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Rügen Lietzower halten die Schranken in Borchtitz fest
Vorpommern Rügen Lietzower halten die Schranken in Borchtitz fest
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01:22 16.01.2015
Daniel Kasprzyk mit seiner Frau Kathleen und zwei der drei Kinder am Bahnübergang in Borchtitz. Quelle: Maik Trettin/Archiv

„Der Umweg wäre tödlich und eine enorme Belastung.“ Lietzows Bürgermeister Jürgen Böhnig wettert mit markigen Worten gegen das Vorhaben der Deutschen Bahn. Die will den Bahnübergang an der Südstraße in Borchtitz „ersatzlos beseitigen“ (OZ berichtet). Am Mittwochabend haben sich die Lietzower Volksvertreter innerhalb des laufenden Planfeststellungsverfahrens dazu positioniert. Und nicht nur Gemeindeoberhaupt Jürgen Böhnig übte harsche Kritik. Die Gemeindevertreter signalisieren der Bahn: Der Übergang muss bleiben. Einstimmig votierten sie gegen die Pläne zur Schließung.

„Laut den Unterlagen sind es exakt 8,76 Kilometer.“ Die hat Daniel Kasprzyk bereits ganz genau studiert. Schließlich will er wissen, was ihm und seiner Familie droht. Die 8,76 Kilometer hat die Bahn als Umweg errechnet, den er mit Familie in Kauf nehmen muss, wenn der Bahnübergang dicht gemacht wird. Daniel Kasprzyk gehört zu den Betroffenen. Der Zimmerermeister wohnt mit seiner Familie hinter dem Bahnübergang und hat dort auch seinen Betrieb. Bis jetzt braucht er nur wenige Meter für den Anschluss an Rügens Hauptverkehrsader, denn der Übergang liegt gleich an der B 96, von der die Südstraße abzweigt. Wird er dicht gemacht, ist die kürzeste Verbindung für Daniel Kasprzyk tabu. Er müsste den langen Umweg über die Südstraße nach Mukran und dann über die Nordstraße zurück nehmen, um an die B 96 zu kommen. Hin und zurück sind das mehr als 17 Kilometer.

„Tödlich“, findet Jürgen Böhnig. „Und die Einwohner sind längst nicht die einzigen Betroffenen“, betonte er. „Für das Gewerbegebiet an der Südstraße gibt es inzwischen mehrere Ansiedlungswünsche unter anderem für ein Betonwerk.“ Schon jetzt seien auf der Südstraße mit der Anbindung an die B 96 über den Bahnübergang täglich bis zu 200 Lkws unterwegs. Das haben laut Böhnig Verkehrszählungen ergeben. „Die Südstraße darf keine Sackgasse werden“, betonte Böhnig und bezeichnete die Bahnpläne als „die größten Aktivitäten, die ich in den letzten zehn Jahren mitgemacht habe.“

Schon vor sechs Jahren hatten die Lietzower — wenn auch nur mit hauchdünner Mehrheit — dem Vorhaben der Bahn ihre Zustimmung signalisiert. Die sei aber an Bedingungen geknüpft gewesen, erinnerte der Bürgermeister, dass die Bahn damals zugesagt habe, Ersatz für eine vernünftige Verkehrsanbindung zu schaffen. Zwischen Rügen-Zimmerei und Recyclinghof Gollan sollte eine neue Verbindungsstraße zwischen Nord- und Südstraße gebaut werden. „Das lehnt die Bahn heute ab. Deshalb fühlen wir uns an den damals gefassten Beschluss auch nicht mehr gebunden“, stellte der Bürgermeister klar.

Die Bahn führt laut den Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren für die geplante Schließung an, dass die erforderlichen Schließzeiten am Übergang in Borchtitz erheblich überschritten werden.

Die langen Umwege, die ein Schleifen des Übergangs zur Folge hätte, hält sie offensichtlich für vertretbar. „Das ist in der heutigen motorisierten Zeit zumutbar“, zitiert Jürgen Böhnig aus den Unterlagen. Lars Riske widerspricht: „Den Umweg müssen auch Rettungskräfte nehmen. Bei den Straßenverhältnissen sind sie bis zu zehn Minuten länger unterwegs. Das kann verheerende Folgen haben. Im Notfall zählt jede Minute“, so der Gemeindevertreter, der zugleich Wehrleiter der Lietzower Feuerwehr ist.

Dirk Tabbert sieht dagegen Stau auf der Nordstraße vorprogrammiert. „Die müssten auch wir mit unseren Fahrzeugen und schwerem Gerät nutzen, wenn der Bahnübergang dicht ist“, begründete der Geschäftsführer eines Jasmunder Landwirtschaftsbetriebes, der mit Rindern und Wasserbüffeln Flächen zwischen Mukran und Prora beweidet. Zustimmung von Jürgen Böhnig: „Im Sommer staut es sich jetzt schon auf der Nordstraße, wenn Fähren in Mukran angelegt haben und die Autos von den Schiffen auf die Insel rollen.“

Höhere Spritkosten, längere Fahrzeiten — Oliver Penndorf sieht nicht nur auf Borchtitzer und Unternehmen finanzielle Belastungen zukommen. Auch auf Kommune und Landkreis. „Denn der Nachwuchs in Borchtitz wird vom Schulbus abgeschnitten. Als Alternative bleibt nur das Taxi. Für die Schülerbeförderung muss der Landkreis zahlen, die Gemeinde wird anteilig an den Kosten beteiligt“, so der Gemeindevertreter.

„Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen“, informierte Jürgen Böhnig abschließend, dass es im Februar ein Gespräch mit der Bahn und Vertretern aus Lietzow und Sassnitz auf der Insel geben soll.

Großer Umweg
8,76 Kilometer lang ist der Umweg laut Bahn, den Borchtitzer und im Gewerbegebiet an der Südstraße angesiedelte Unternehmen sowie Zulieferer in Kauf nehmen müssen, wenn der Bahnübergang Borchtitz tatsächlich geschlossen wird. Für Hin- und Rücktour sind das mehr als 17 Kilometer.
4Bahnübergänge wurden in den zurückliegenden Jahrzehnten allein in der Gemeinde Lietzow von der Bahn bereits geschlossen.



Udo Burwitz

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