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Lohme: Mit Geld der Telekom in die Zukunft

Lohme Lohme: Mit Geld der Telekom in die Zukunft

Jasmunder Gemeinde will mit Nachbarkommunen ein ländliches Entwicklungskonzept erarbeiten

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Wenn die Telekom bezahlt, sieht es doch nach einem Auf- tragsgutachten aus.Burkhard Rahn, Gemeindevertreter

Lohme. Der Lohmer Bürgermeister Matthias Ogilvie wird bei Harry Glawe, Wirtschaftsminister von MV (beide CDU), anklopfen. Im Auftrag der Gemeinde. Die will Geld vom Land haben – um ihre Zukunft zu planen. Die Kommune hat vor, zusammen mit Nachbargemeinden auf Jasmund ein sogenanntes integriertes ländliches Entwicklungskonzept zu erarbeiten. Dabei hofft sie auf finanzielle Unterstützung vom Land. Für Burkhard Rahn hat diese Zukunftsplanung ein Geschmäckle. „Denn finanziert werden soll die nicht nur mit Fördergeld vom Land, sondern auch mit Geld von der Telekom. Und die ist am vorgesehenen 500-Betten-Projekt auf dem ehemaligen Rügenradio-Gelände beteiligt“, begründet der Gemeindevertreter.

„Die Leute kommen nach Rügen und nicht allein nach Lohme oder nach Sagard.“ Matthias Ogilvie bemühte in der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung die Parole: Schluss mit dem Kirchturmdenken. „Wir müssen gemeinsam die notwendige Infrastruktur schaffen.“ Dass zum Beispiel die touristische in der Jasmunder Gemeinde nicht gerade Bestnoten verdient, bewies die Einwohnerfragestunde. Von desolaten Wanderwegen und Radwegen in ebenso schlechtem Zustand oder sogar Abschnitten, auf denen die noch ganz fehlen, war die Rede. „Solche Dinge lassen sich effizient nur gemeinsam mit den Nachbarkommunen planen“, begründete der Bürgermeister die Notwendigkeit für so ein Entwicklungskonzept. Allein sei Lohme gar nicht in der Lage, solche Projekte zu stemmen. „Um dafür auch in Zukunft Fördermittel in auskömmlicher Höhe, nämlich bis zu 90 Prozent, zu erhalten, ist so ein Konzept mit den Nachbarn eben auch erforderlich.“ Mit denen in Sassnitz, Sagard und Breege seien bereits erste Gespräche dazu geführt worden.

Für so ein Konzept werden nicht nur Rad- und Wanderwege, sondern die gesamte Infrastruktur unter die Lupe genommen. Dazu gehören auch Hotel- und Bettenkapazitäten sowie Wellnesseinrichtungen. So gibt es in der Nachbargemeinde Sagard mit dem Precise Resort Rügen in Neddesitz (ehemals Jasmar-Resort) zum Beispiel die mit 733 Betten größte Ferienanlage auf der Insel, die auch über eine Schwimmhalle verfügt. Nur wenige Kilometer Luftlinie von Neddesitz entfernt, sollen in Lohme auf dem ehemaligen Rügenradio-Gelände 500 Betten mit dem Bau eines Medical-Wellness-Hotels sowie von Villen und Ferienwohnungen geschaffen werden. Und die Sassnitzer setzen auf ihre Kreide und wollen ihre touristischen Kapazitäten mit einem Kurgebiet Dwasieden erweitern. Ob das alles unter einen Hut passt, wird bei so einem regionalen Konzept untersucht und das Ergebnis darin festgeschrieben.

Bei dieser Arbeit, „die im interkommunalen Verbund“ geleistet werden soll, „wird Lohme eine federführende Rolle als Antragsteller für die Förderung übernehmen“, bezifferte Matthias Ogilvie die Gesamtkosten für das Erarbeiten des Konzepts mit 66500 Euro. „Die Telekom wird uns unterstützen. Sie übernimmt den von der Gemeinde zur Finanzierung beizusteuernden Eigenanteil in Höhe von 16

500 Euro.“

„Wenn die Telekom bezahlt, sieht es doch nach einem Auftragsgutachten aus“, kritisierte Burkhard Rahn. Der Konzern ist nicht nur der Grundstückseigentümer des Rügenradio-Geländes, sondern auch Projektbeteiligter des auf dem Areal vorgesehenen 500-Betten-Vorhabens, begründete er. „Bei diesem Finanzierungsmodell für das Konzept sieht es doch danach aus, dass für das Großprojekt alle Wege geebnet werden sollen. Ich habe die Befürchtung, dass damit ein Raumordnungsverfahren für das Vorhaben umgangen werden soll“, beantragte Burkhard Rahn, die Entscheidung zum integrierten ländlichen Entwicklungskonzept zu vertagen. „Das brauchen wir auch für die Raumordnung, damit Flächennutzungs- und Bebauungspläne in Zukunft überhaupt noch genehmigt werden“, hielt Matthias Ogilvie dagegen.

Rahn wurde überstimmt. Die Gemeindevertreter beauftragten den Bürgermeister, den Antrag für eine Konzeptförderung in Schwerin zu stellen.

Udo Burwitz

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