künstlerfreunde steigen aus, um Kunstwerke von Helmut Senf abzuholen und sie nach Putbus in die Orangerie zu bringen. Heute wird dort um 15.30 Uhr in der Galerie des Landkreises eine Ausstellung eröffnet, wenige Monate vor seinem 80. Geburtstag, den er im August begeht.

Die Stahlskulpturen, die im Freien rostrote Patina angesetzt haben, wiegen schwer. Tags zuvor hatte Helmut Senf noch den Schnee von ihnen abgefegt. Jetzt werden sie vorsichtig in die Transporter gewuchtet. Aquarelle wären leichter zu transportieren, weiß der Künstler. Aber Stahl ist nun mal einer jener Stoffe, aus denen seine Kunstwerke sind. „In Erfurt habe ich fast ausschließlich mit Metall gearbeitet.“ Erst in den letzten Kunstausstellungen vor der Wende „wurden auch schon mal abstrakte Werke gezeigt“. Die Metallgestaltung sei zu DDR-Zeiten im Kunsthandwerk angesiedelt gewesen:

„Wir hatten einen relativ großen ideologischen Freiraum, den wir in der Malerei wohl nicht gehabt hätten“, sagt er und dirigiert seine drei Helfer in feinstem thüringischen Dialekt.

1933 wurde Helmut Senf in Mühlhausen geboren. 61 Jahre später ist der gelernte Dekorationsmaler, der in den 50er Jahren auf der Burg Giebichenstein die Fachrichtung Emailgestaltung studierte, nach Sassnitz gezogen. Er war Emailleur und Gürtler, bearbeitete und verformte Metalle, gestaltete in den kirchlichen Werkstätten Erfurt liturgische Gegenstände, Tabernakel, Abendmahlskelche und Patenen (flache Schalen für die Hostien), später Dosen, Tabletts, Mokka-Service, Teegeräte und mehr.

Aus einer Kiste holt er einen Gebrauchsgegenstand, wickelt ihn vorsichtig aus. Es ist eine versilberte Messingkanne, eine Arbeit aus frühen Jahren, die er wie seinen Augapfel hütet. Auch emaillierte Schmuckstücke finden sich in dieser Schatzkiste. Ab heute sind auch sie in der Orangerie Putbus zu sehen.

„Viele verachten heute das Kunsthandwerk. Ich sehe da aber keinen Bruch. Kunst und Kunsthandwerk — das war und ist für mich immer eine Einheit. Wer ein Handwerk beherrscht und kreativ ist, der geht seinen Weg. Schauen sie sich nur Henry van de Velde an.“ Begegnet ist er dessen Schaffen auch im Schlosshotel Ralswiek, wo van de Velde, der belgisch-flämische Architekt und Designer, die Bibliothek gestaltet hat. Dort bekam Helmut Senf 2008 den Kulturpreis der KulturStiftung Rügen.

Seine künstlerischen Wurzeln aber liegen in Thüringen. Ab 1961 lebte er freischaffend in Erfurt. Zwölf Jahre lang vermittelte er sein künstlerisches Handwerk an der Hochschule für Industrielle Formgestaltung Halle — Burg Giebichenstein. Und noch heute sind seine Erfahrungen, sein Talent und sein Wissen gefragt. An der Hochschule Wismar hat er einen Lehrauftrag und weiht dort Kunststudenten in die Geheimnisse des Emaillierens ein. „Was mich treibt? Ich kann nicht aufhören. Künstler gehen nicht in Rente.“

Etwas weniger Stress täte ihm zurzeit ganz gut. Doch es gibt viel zu bedenken vor den Ausstellungen in seinem Jubiläumsjahr, obwohl sich Kuratorin Anke Zeisler um die Hauptarbeit kümmert: „Helmut Senf ist ein hervorragender Künstler, eine Art Klassiker. Er hatte schon immer eine besondere Nähe zum Bauhaus und zur holländischen de Stijl-Bewegung. Seine künstlerische und geistige Heimat ist die konkrete Kunst.“ Linien, Flächen, klare Formen und Strukturen bestimmen sein Werk. Stadtzeichen, Stahlplastiken im öffentlichen Raum, aber auch Wetterfahnen, die Erfurter Kirchen und Häuser zieren.

Das nächste Werk? Vielleicht eine Skulptur für Sassnitz, für den Rügen-Platz oberhalb der Hängebrücke. „Der Standort steht fest — wie auch Form und Gestaltung“, sagt Helmut Senf. „Die Realisierung steht noch aus. Es kann ein Fenster sein, muss es aber nicht. Hier hatte ich den Vorteil, dass ich wirklich frei war.“

Ausstellungen zum 80.
Zum 80. Geburtstag von Helmut Senf gibt es mehrere Ausstellungen:

— vom 10. März bis 13. April in der Orangerie Putbus (dienstags bis sonnabends von 11 bis 17 Uhr)

— vom 1. Juni bis 21. Juli im Kulturhistorischen Museum Stralsund

— vom 3. Juli bis 24. August in der Susanne-Burmester-Galerie in Bergen

— vom 19. September bis 6. November beim kunst projekte e.V./ in der Galerie Anke Zeisler 

Holger Vonberg

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