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Rügen Neuer Spielplatz im Sassnitzer Zentrum
Vorpommern Rügen Neuer Spielplatz im Sassnitzer Zentrum
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04:25 06.09.2013
Michael Dombrowski legt Bau des Spielplatzes Hand an. Für den Sassnitzer ist es eine gelungene Rehabilitationsmaßnahme. Quelle: Kay Steinke
Sassnitz

Die jüngeren Sassnitzer haben einen Grund zum Feiern: Morgen wird in der Seestraße gegenüber des Grundtvighauses ein neuer Spielplatz eingeweiht. Nach dem Abbau der Geräte hinter der Rügen-Galerie gab es im Zentrum der Stadt keinen öffentlichen Spielplatz mehr. Bei der Errichtung des von der Aktion Mensch geförderten neuen Platzes hat neben Mitgliedern des Grundtvighaus-Vereines und zwei Bürgerarbeitern auch ein Sassnitzer innerhalb einer Rehabilitationsmaßnahme Hand angelegt. Ein weiterer Helfer nutzte die Gelegenheit, um seine Sozialstunden für einen guten Zweck einzusetzen.

„Das werden die Sandkästen”, sagt Ekkehard Staker und zeigt auf Holzpfähle, die um einen großen Berg Mutterboden aufgereiht sind. Fünf Wochen Arbeit liegen da bereits hinter dem 70-jährigen Sassnitzer. Als ehrenamtlicher Bauleiter beaufsichtigt er die Arbeiten und sorgt dafür, dass alle Arbeitskräfte trotz unterschiedlicher Kenntnisse miteinander harmonieren. „Das Grundstück gehört zum Grundtvighaus. Wir vom Verein brauchen jede helfende Hand. Da ist es gut, wenn zwei Arbeiter, die momentan im Mehrgenerationenhaus beschäftigt werden, bei unserem Einsatz mit anpacken.“

Damit die Kinder selbst baggern und Burgen bauen können, gibt es gleich zwei Sandkästen. Der hintere bekommt sogar eine schiefe Ebene, damit der Nachwuchs hoch- und runter krabbeln kann. Um diese Kästen kümmerte sich Michael Dombrowski. Eigentlich ist der 32-jährige Sassnitzer gelernter Hotelfachmann. Aus gesundheitlichen Gründen kann er diesen Job aber nicht mehr ausüben. Während er auf eine Umschulung wartet, sah er die Möglichkeit, sich über den Spielplatzbau wieder am Arbeitsleben zu beteiligen. „Ich musste lange pausieren. Der alte Job hatte mich total ausgebrannt“, sagt Michael Dombroski. „Nach der Krankheit brauchte ich eine solche Reha-Maßnahme. Wieder zu arbeiten, fühlt sich gut an, zurück in den alten Beruf möchte ich aber nicht. Nach abgeschlossener Reha werden ich mir ein neues Arbeitsfeld suchen.“

Keine Neuorientierung braucht dagegen Maik Pankratz. Der 27-jährige Industriereiniger kommt neben seiner Arbeit zusätzlich ins Grundtvighaus. Er kümmerte sich hauptsächlich um das Klettergerüst. „Für mich ist es das erste Mal, dass ich Sozialstunden machen muss“, sagt Pankratz. Er konnte eine Geldstrafe nicht bezahlen, so wurde diese in Arbeit umgewandelt. Mit seinen temporären Arbeitskollegen spricht er offen darüber. „Natürlich ist es ärgerlich. Aber einen Spielplatz für die Kinder aufbauen zu können, ist wenigstens sinnvoll. Später kann ich vorbeigehen und sagen: ,Hey, da habe ich mitgebaut‘. Und als Institution kann ich das Grundtvighaus jedem empfehlen, der in einer ähnlichen Lage ist, wie ich war.“

Im Grundtvighaus nimmt man aber längst nicht mehr jeden auf. „Diese Jungs sind natürlich Gold wert“, sagt Renate Richter, Vorsitzende des Grundtvighaus-Vereines. „Rehabilitationsmaßnahmen sind nicht so oft. Damit haben wir vor ungefähr sieben Jahren angefangen. Vor vier bis fünf Jahren kamen die Stundenableister hinzu. Zu ihren Aufgaben gehören die Pflege der Grünlagen, Hilfstätigkeiten, Ordnungsdienste und die Begleitung von Veranstaltungen. Die Mitarbeit am Spielplatz ist so bisher einmalig.“

Auch wenn das Grundtvighaus größtenteils gute Erfahrungen gemacht hat: Es gibt auch andere Fälle. „Wir hatten bereits einen Kleptomanen als Mitarbeiter“, sagt Jörg Piecha, Geschäftsführer des Grundtvighauses. „Aus Datenschutzgründen wird uns dies von der Staatsanwaltschaft nicht gesagt. Seitdem aber bei uns ein Laptop geklaut wurde, müssen wir versuchen, nachzufragen. Letztlich muss es zwischen allen Beteiligten auch passen.“

Laut Vereinsmitglied Peter Kordes, der mit seinem Förderverein „Projekte“ ein eigenes Büro im Grundtvighaus hat, wird die Situation problematisch, wenn die „Stundenabreißer“ den sozialen Einrichtungen schaden. „Einige Dinge müssen öffentlich gemacht werden“, sagt er. „Zum Beispiel Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. Vielmehr wird nicht öffentlich gemacht. Dabei gibt es in Sassnitz jemanden, der mehrmals verurteilt wurde und bereits etliche Häuser bestohlen hat. Ist die Einrichtung darüber nicht informiert, hat sie Pech. Dabei bieten viele eine gute Chance. Oft wäre die Alternative, die Stunden im Knast abzuleisten.“

Gespräche und Lieder
230 Jahre alt wäre der Däne Nikolai Frederik Severin Grundtvig am Sonntag geworden. Am Sonnabend heißt der Grundtvighausverein alle Rüganer und Gäste zu einem Tag der offenen Tür willkommen. Eingeladen sind auch der Bürgermeister und die frühere Sassnitzer Pastorin Thurid Pörksen. Zwischen 10 und 17 Uhr gibt es verschiedene Programmpunkte. Unter anderem wird der neue Spielplatz besichtigt und offiziell eingeweiht. Die Gäste können mit den verschiedenen Vereinen und Akteuren des Mehrgenerationenhauses ins Gespräch kommen. Dänische und deutsche Besucher werden am Nachmittag gemeinsam singen. Der Lichtspiel-Verein zeigt einen Kurzfilm.

Kay Steinke

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