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Mukran guckt wieder in die Röhre

Mukran Mukran guckt wieder in die Röhre

Gestern ist der erste Zug mit Segmenten für die geplante Erdgasleitung Nordstream 2 im Hafen angekommen

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In Mukran sollen wieder Rohre für eine Erdgasleitung ummantelt werden, wie schon von 2009 bis 2011 für das Projekt Nordstream 1.

Quelle: Stefan Sauer/dpa

Mukran. In der Halle des französischen Pipelinebauers Eupec am Hafen Mukran stehen seit fünf Jahren die Maschinen still. Für drei Jahre hatte der Rohrspezialist auf dem Hafengelände rund 200 Mitarbeiter beschäftigt, um 126 000 Stahlröhren für die Ostseepipeline mit Beton zu umhüllen. 2011 war Schluss. Der große Nord-Stream- Auftrag war abgearbeitet.

Nun soll das Projekt „Betonummantelung“ in Mukran wiederbelebt werden. Das Unternehmen Nord Stream 2 will eine zweite, 1200 Kilometer lange Erdgaspipeline durch die Ostsee nach Lubmin verlegen.

Obwohl die Genehmigung für das Acht-Milliarden-Euro-Vorhaben noch in allen beteiligten Ostseeanrainern aussteht, treibt die Gazprom-Tochter das Projekt vehement voran: Ein erster Zug brachte am Mittwoch die ersten 148 Stahlrohre vom Rohrwerk in Mülheim an der Ruhr auf die Insel. 611 Züge sollen in den nächsten zwei Jahren folgen.

Statt Eupec übernimmt diesmal der zur malaysischen Wasco Group gehörende Pipelinespezialist Wasco Coatings Europe den Megaauftrag. Ob Wasco dafür den Maschinenpark und die Halle von Eupec nutzt, ist bislang offen. „Wir verhandeln derzeit mit Eupec über den Verkauf der Anlage“, sagte Wasco-Vorstand Giancarlo Maccagno gestern. In Mukran sollen ab Frühjahr 2017 rund 90 000 Rohre eine Betonhülle erhalten und für die Verlegung in der Ostsee vorbereitet werden. Sollten die Verhandlungen mit Eupec scheitern, müsse Wasco über Alternativen nachdenken.

Der Zeitplan ist ambitioniert, Wasco sucht Mitarbeiter. Für 35 von künftig rund 150 Arbeitsplätzen im Werk habe die Bewerbungsphase begonnen. Am Mittwoch trafen sich Wasco-Vertreter bereits mit Behörden und Kommunalpolitikern. „Wir wollen einen positiven Eindruck unserer Aktivitäten hier auf der Insel hinterlassen“, betonte Maccagno. Wasco wolle sich in die lokalen Gemeinschaften einbringen, so der Italiener weiter. Für Stirnrunzeln sorgte wohl, dass sich die Tourismusbranche bei dem Treffen nicht blicken ließ, obwohl bis Ende 2019 Unterkünfte für hunderte Arbeiter benötigt werden.

Im Hafen Mukran erinnert man sich gern an das Nord-Stream-1-Projekt, weil es die Initialzündung für weitere Offshore-Projekte gewesen sei. „Die Nord-Stream-Pipeline bedeutete für den Hafen den Einstieg ins Projektgeschäft“, sagte ein Hafensprecher. Etwa 200 Arbeitsplätze seien für die Dauer des Nord-Stream-1-Projektes im Hafen entstanden. Neben einer ähnlichen Anzahl von Arbeitsplätzen erwartet der Hafen auch jetzt einen – wenn auch zeitlich befristeten – Anstieg des Umschlags. Schließlich gingen 90 000 Rohre á 24 Tonnen über die Kaikante.

Doch ob die Pipeline überhaupt gebaut wird, ist ungewiss. In der EU ist das Projekt als ein zweiter Energie-Bypass, der Polen und das Baltikum umgeht, politisch höchst umstritten. Der Grund: Eine zweite Pipeline könnte die Abhängigkeit Westeuropas von russischem Erdgas erhöhen. Projektchef Henning Kothe zeigte sich zuversichtlich. Nord Stream 2 sei kein politisches, sondern ein rein kommerzielles Projekt. Der Bau der Pipeline ist bislang in Schweden beantragt, die Anträge für Deutschland, Dänemark, Russland und Finnland sollen Anfang 2017 bei den Genehmigungsbehörden eingereicht werden, kündigte Kothe an. Ein Jahr später könnte der Bau starten. Nord Stream 2 hat eigenen Angaben zufolge bislang Aufträge von vier Milliarden Euro ausgelöst und damit die Hälfte der Gesamtinvestitionssumme vergeben.

35 Jobs ausgeschrieben

1200 Kilometer lang ist die Nord-Stream-2-Trasse von Russland nach Lubmin, die nahezu parallel zur ersten Ostseepipeline verlaufen soll.

612 Züge mit insgesamt 90 000 Stahlrohren rollen von Mülheim an der Ruhr bis 2018 in den Mukran Port.

Der malaysische Pipelinespezialist Wasco will in Sassnitz 150 Arbeitskräfte für die Betonummantelung beschäftigen, weitere 50 im Bereich Logistik. 35 Arbeitsplätze sind bereits ausgeschrieben. Wasco plant auf Rügen einen Umsatz von 200 Millionen Euro.

Die Nord Stream 2 AG will Anfang 2017 die Genehmigung in Deutschland, Dänemark, Finnland und Russland beantragen. Anfang 2018 soll der Bau starten. Die Inbetriebnahme plant die Gazprom-Tochter Ende 2019.

Martina Rathke

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