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Nipmerow kommt an das Kanalnetz

Nipmerow Nipmerow kommt an das Kanalnetz

Die Bauarbeiten im Auftrag des Zweckverbandes beginnen nächste Woche.

Nipmerow. „Ende nächster Woche wird es vermutlich laut im Dorf.“ Als Frank Burchett, Bauleiter beim Unternehmen ASA-Bau, das am Donnerstagabend im Nipmerower Feuerwehrgebäude ankündigt, bleiben die anwesenden Einwohner äußerlich gleichmütig. Jahrelang haben sie auf den Anschluss an das Abwassernetz gewartet. Am Montag soll es nun endlich losgehen, Ende nächster Woche wird die Asphaltfräse erwartet. Mitten in der Hochsaison. Aber würden die Bauarbeiter bis zum Herbst warten, käme der Winter dazwischen und das gesamte Bauvorhaben zöge sich noch länger hin. Laut Plan soll das Ortsnetz noch in diesem Jahr fertig sein. „Termin ist der 20. Dezember“, sagt Burchett.

Bis dahin ist jede Menge zu tun. Auf über 1,3 Kilometern werden im gesamten Dorf Abwasserleitungen mit Gefälle und mehrere hundert Meter Druckleitungen verlegt. „Das Gefälle allein reicht wegen der Höhenunterschiede nicht aus“, erklärt Reinhard Litty, stellvertretender Geschäftsführer des Zweckverbandes Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Rügen (Zwar). Deshalb müssten noch vier Pumpen installiert werden. Die sorgen dafür, dass die Abwässer aus dem Ortsteil in das nahe Lohmer Klärwerk gelangen, das seit Jahresbeginn erweitert wird. Dort soll künftig neben Nipmerow auch Hagen sein Schmutzwasser reinigen lassen.

Parallel zu den Abwasserrohren wird auch eine neue Trinkwasserleitung in den Boden gelegt. „Und natürlich Leerrohre“, ergänzt Litty. Die will der Zweckverband später einmal an einen Kabelbetreiber vermieten, der die Nipmerower dann mit schnellem Internet über Glasfaserkabel versorgen kann.

Die machen sich erst einmal Sorgen, wie sie ihre Grundstücke in den kommenden Wochen mit den Autos erreichen können. Vier Bauabschnitte wird es geben, jedesmal müssen die Anlieger mit Sperrungen rechnen. Zuerst wird die Jasmunder Straße Richtung Lohme betroffen sein. Davon dürfte der Campingplatz betroffen sein. „Der muss rund um die Uhr von den Gästen angefahren werden können“, machte der Besitzer Norbert Krüger deutlich. Ein Patentrezept dafür konnte noch keiner aus der Tasche ziehen. „Aber wir werden auch dafür — wie in jedem anderen Fall — eine Lösung finden“, versicherte der Leiter des Nord-Rügener Bauamtes, Lutz Witt. Es werden nicht immer die „eleganteste“, aber eine „praktikable“ sein. Das versprach Reinhard Litty auch denjenigen, deren Abwasser noch in abflusslosen Sammelgruben aufgefangen und regelmäßig abgefahren wird. Für schmale Baustellen halte der Zweckverband extra ein schmales Fahrzeug vor, das solche Engstellen passieren könne.

Betroffen ist von der Bautätigkeit auch der Durchgangsverkehr: Voraussichtlich ab Mitte September soll die Landesstraße in der Nipmerower Ortsdurchfahrt komplett gesperrt werden — und zwar bis zum Jahresende. Und auch dann ist sie noch nicht ganz fertig. „Sie wird vorerst nur geschottert“, so Witt. Die Straßenbauer sollen auf diesem Abschnitt am Ende des Winters anrücken. Die Jasmunder Straße wird hingegen noch in diesem Jahr bis zum Ortsausgang eine komplett neue Fahrbahndecke bekommen. So lange die Ortsdurchfahrt in Nipmerow gesperrt ist, wird der gesamte Verkehr durch Lohme geleitet.

„Das wird dort dann sicher auch eine Belastung für den Ort“, sagt Bürgermeister Matthias Ogilvie. Noch verzwickter dürfte die Verkehrsführung im nächsten Jahr werden. Dann will der Zweckverband in Hagen Abwasserleitungen legen. Wo dann die Autos bleiben sollen, ist noch offen.

Versickerung nur auf wenigen Flächen möglich
4,5 Millionen Euro werden der Bau des Kanalnetzes in Hagen und Nipmerow sowie die Erweiterung der Lohmer Kläranlage, an die die Leitungen angeschlossen werden, kosten. Gebaut wird montags bis freitags von 7 bis 16.30 Uhr, bei Bedarf auch sonnabends. Ein Teil der Investitionskosten wird auf die Nutznießer über die später fälligen Anschlussbeiträge umgelegt, der große Rest kommt aus dem Topf des Zweckverbandes, in den alle Rüganer zahlen.

Über den Anschluss war jahrelang gestritten worden. Aus geologischen Gründen darf in vielen Bereichen von Hagen und Nipmerow kein gereinigtes Abwasser aus Kleinkläranlagen verrieselt werden.

Als Alternative wären vielen Eigentümern nur die abflusslosen Gruben geblieben, deren Entsorgung teuer ist und eine ständige Lärm- und Geruchsbelästigung durch die Entsorgungsfahrzeuge mit sich bringt.

Ende nächster Woche wird es vermutlich laut im Dorf.“Frank Burchett, Bauleiter ASA-Bau

 

 

Maik Trettin

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