Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Ohne Ankündigung: Bahn zwingt Borchtitzer zu langen Umwegen

Borchtitz Ohne Ankündigung: Bahn zwingt Borchtitzer zu langen Umwegen

Übergang wegen Gleisbauarbeiten mehrere Tage gesperrt / Einwohner müssen 20-Kilometer-Umweg fahren / Generelle Schließung des Übergangs erst einmal vom Tisch

Voriger Artikel
Rügen-Krimi lockt zwei Dutzend Zuhörer
Nächster Artikel
„Gehweg der Nationen“ steht auf der Kippe

Die Zu- und Abfahrt von der B 96 auf die Südstraße in Borchtitz ist tabu. Die Bahn hat den Übergang für mehrere Tage wegen Bauarbeiten am Schienenstrang gesperrt. Die Borchtitzer wussten davon nichts.

Quelle: Udo Burwitz

Borchtitz. Der Kampf der Lietzower hat sich gelohnt: Einwohner und Kommunalpolitiker der Gemeinde haben sich dagegen aufgelehnt, dass die Borchtitzer vom Rest der Insel abgeschnitten werden. Sie wehrten sich gegen Pläne der Deutschen Bahn, die schon seit Jahren vor hat, den Bahnübergang an der Südstraße in dem Lietzower Ortsteil „ersatzlos zu beseitigen“. Das scheint jetzt erst einmal vom Tisch zu sein. „Der Bahnübergang wird nicht geschlossen“, teilt Unternehmenssprecher Gisbert Gahler auf OZ-Nachfrage mit. Kommentar des Lietzower Bürgermeisters Jürgen Böhnig: „Wir können einen Erfolg verbuchen.“

OZ-Bild

Übergang wegen Gleisbauarbeiten mehrere Tage gesperrt / Einwohner müssen 20-Kilometer-Umweg fahren / Generelle Schließung des Übergangs erst einmal vom Tisch

Zur Bildergalerie

Die Folgen einer Schließung des Bahnübergangs hat Daniel Kasprzyk gerade erst erlebt und ausbaden müssen. „Wir mussten weite Umwege fahren“, sagt der Zimmermeister, der mit seiner Familie hinter dem Bahnübergang in Borchtitz wohnt und dort auch seinen Betrieb hat.

Verkehrstechnisch liegt der eigentlich günstig. Der Handwerker braucht nur den Bahnübergang an der Südstraße passieren, schon ist er an der Bundesstraße 96. An der befindet sich auch gleich die Haltestelle, von der aus seine Kinder täglich mit dem Bus nach Sagard zur Schule fahren können. Von Borchtitz aus, über die Ampelkreuzung am Abzweig der Nordstraße nach Mukran, ist das ein Katzensprung. „In der vergangenen Woche mussten wir die Kinder morgens überraschend aber am Bahnübergang abholen und selbst zur Schule bringen“, wettert Daniel Kasprzyk. Er ist sauer auf die Bahn.

„Die hat den Übergang vor unserer Haustür gesperrt“, kritisiert er die „Öffentlichkeitsarbeit“ des Unternehmens. „Die Betroffenen vorab zu informieren, hält sie scheinbar nicht für nötig.“ Am Dienstagabend in der vergangenen Woche sei ein Bagger am Bahnübergang abgestellt worden. Am nächsten Morgen hätten seine Kinder vor vollendeter Tatsache gestanden, erinnert er: „Der Übergang war dicht.“

Dass zwischen Lietzow und Sassnitz vom 13. bis 18. April mittags keine Züge verkehren und Bahnreisende auf die als Ersatzverkehr eingesetzten Busse umsteigen müssen, hatte das große Verkehrsunternehmen im Internet zwar angekündigt und diese mit Gleisarbeiten zwischen Sassnitz und Lancken begründet. Über Bahnarbeiten am Übergang in Borchtitz und seiner damit verbundenen Sperrung war allerdings nichts zu lesen. Die Gleise am besagten Übergang seien mit einem Messzug kontrolliert worden, teilt Gisbert Gahler im Nachhinein gegenüber OZ mit. „Im Ergebnis dieser Untersuchung musste im Bereich des Bahnübergangs Borchtitz eine Spurberichtigung vorgenommen werden, sonst hätte eine komplette Sperrung des Übergangs gedroht“, begründet er die in der vergangenen Woche vorgenommenen Arbeiten.

Die Züge rollen zwar wieder. Auch der Bahnübergang, dessen „ersatzloses Beseitigen“ die Bahn unter anderem mit einem technisch enorm hohen Aufwand begründet, der notwendig wäre, damit er den Anforderungen der Eisenbahnbau- und -betriebsordnung entspricht, ist wieder offen. „Von Mittwoch an bis zum Wochenende mussten wir aber wegen der Sperrung des Übergangs den Umweg über die Südstraße bis nach Mukran und von dort aus auf der parallel verlaufenden Nordstraße in Kauf nehmen, um nach Sagard zu kommen“, schildert Daniel Kasprzyk die Folgen der Sperrung. Das ist ein Umweg von knapp 20 Kilometern.

„Das ist unzumutbar und existenzbedrohend“, betont Jürgen Böhnig. Der Handwerksbetrieb sei nicht das einzige, betroffene Unternehmen, führt er weitere Beispiele an: Auch das Recyclingunternehmen Gollan und der Landwirtschaftsbetrieb Matuschak, der Flächen hinter dem Bahnübergang bewirtschaftet, seien betroffen. Und jene Borchtitzer, die hinterm Schienenstrang wohnen, müssten — egal ob zur Schule, zum Arzt oder zum Einkauf — den weiten Umweg fahren. Die Bahn hätte den Ort schlichtweg von den Ortsteilen abgeschnitten, wettert der Bürgermeister. „Das geht gar nicht. Deshalb haben wir gegen die Schließungspläne für den Übergang auch interveniert und sie abgelehnt.“

Die Lietzower Kommunalpolitiker sind nicht die einzigen. Auch Daniel Kasprzyk hat sich gewehrt. Dafür habe er sich sogar anwaltlichen Beistand geholt, sagt er. „Wir haben Widerspruch eingelegt, weil das durchgeführte Planfeststellungsverfahren fehlerhaft war.“ Dieser Einspruch sei anerkannt worden. Einen Schlussstrich will der Borchtitzer aber noch nicht ziehen. „Wenn die Bahn ein neues Verfahren eröffnet, müssen wir weiter kämpfen“, sagt er.

Von Udo Burwitz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
OZ-Bild
mehr
Mehr aus Sassnitz
Verlagshaus Rügen

Markt 25
18528 Bergen auf Rügen

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag:
9.00 bis 12.30 Uhr und von 13.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Jens-Uwe Berndt
Telefon: 0 38 38 / 20 14 53
E-Mail: ruegen@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.