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Mit Salatbesteck und Rügen-Führer integriert

Sassnitz Mit Salatbesteck und Rügen-Führer integriert

Flüchtlinge lernen Insel und deutsche Mitschüler in einem gestern an der Berufsschule in Sassnitz gestarteten Projekt kennen

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Arbeiten Hand in Hand bei der Salatzubereitung in der Lehrküche der Beruflichen Schule in Sassnitz: Alina Meerwald aus Dranske schnippelt Paprika, Flüchtling Ahmad Alsolaeiman aus Syrien richtet die gesunde Kost an.

Quelle: Fotos: Udo Burwitz

Sassnitz. Alina Meerwald aus Dranske schnippelt Paprika, Ahmad Alsolaeiman steht mit dem Salatbesteck daneben in der Lehrküche an der Berufsschule in Sassnitz und wartet schon auf das kleingeschnittene Gemüse, um es zu Eisbergsalat und Gurken in eine Schüssel zu geben und ordentlich durchzumischen. „Was kommt bei euch in so einen Salat noch rein?“, will die junge Insulanerin von Ahmad wissen. „Auf jeden Fall Zwiebeln und Oliven.“ In der Lehrküche der Beruflichen Schule wurden gestern nicht nur Rezepte ausgetauscht. Sie mutierte zur „Kontaktbörse“ innerhalb eines neuen Integrationsprojektes, das gestern an der Schule startete.

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Flüchtlinge lernen Insel und deutsche Mitschüler in einem gestern an der Berufsschule in Sassnitz gestarteten Projekt kennen

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„Kennenlernen ist wichtig für das Ankommen“, weiß Schulleiter Dirk Reichel aus Erfahrung. Seit einem Jahr werden an der Schule in Sassnitz nicht nur junge Ausländer insbesondere aus Südeuropa unterrichtet, die auf der Insel eine Ausbildung zum Beispiel zum Koch oder zur Restaurantfachfrau absolvieren. Seit September 2015 gibt es an der Bildungseinrichtung des Landkreises auch BvJA-Klassen. „Das Kürzel steht für Berufsvorbereitende Jahrgänge für Asyl“, klärt Dirk Reichel auf. An der Schule in Sassnitz sind es zu 90 Prozent junge Afghanen und Syrer im Alter von 16 bis 18 Jahren, die vor Terroranschlägen, Krieg und Gewalt aus ihrer Heimat geflohen sind. In Sassnitz werden sie fit gemacht, um einen Beruf zu erlernen. Ohne Sprachkenntnisse geht das nicht. „Im ersten und zweiten Jahr absolvieren die Flüchtlinge bei uns einen Sprachkurs“, erläutert Reichel. Jede Woche stehen fünf Deutsch-Stunden am Tag auf dem Unterrichtsplan. Am Ende des Schuljahres schlägt mit einer Prüfung die Stunde der Wahrheit. Wer die meistert, bekommt ein Sprachdiplom. Drei solcher Klassen gibt es bereits an der Berufsschule auf der Insel, eine weitere wird gerade neu aufgemacht.

„Ich komme aus Syrien, bin mit einem Freund geflohen. 15 Tage lang waren wir unterwegs“, schilderte Ahmad Alsolaeiman seinen Mitstreitern in der Lehrküche seinen Weg auf die Insel. Vor elf Monaten kam der heute 17-Jährige auf Rügen an. Er wohnt in Lohme, hat an der Schule bereits Deutsch gebüffelt. „Eine schwere, aber auch schöne Sprache“, findet er. Jetzt beginnt er ein Berufsvorbereitendes Jahr. „In dem lernen die Schüler alle Ausbildungszweige kennen, die an unserer Schule unterrichtet werden“, erläutert Dirk Reichel. Diesem Jahr soll sich dann der Beginn einer Berufsausbildung anschließen, gibt er als Ziel vor.

Ankommen bedeute aber nicht nur, dass bildungspolitisch ein Weg vorgegeben ist, der den Flüchtlingen hierzulande eine Perspektive biete, unterstreicht der Leiter der Berufsschule in Sassnitz. „Die jungen Leute müssen auch die Gelegenheit bekommen, die Insel kennenzulernen“, klinkt sich Schulsozialarbeiterin Brigitte Busch ein. Nicht selten würden die Flüchtlinge auch nach Wochen ihrer Ankunft nur ihren Wohnort und vielleicht noch Bergen kennen, weil dort ein Behördengang notwendig war. „Den Horizont wollen wir mit dem Integrationsprojekt erweitern“, sagt Busch, die es zusammen mit Jugendsozialarbeiter Torsten Schwedas leitet.

„Insel Rügen – eine neue berufliche Chance“ titelt das Projekt, das Ahmad und Alina gestern nicht nur zu Salatbesteck, Messer und frischem Gemüse greifen ließ. „Essen hält sprichwörtlich nicht nur Leib und Seele zusammen. Es verbindet auch“, kommentiert Brigitte Busch. Gemeinsam haben ausländische und deutsche Schüler des Berufsvorbereitenden Jahres frische und landestypische Salate hergestellt, die Tafel eingedeckt und am Grill gestanden. „Nur Hühnerfleisch drauf, kein Schwein“, kennt Alina jetzt auch die religiösen Hintergründe für Ahmads Speiseplan. Und der weiß seit gestern, dass Rügens Nordspitze Kap Arkona heißt. „Und sogar zwei Leuchttürme da stehen.“ Damit Ahmad nachlesen kann, hat er wie alle Projektteilnehmer einen Insel-Reiseführer bekommen. Und die Integration mit Salatbesteck und Rügen-Reiseführer ist nicht abgeschlossen. „Fortsetzung folgt“, kündigt Brigitte Busch für kommende Woche bereits das gemeinsame Gestalten einer Rügen-Wandzeitung an, auf der sich alle Teilnehmer und ihren Wohnort vorstellen.

Udo Burwitz

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